Im Dialog für den Klimaschutz

Rasmus Beck (Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr), Manfred Rauschen (Öko-Zentrum NRW) und OB Dagmar Mühlenfeld beim Rundgang durch Heißen.
Rasmus Beck (Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr), Manfred Rauschen (Öko-Zentrum NRW) und OB Dagmar Mühlenfeld beim Rundgang durch Heißen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Das Pilotprojekt zur energetischen Stadtentwicklung in Heißen geht in die entscheidende Phase. Eigentümer wurden in den vergangenen Wochen über eine energieeffiziente Gebäude-Sanierung informiert.

Mülheim.. Es sind vor allem zwei Kriterien, die Mülheim-Heißen zu einem Energie-Pilotquartier fürs Ruhrgebiet machen: In dem Wohngebiet – begrenzt durch die Bahnstrecke im Norden, die A 40 im Osten, die Hingbergstraße im Süden und die Brückstraße im Westen – gibt es 1000 Wohngebäude, darunter viele Einfamilienhäuser, die weitestgehend in den 60er- bis 80er Jahren gebaut worden sind. Es gibt aber auch Häuser, die 100 Jahre und älter sind. Das bietet Potenzial für eine energieeffiziente Umgestaltung. Und: Durch eine hohe Kaufkraft in dem Stadtteil hofft die Wirtschaftsförderung Metropoleruhr (WMR) als Initiator des Projektes, dass die Eigentümer auch wirtschaftlich in der Lage sind, diese Potenziale zu stemmen.

Ob sie das aber auch wollen? Und: Wie können private Eigentümer überhaupt motiviert werden, am eigenen Gebäude etwas zu tun? Diesen Frage gehen seit November Jens Kohnen und sein Team von NRW Urban für die WMR nach.

Ausgewählt aus 200 Quartieren

Die Ergebnisse sollen Ende Februar ausgewertet werden. Bereits jetzt könne man aber aus Gesprächen mit etwas 40 Eigentümern im Quartier sagen: „Viele haben sich bereits mit einem energetischen Umbau ihres Hauses befasst“, so Jens Kohnen. Aber nicht unbedingt konkret. Wie könnte aber ein Umbau der Immobilie aussehen? Welche Kosten kommen auf den Eigentümer zu? Welche Fördermöglichkeiten gibt es? Fragen, die im Raum stehen.

Ballungsraum Ruhrgebiet

An Infoabenden im Gemeindehaus Kreuzkirche oder auch in Gesprächen mit Anwohnern, „die wir auf der Straße ansprechen“, so Kohnen, werden die Eigentümer darüber informiert, welche konkreten Maßnahmen in ihrem Fall Sinn machen. Manfred Rauschen vom Öko-Zentrum NRW erklärte beispielsweise: „Bei historisch bedeutsamen Fassaden oder anspruchsvoller Architektur wie beim Gemeindehaus der Kreuzkirche würde man immer von innen dämmen, um den optischen Charakter eines Gebäudes zu erhalten.“

Stadt nimmt Vorreiterrolle ein

Aus 200 Quartieren im Ruhrgebiet ist Heißen für das Pilotprojekt ausgesucht worden. Wissenschaftlich soll erarbeitet werden, wie Wohnbezirke mit einem älteren Gebäudebestand energieeffizient modernisiert werden können, um die Erkenntnisse für weitere Quartiere zu nutzen. Ziel ist es, die CO2-Emissionen deutlich zu reduzieren – um 40 Prozent in den Jahren 1990 bis 2020. Für Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld ist es nach der Bewerbung Mülheims um den Titel „Innovation City“ und die Bestrebungen zur Klimazone Mülheim nur folgerichtig, dass die Stadt mit dem Pilotprojekt in Heißen eine „Vorreiterrolle“ einnimmt. Die OB betonte aber auch zugleich: „Energetische Stadtentwicklung kann nur funktionieren, wenn wir die Eigentümer bewegen, mitzuziehen. Das kann nicht die öffentlich Hand alleine.“

Rasmus Beck, Geschäftsführer der WMR weiß denn auch: „Das Projekt lebt vom Dialog. Wir müssen vor Ort aufklären. Wenn wir mit einem Haus anfangen, entwickelt sich dann daraus eine Dynamik und weitere Eigentümer folgen dem Beispiel.“ Und das, so hofft er, nicht nur in Heißen. Denn das Projekt soll seine Strahlkraft für eine klimafreundliche Region über Heißens Grenzen hinaus werfen.