Ideen-Generator
19.10.2007 | 19:12 Uhr 2007-10-19T19:12:40+0200Hermann Rokitta ist mit seinem Bandagen-Entwurf für den Bundes-Designpreis nominiert.Nun will er auch die Stadt in Bewegung bringen. "Ästhetik und Produktion koppeln"
KREATIVE IN MÜLHEIM"Express the Essence" (drücke das Wesentliche aus) ist das Leitmotiv seiner Arbeit. Auf dem Büroschild steht "Produkt- und Markenästhetik". Hermann Rokitta ist ein hochdekorierter Industrie-Designer. Nun ist der Neu-Saarner für den Bundes-Designpreis nominiert.
Ob chirurgische Instrumente, Baggerfahrzeuge, Antriebstechnik oder Sicherheitstechnik - Rokitta gibt spröden Gegenständen eine ästhetische Form. Der 52-Jährige bezeichnet sich selbst als "Ideen-Generator". Und wer mit ihm spricht, merkt schnell, dass es nur so aus ihm heraus sprudelt.
Gegründet hat er sein Unternehmen 1989 in Hamburg. Vor zwei Jahren zog er nach Mülheim, wegen beruflicher Verpflichtungen seiner Frau. Seither zerbricht sich das nur vierköpfige Rokitta-Team an der Kölner Straße den Kopf, wie alltägliche Gegenstände designt werden.
Zum Beispiel für die Firma Bauerfeind, die Hilfsmittel für Sanitätshäuser herstellt. Für die Bandagen, die er gestaltete, erhielt Rokitta die internationale Design-Auszeichnung IF Material Award 2007 und den IF Product Award. Renommierte Preise. Dem kreativen Kopf kommt es aber nicht nur auf die Optik an. Es geht ihm auch um Funktionalität und die Marke, für die er arbeitet. "Gewohnheits- und Innovationsgrad sind für mich gleichrangig", erklärt Rokitta sein Prinzip. Und so will er "das riesige Vertrauen", das Verbraucher in eine Marke setzen, erhalten und gleichzeitig Innovationen für die zweite Produktgeneration einarbeiten. Sein Prinzip: "Erlebnis prägt das Ergebnis und den Innovationsprozess - erzeugt Dynamik und Emotion, generiert technische Herausforderungen, formt das Wesen eines Produkts."
So erhielt er den Material Award, weil ihm nach dem Urteil der Jury das Zusammenspiel der Materialien für die Bandagen besonders gut gelungen sei. Rokitta: "Jede Naht hat Einfluss auf die medizinische Wirkung." Das Bundeswirtschaftsministerium nominierte sein Werk deshalb auch für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland. Die Entscheidung trifft der Rat für Formgebung.
Rokitta hat aber nicht nur sein eigenes Unternehmen im Blick. "Ich will die Stadt in Bewegung bringen", kündigt er an. Inspiriert von vielen Events in der Metropole Hamburg, will er nun auch Anstöße geben, um im Ruhrgebiet etwas auf die Beine stellen. Sein Vater war Bergmann in Waltrop und deshalb ist Rokitta das Revier vertraut. "Arbeit ist auch Ästhetik. Alles gehört zusammen", meint der Designer. So schweben ihm kulturelle Veranstaltungen vor, bei denen er Ästhetik und Produktion mit dem Freiheitsbegriff koppeln will.
Mit der Eventagentur BetoBe im Haus der Wirtschaft hat er bereits Kontakte geknüpft. "Wir wollen uns in der kreativen Szene einfach zusammen finden, herumspinnen und vielleicht den Preis für die bescheuerste Gebrauchsanweisung ausloben", sagt Inhaber Jan Haupt. In der Branche habe man bislang nur reagiert. "Jetzt wollen wir agieren", so Haupt. Das Ziel: die Kopplung von Wirtschaft und Kultur. Ein guter Ort dafür sei das Haus der Wirtschaft. Und im Kopf hat Haupt auch schon einen schräge Idee: Er hängt 50 Leute auf einer Plattform an einen Kran und lässt sie zum 200. Geburtstag der Stadt hoch über Mülheim speisen.
www.rokitta.de

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