Hoffnung nach einem harten Jahr bei Bonifatius in Mülheim

Christel Birkenkamp (Mitte) ist ausgebildete Altenpflegerin, aber ihr Arbeitsplatz im Pflegeheim Bonifatius ist die Rezeption.
Christel Birkenkamp (Mitte) ist ausgebildete Altenpflegerin, aber ihr Arbeitsplatz im Pflegeheim Bonifatius ist die Rezeption.
Foto: Herbert Höltgen
Was wir bereits wissen
Christel Birkenkamp, Betriebsrätin im Mülheimer Pflegeheim Bonifatius, blickt auf ein anstrengendes Jahr zurück. Sie wünscht sich weniger Streit und gerechtere Bezahlung.

Mülheim.. „Es war ein sehr anstrengendes Jahr“, sagt Christel Birkenkamp, und beginnt den persönlichen Rückblick auf 2014 im Februar: mit ihrer Wahl zur Betriebsratsvorsitzenden im Senioren- und Pflegezentrum Bonifatius, deren Ergebnis vor dem Arbeitsgericht angefochten worden war. Sie setzte sich zwar letztendlich durch, weiß aber: „Ich habe ein schweres Amt angenommen.“ Ihr Vorgänger, der im Frühjahr abgewählt wurde, hatte diese Position immerhin fast zwanzig Jahre lang inne.

Schon diese Episode zeigt: Es herrscht – oder herrschte – tiefer Zwist im 283-Betten-Haus an der Hingbergstraße, wo im Vorjahr Berichte über Pflege- und Dokumentationsmängel publik wurden, so dass die städtische Heimaufsicht einen vierwöchigen Belegungsstopp verhängte. Dass es Defizite gab, wurde durch den MDK festgestellt und auch von niemandem ernsthaft bestritten. Zu den Gründen, aus ihrer Sicht, meint die gelernte Altenpflegerin Christel Birkenkamp: „Eine Pflegedienstleitung fehlte. Die damalige Einrichtungsleiterin konnte es gar nicht alleine schaffen.“

Dennoch: Ungerecht beurteilt habe die Belegschaft sich auch gefühlt, durch „einseitig negative Berichte“, nicht selten in Form anonymer Briefe, die gezielt an Medien gingen: „Das tut den Mitarbeitern weh, zu behaupten, sie hätten nur schlechte Arbeit geleistet.“ Dass die sogenannte Task Force weiterhin im Haus bleibt, die die Betreibergesellschaft im Juni einsetzte, werde von der Stammbelegschaft „gerne gesehen: Wir sind dankbar für diese Unterstützung“, sagt Birkenkamp.

Applaus auf der Betriebsversammlung

Gefragt nach einem Wendepunkt, den das Vorjahr mit sich brachte, erwähnt die 59-Jährige eine Betriebsversammlung im vergangenen Juli, bei der es Applaus für den siebenköpfigen Betriebsrat gab. „Da hat man erstmals gesehen, dass wir doch gute Arbeit leisten.“

Seit November steht das Seniorenheim unter Führung von Peter Hunz, und auch ein neuer Pflegedienstleiter kam. „Zulagen wurden nachgezahlt“, hebt die Betriebsrätin hervor, „ohne dass Mitarbeiter dies gerichtlich einklagen mussten, wie früher oft geschehen.“ Sie sieht das Haus offensichtlich auf einem guten Weg und wünscht sich für die Zukunft, „dass wir weniger streiten“.

Längerfristig gesehen, möchte der Betriebsrat, in Abstimmung und Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft, „bestehende Ungleichbehandlungen in der Bezahlung“ angehen: „Wenn wir einen Haustarifvertrag hätten, der alle Berufs- und Funktionsgruppen berücksichtigt, würde uns das viel Ärger ersparen“. Christel Birkenkamp, gebürtige Hamburgerin, gehört bei Bonifatius zu den Leuten der ersten Stunde. „Alle nennen mich nur ,die Birke’“.

Berufsbild in der Altenpflege verändert sich ständig

Sie arbeitet hier seit der Eröffnung des Hauses im Oktober 1994, allerdings nicht als Pflegekraft, sondern zunächst als Leiterin der Caféteria, inzwischen an der Rezeption. „Ich kümmere mich lieber um die seelische Pflege, auch von Angehörigen, die mit ihren Sorgen zu mir kommen.“

In der eigentlichen Altenpflege, in der sie lange Jahre selber tätig war, verändere sich das Berufsbild ständig: „Mittlerweile ist man ja nur noch halb Altenpflegerin und halb Sekretärin. Denn was nicht dokumentiert ist, gilt als nicht geschehen. Der Mensch kommt da zu kurz.“ Wenn die Dokumentationspflichten gesetzlich vorgegeben seien, müssten eigens hierfür auch Stellen geschaffen werden, meint die Betriebsrätin. „Dann könnten die Altenpflegerinnen den Menschen wirklich Zuwendung geben.“

Aber trotz aller Anstrengung, trotz des Ärgers: „Ich arbeite wirklich gerne hier bei Bonifatius“, versichert Christel Birkenkamp, „das ist mein zweites Zuhause.“