Hoffnung für die ReitanlageNeuer Eigentümer bei Karstadt

Brand, Stilllegung der Anlage, Vereinsinsolvenz und ein gescheiterter Versuch, die Reitanlage am Broicher Waldweg zu verkaufen. Das waren seit 2011 die Stationen der traditionsreichen Sportstätte, wo in den 60er und 70er Jahren sportliche und gesellschaftliche Höhepunkte mit dem Reit- und Fahrverein Uhlenhorst gefeiert werden konnten. Anfang 2014 schien endlich Bewegung in die Sache zu kommen. Es zeichnete sich Hoffnung für die in weiten Teilen unter Denkmalschutz stehende Sportanlage ab, deren Instandsetzung von einem Interessierten auf gut 1,5 Millionen Euro geschätzt wurde. Durch die Nichtnutzung der Gebäude verfielen diese zusehends und wurden in ihrem Wert stark gemindert. Es war zu befürchten, dass mit fortschreitender Zeit eine Umwidmung des Geländes für Wohnzwecke unausweichlich würde und ein Stück Stadtgeschichte verschwindet. Inzwischen hatte die Verwaltung aber mit einem Privatmann, dessen Identität noch geheim gehalten wurde, einen Erbpachtvertrag ausgehandelt, wie Stadtsprecher Volker Wiebels auf Anfrage bestätigte. Dieser Vertrag soll den Fortbestand der Anlage ohne Um-, An- und Neubauten sicherstellen. Nun war die Politik im Stadtrat am Zug und musste entscheiden, ob der Vertrag mit dem Pächter, der „in der Reitszene nicht unbekannt“ ist, abgeschlossen werden kann. Der Pächter wollte sich verpflichten, die alte, historisch bedeutsame Militärreitsportanlage zu erhalten und zu sanieren. Unklar war die Höhe des Sanierungsaufwands. Der Brandschaden von Rosenmontag 2011 war nur notdürftig behoben worden.

Im April stimmte der Rat der Stadt dem Abschluss eines Erbpachtvertrages zu. Mittlerweile sind laut Stadtsprecher Volker Wiebels schon 25 Pferde am Broicher Waldweg eingezogen. Der Mülheimer Springreiter Thomas Kögler will die Anlage modernisieren und plant einen Ausbildungsbetrieb für Pferde und Reiter auf dem großzügigen Gelände am Broicher Waldweg.

Karstadt setzte Anfang letzten Jahres auf eine neue Strategie. Die neue Chefin Eva-Lotta Sjöstedt plante, die Sanierung der ­Essener Warenhauskette voranzutreiben. „Wir befinden uns in einer schwierigen Situation. Da gibt es nichts zu verbergen“, sagte die schwedische Managerin, die im Februar vom Möbelriesen Ikea zu Karstadt wechselte. Die Strategie ihres Vorgängers Andrew Jennings wollte Sjöstedt an der einen oder anderen Stelle verändern. „Es geht bei Karstadt nicht nur um Mode“, ­betonte sie. „Die Menschen erwarten zu Recht, bei uns auch die Dinge des täglichen Bedarfs zu finden.“ Außerdem wollte sie die Sortimente „stärker als bisher auf die lokalen und regionalen Bedürfnisse ausrichten“.

Schon im Juli hat Geschäftsführerin Eva-Lotta Sjöstedt nach gerade einmal fünf Monaten das Handtuch geworfen und Karstadt den Rücken gekehrt. Ihren Rückzug begründete sie mit der fehlenden Unterstützung durch Eigentümer Berggruen. Im August wurde der österreichische Immobilieninvestor René Benko neuer Karstadt-Eigentümer. Der neue Aufsichtsrat und das Management hielten „tiefe Einschnitte“ für unumgänglich. Anfang November kündigte die Unternehmensleitung an, neben der Schließung von sechs Standorten alle Filialen auf den Prüfstand zu stellen. Nach Rechnung des Gesamtbetriebsrates sollen Personalkosten im Volumen von 1950 Vollzeitstellen gestrichen werden. Mitte November hat der Konzern begonnen, mit Verdi über mögliche Kürzungen tariflicher Leistungen zu verhandeln. ail