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BIOMÜLL

Hoffen auf bessere Zeiten

14.10.2008 | 18:54 Uhr

Sie war einer der teuersten Flops der Stadtgeschichte – die Vergärungsanlage. Über 10 Millionen Euro kostete ihr Bau, gerade mal drei Jahre war sie in Betrieb und statt Gewinn machte sie nur Verluste: allein im vergangenen Jahr rund 1,6 Millionen Euro. Seit Ende Juni ist sie abgeschaltet. Doch die braunen Tonnen werden weiterhin regelmäßig geleert. Wohin geht aber der Mülheimer Bioabfall? „Zur Kompostierungsanlage am Breitscheider Kreuz”, erklärt Jürgen Jeppel, Geschäftsführer der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft (MEG). Für den Bürger hat sich also nichts geändert, auch die von der Stadt erhobene Entsorgungsgebühr ist gleich geblieben. Die je zur Hälfte der Stadt und Remondis gehörende MEG ist immerhin einen unwirtschaftlichen Kostenfaktor los.

Eigentümer der auf eine Jahreskapazität von 28 000 Tonnen ausgerichteten Breitscheider Anlage sind die Awista GmbH und der Kreis Mettmann. Die Anlage verarbeitet Garten- und Parkabfälle, Müll aus der Biotonne sowie Abfälle aus Großküchen und der Lebensmittelproduktion. Am Ende kommt Kompost heraus, der für Landwirtschaft, Garten- und Landschaftbau sowie Rekultivierungsmaßnahmen geeignet ist, schreibt das Unternehmen auf seiner Internetseite. Auf die Erzeugung von Kompost plus Biogas, das wiederum in Wärme und Strom umgewandelt wurde, war die Anlage an der Pilgerstraße ausgerichtet. Seit ihrer Abschaltung ist sie, wie MEG-Chef Jeppel es nennt, „in der Revision.” Das heißt: Sie wird komplett entleert, überprüft und anschließend sie so weit hergerichtet, dass sie jederzeit wieder hochgefahren werden kann. Bis dahin bleibt sie eingemottet. Wann die Vergärungsanlage ihren Dienst wieder aufnimmt, ist völlig offen. „Wir beobachten den Markt”, so Jeppel. Sobald die Preise, beispielsweise die für die Entsorgung von Schlachtabfällen, wieder deutlich anstiegen, müsse neu gerechnet werden. Fest steht: Allein vom Gartenschnitt der Mülheimer kann die Anlage nicht wirtschaftlich betrieben werden. Auf jährlich 24 000 Tonnen ist ausgerichtet, tatsächlich wurden im Schnitt kaum 7000 Tonnen angeliefert.

Und wir wäre es mit einem Abbau und Verkauf des einstigen Vorzeigeprojekts von Schwarz-Grün? „Nein”, sagt Jeppel, dies sei nicht geplant.

Frank HELLING

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16.10.2008
21:43
Hoffen auf bessere Zeiten
von haraldjonas | #4

Wir in Mülheim sind ja hoffen gewohnt: erst hofft Frau Mühlenfeld visionär auf wirtschaftliche Zeiten in denen Ihr antizyklisches Projekt mal Früchte tragen wird und jetzt hofft Herr Jeppel auf eine Änderung der Gewohnheiten der mülheimer Bürger (und umliegenden Gebietsbewohner) in der Art der Biomüllproduktion.

Mein Kommentar fällt da ein wenig nüchterner aus: Diese Anlage sind SUNK-COSTS.

Herr Helling schreibt zwar nur am Schluss einen kleinen Satz mit einer wichtigen Frage, aber diese kategorische Verneinung von Herrn Jeppels Seite zeigt, dass man nicht hoffen sollte, dass die Anlage irgendwann nochmal etwas zu tun bekommt, sondern dass diese unökonomische Denkweise im Rathaus den Bürgerinnen und Bürgern in Mülheim in der Vergangenheit, gegenwärtig und in der Zukunft noch Geld kosten wird.

Wenn man jetzt schnell handeln würde, könnte man vielleicht noch einen geringen Anteil der Sunk costs raus holen können, aber in ein paar Jahren ist das Ding doch technisch und ökonomisch veraltet (also selber was für den (Sonder-)müll!!)!

Aber Mülheim ist ja so toll ..... wir haben sogar Sachen die in der Ecke verschimmeln! SUPER!

15.10.2008
16:11
Hoffen auf bessere Zeiten
von T.Ernst | #3

Hallo Herr Helling,
ich war mal so frei und habe mal ihren Job gemacht und ein wenig recherchiert.
Remondis ist zu 49% an der Avista beteiligt (seit Sommer 2006).
Geschäftsführer ist der Golfkollege von Herrn Jeppel, Herr Steinhaus.
Übrigens der Sohn von Herrn Steinhaus ist wohl bei der MEG beschäftigt.
Und ist es nicht so, das sich damals beim Bau der Mülheimer Anlage Trienikens dazu verpflichtet hat die Anlage auszulasten?
Die Stadt Mülheim hat sich per Ratsbeschluss seinerzeit dazu verpflichtet 8000 Tonne zu liefern.
Sehr geehrter Herr Helling ich vermisse im übrigen Ausführungen zu Herrn Yassine.
War er nicht der Leiter dieser Anlage?
Durch ihre Berichterstattung haben Sie mich allerdings so neugierig (und Bösgläubig) gemacht das ich mich jetzt mal auf die Socken mache und mal schaue was man mit geringsten journalistischen Aufwand so rausbekommt!!!

15.10.2008
14:44
Hoffen auf bessere Zeiten
von WesTT | #2

@MaryFloh

Jo, dürfte doch eigentlich für die Mülheimer Abholzverwaltung kein Problem darstellen!

15.10.2008
13:47
Hoffen auf bessere Zeiten
von MaryFloh | #1

Würde denn ein Verkauf der Anlage überhaupt Sinn machen? Schließlich müsste der Betreiber sie ja auch auslasten. Aber woher käme der nötige Bioabfall? Wenn die MEG das wüsste und diese Kanäle anzapfen könnte, würde sie die Anlage vielleicht sogar selbst rentabel betreiben können.

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