Höchstens einen Tag später im Briefkasten

Es ist ja doch Post gekommen. Dieser Gedanke stellt sich wohl bei vielen ein, wenn sie morgens ihren Briefkasten öffnen. Denn der ist gar nicht leer, obwohl bei der Post gestreikt wird. Doch nur weil Briefe im Kasten sind, heißt dies ja nicht, dass auch wirklich die Post komplett ist. Manche Sendungen treffen so pünktlich ein wie immer, andere später als sonst. Es hängt davon ab, wie hoch die Streikquote an dem jeweiligen Ort ist, an dem die Post verschickt worden ist.

Die Post selbst gibt als Quote an: höchstens ein Tag Verspätung. Genaue Zahlen darüber, wie viele Mitarbeiter vor Ort streiken, verrät die Post nicht und von Verdi sind auch keine Angaben zu erfahren. Post-Sprecher Achim Gahr kann nur deutschlandweite Zahlen nennen: Gestern waren 22 800 Mitarbeiter im Ausstand. Das bedeute, der tägliche Transport von 65 Millionen Briefen sei zu 76 Prozent, der von 3,1 Millionen Paketen zu 62 Prozent vom Streik beeinträchtigt. Gleichwohl sei es Ziel, dass der Kunde im besten Falle den Streik überhaupt nicht bemerken würde.

Zu diesem Zweck setzt die Post an den Standorten, an denen eine besonders hohe Streikquote herrscht, Ausgleichskräfte ein: Dass sind Beamte, die nicht streiken dürfen oder Mitarbeiter, die aus der Verwaltung abgezogen werden. Zudem gebe es einen erklecklichen Anteil von Mitarbeitern, die der Gewerkschaft nicht angehörten oder laut Gahr deren Vorstellungen nicht teilen würden. Sie arbeiteten einfach weiter. Zahlen will Gahr hier ebenfalls nicht nennen.

Verdi hat unterdessen erklärt, dass der Arbeitskampf noch nicht sein volles Ausmaß erreich habe. Sollte die Post keine Zugeständnisse machen, würden die Streikmaßnahmen intensiviert, so der Verdi-Landesfachbereichsleiter Post, Uwe Speckenwirth, gegenüber der NRZ.