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Hitze schwächt den Organismus

20.06.2007 | 08:48 Uhr

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben: Damit die Gesundheit im Urlaub nicht auf der Strecke bleibt, sollten die Tipps von Reisemediziner Professor Dr. Jürgen Freise Beachtung finden Andere Länder, andere Bedingungen für den Organismus. Prof.

THEMA DER WOCHE GUT VORBEREITET IN DEN URLAUB Reisemediziner und Chefarzt der Medizinischen Klinik am Ev. Krankenhaus (EKM) sprach mit Bettina Kutzner darüber.

Ist das Erkrankungsrisiko bei Fernreisen besonders groß?

Freise: Auch in Spanien, Italien, Griechenland, Türkei und in Ost- und Nordeuropa kann man sich Probleme einhandeln. Rund 20 Millionen der Deutschen sind etwa einmal im Jahr im Ausland unterwegs. Statistisch konsultiert von zwölf Urlaubern einer einen Arzt, von 15 wird einer während des Urlaubs bettlägerig, von 50 Urlaubern kommt einer arbeitsunfähig zurück. Und von 250 Reisenden muss einer ins Krankenhaus.

Was sind die größten Probleme im Urlaub?

Freise: Wenn man die Statistik befragt, bekommt von drei Reisenden, die nach Südeuropa fahren, einer Durchfall. Für Ältere und Kleinkinder kann das ein großes Problem sein.

Wenn jemand im Urlaub stirbt, sind zu 49 Prozent Herz-Kreislauf-Probleme die Ursache. Die zweithäufigste Todesursache sind schon Unfälle (23 Prozent), zumeist im Straßenverkehr. Und 15 Prozent sterben durch Ertrinken.

Daran sieht man, dass Infektionskrankheiten wie Malaria eine eher untergeordnete Rolle spielen - statistisch gesehen. Wenn aber 40 Personen ohne Prophylaxe in Malariagebiete fahren, erkrankt einer davon.

Stichwort Prophylaxe - wogegen sollte man sich vor einer Reise impfen lassen?

Freise: Gegen Hepatitis A. Und vor allem gegen Hepatitis B, die massive gesundheitliche Probleme für den Rest des Lebens machen kann. Allerdings ist die Schutzimpfung für Erwachsene nicht ganz billig. Aber ich würde es jedem empfehlen. Das Risikogebiet beginnt schon in Deutschland. 800 000 Deutsche leiden an einer chronischen Hepatitis B.

Tetanus sollte man sowieso haben. Und länderspezifisch FSME und auch andere Impfungen. Man sollte sich überlegen, ob es nötig ist. Wer etwa in Malariagebiete reist, sollte sich vor einer Prophylaxe fragen: Gehe ich überhaupt in die freie Natur? Oder bin ich nur im Hotel, etwa als Kongressgast.

Was gehört denn unbedingt in die Reiseapotheke?

Freise: Schutz gegen Mücken und Stechinsekten. Es gibt viele Krankheiten, die durch Stiche übertragen werden. Desinfektionsmittel und etwas Verbandszeug. Gegen Durchfall helfen Mittel mit dem Wirkstoff Loperamid sehr gut. Paracetamol empfehle ich gegen Fieber und Schmerzen.

Und man muss an die Medikamente denken, die man täglich braucht. Nicht zu vergessen, dass man auf Flugreisen für flüssige Arzneien im Handgepäck eine Bescheinigung vom Arzt benötigt. Das betrifft etwa Diabetiker, die sich Insulin spritzen müssen.

Wie verhalte ich mich auf Reisen gesundheitsgerecht?

Freise: Es ist sehr gesundheitsschädlich, sich am ersten Tag in die pralle Sonne zu legen. Vielen ist nicht bewusst, dass die Hitze den Organismus schwächt. Man fühlt sich abgeschlagen und müde, ist anfälliger für Infektionskrankheiten. Und unbedingt aufpassen, dass man keinen Sonnenbrand bekommt. Die gerötete Haut ist ja eine massive Entzündung für den Körper.

Also an den ersten zwei, drei Tagen etwas Zurückhaltung üben, ausruhen, akklimatisieren. Das gilt vor allem bei einer Zeitverschiebung. Und auch, wenn man sich in große Höhen begibt, etwa in die Anden, zum Kilimandscharo oder in die asiatische Bergwelt. Man kann über 3000 m leicht höhenkrank werden, eine lebensbedrohliche Situation.

Tauchschulen empfehlen, dass man zwei Tage vor dem Rückflug nicht mehr taucht. Daran sollte man sich unbedingt halten, weil sonst beim Rückflug auch bei jungen Menschen eine Gasembolie im Gehirn mit lebenslangen Lähmungen droht.

Was ist im Alltag wichtig?

Freise: Nur gegarte Speisen verzehren und Früchte, die man selbst geschält hat. Aus Flaschen trinken, die man selbst geöffnet hat. Und immer die Hände waschen, so oft es eben geht.

Ein Thema für sich ist der ungeschützte Geschlechtsverkehr, der für die eigene Gesundheit wie ein Russisches Roulette ist."An den ersten ein, zwei Tagen etwas Zurückhaltung üben."

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