Hinter den Kulissen der Theatertage

Bei den Mülheimer Theatertagen: Aufbau des großen Bühnenbilds für „Die Unverheiratete" (Burgtheater Wien)
Bei den Mülheimer Theatertagen: Aufbau des großen Bühnenbilds für „Die Unverheiratete" (Burgtheater Wien)
Foto: Michael Dahlke
Was wir bereits wissen
Beim Aufbau der Bühnenbilder in der Stadthalle ist jede helfende Hand gefragt. Marc Lenz, Technischer Leiter, und sein Team bewegten für das Stück der Wiener Burg heute Abend über drei Tonnen

Mülheim.. Als der Personaldienstleister kurz vorher ankündigte, er könne nicht mal einen Bühnen-Helfer schicken, da schoss der Adrenalinspiegel des Technischen Leiters der Stadthalle in die Höhe. „Das ist dann schon produktionsgefährdend“, sagt Marc Lenz. Von Zuhause aus kontaktierte er eine andere Firma und hatte Glück, die Leute zu bekommen. Weitere große Schreckensmomente blieben ihm erspart. „Insgesamt war das Stücke-Festival in diesem Jahr eine runde Sache. Es hat alles durch die Bank gut funktioniert“. Auch die Zusammenarbeit mit den Gast-Theatern „war sehr angenehm“. Was so leicht bei den Theatertagen über die Bühne geht – dahinter steckt richtig Arbeit.

Neun Leute zählt das Team in der Stadthalle, darunter Bühnenmeister, Beleuchter, Techniker und ein Azubi. Mit zusätzlichen externen Mitarbeitern und der Unterstützung von Bühnenteams der eingeladenen Theater kümmern sie sich um den Aufbau der Kulissen für die Inszenierungen.

Vier große Stücke mit aufwändigem Bühnenbild

Sechs der insgesamt sieben Stücken waren in diesem Jahr in der Stadthalle zu sehen, darunter vier große mit einem aufwändigen Bühnenbild. Allein schon von der Anzahl „war das eine große Herausforderung“, sagt Lenz. „Soviel Stücke habe ich in meiner Zeit hier noch nicht erlebt.“ Glücklicherweise habe der Spielplan gut gepasst, „so dass es immer die Möglichkeit gab, einen Vorbereitungstag zu haben“. Sonst wäre das für die Mannschaft anstrengender geworden. „So war es auch schön, alles mitzuerleben.“

Der dickste Brocken stand gestern mit dem Stück von Ewald Palmetshofer und dem Wiener Burgtheater an: „Vom Aufwand her ist es das größte Stück. Wir haben mehrere Gitterträger, massive Strahlkonstruktionen, die mit Leuchtstoffröhren belegt sind. Da wiegt eine allein schon 450 Kilo. Davon müssen wir drei Stück anheben, um sie in Kästen zusammenzusetzen. In Summe werden sie 3,3 Tonnen wiegen.“ Zusätzlich wurde ein roter Vorhang angebracht, der während der ersten 20 Minuten Vorstellung ständig auf und ab fährt. „Da muss die ganze Mechanik und Programmierung funktionieren.“ Allein an technischem Personal waren gestern acht Leute im Einsatz, dazu elf externe Helfer und zwölf Mann von der Wiener Burg.

Die sind Stühle bequemer

Die Beleuchtung wird elektronisch gefahren, gehe über ein Lichtstellwerk, das die Lampen steuere. In einer Parkett-Loge sitzt die Regie nah beieinander: Licht, Ton und Video. Das Stück „Wunsch und Wunder“ sei vom Lichtdesign anspruchsvoll gewesen, „da haben wir hier fast zwölf Stunden nur Licht gebaut“.

Im vergangenen Jahr verließen Gäste die Studio-Bühne mit Rückenschmerzen. Diesmal waren die Stühle bequemer: „Wir hatten vorher eine Tribüne mit Klappstühlen, die fest installiert waren“, erläutert Lenz. „In diesem Jahr haben wir eine Podest-Tribüne errichten lassen und darauf stadthalleneigene Stühle stellen können.“ Eine aufwändige Sache mit langem Aufbau, die sich lohnte: Positive Rückmeldungen gab’s aus dem Publikum.