Hausverkauf mit Hindernissen
25.09.2011 | 17:47 Uhr 2011-09-25T17:47:00+0200
Fast ein Jahrzehnt lang wohnten Wolfgang und Monika Domogala in einem Mobilheim auf Mülheimer Boden: im Freizeitdomizil Entenfangsee. Als sie ihr Häuschen kürzlich verkauften, flossen mehr als 9000 Euro in die Kasse des Platzbetreibers. Das Ehepaar ärgert sich sehr darüber.
Die etwas unglückliche Geschichte geht so: Ende 2009 entschlossen sich die Domogalas, ihr Mobilheim, das sie im Jahr 2000 bezogen hatten, zu verlassen und zu veräußern. Sie kündigten den – gemieteten – Stellplatz und bekamen vom Platzbetreiber einen Vertrag vorgelegt, der sich auf den Verkauf des Häuschens bezieht.
Diese „Vereinbarung“ regelt: Falls das Mobilheim einen Käufer findet und dieser als Nachmieter auf dem Platz bleiben möchte, muss der Verkäufer, sprich: der alte Mieter, eine nicht unerhebliche Provision an die Campinggesellschaft zahlen. Diese fordert: die Differenz zwischen dem Preis, der für das Haus auf seiner angestammten Parzelle geboten wird, und dem reinen Wert des Mobilheims, ohne Stellplatz. Dieser soll „einvernehmlich“ geschätzt werden, der Altmieter kann auch ein Gutachten vorlegen. Die Zahlung an die Campinggesellschaft ist laut Vertrag allerdings gedeckelt: auf maximal 8000 Euro.
Exakt diese Vereinbarung „mussten“ die Domogalas im Dezember 2009 unterschreiben, wie sie sagen: „Sonst würde ein Käufer keinen Mietvertrag erhalten, und wir hätten das Mobilheim abreißen müssen.“ Und als sie Ende Juni 2011 tatsächlich verkauften, zahlten sie zähneknirschend 8000 Euro. Die Rechnung sah in ihrem Fall so aus: Für das Häuschen, rund 60m² groß und „verschiefert“, wie Domogala betont, bot der Käufer und potenzielle Nachmieter 41 000 Euro. Unter der Voraussetzung, dass man am Entenfang stehen bleiben und einziehen kann. Der Wert des Mobilheims ohne Stellplatz wurde dagegen einvernehmlich auf nur 25 000 Euro beziffert, woraus sich eine Differenz von 16 000 Euro ergibt.
Die Hälfte davon behielt der Platzbetreiber ein. Nicht nur das: „Zusätzlich“, so Wolfgang Domogala, „wurden 1230 Euro für die Vermittlung fällig.“ Dies aufgrund einer weiteren Klausel, die Domogalas ebenfalls unterzeichnet haben: Falls das Mobilheim bzw. der Wohnwagen in die öffentliche Verkaufsliste des Vermieters aufgenommen wird oder dessen Mitarbeiter beim Verkauf vermitteln, ist zusätzlich eine Provision in Höhe von drei Prozent des Bruttoverkaufspreises zu zahlen. „Vom Verkaufspreis blieben uns noch 31 770 Euro übrig“, klagt Wolfgang Domogala. „Dreiste Abzocke“ nennt er das.
Eine Sichtweise, die Dietmar Harsveldt, Geschäftsführer der Campinggesellschaft am Entenfangsee mbH, naturgemäß nicht teilt. Harsveldt sagt: „Die Hausbesitzer können verkaufen, an wen sie wollen“. Doch wenn der neue Eigentümer keinen Mietvertrag für die Parzelle am See hat, „muss das Mobilheim von unserem Grundstück entfernt werden“. Aber natürlich seien die Häuschen nur attraktiv wegen ihrer Lage, argumentiert der Campingplatzchef, „sie sind ein Vielfaches wert, weil sie auf meinem Grund und Boden stehen, weil der Garten ringsherum gemacht ist, und so weiter.“ Außerdem kümmerten sich seine Mitarbeiter auch um den Verkauf .
Mit diesem Mehrwert, diesen Leistungen begründet Harsveldt die Provision und nennt sie „ganz legal. Das wird seit 20 Jahren hier gemacht.“ Schon mehrfach hätten zwar Altmieter in dieser Sache prozessiert, „doch wir sind immer wieder von Amtsgerichten bestätigt worden“.
Wolfgang und Monika Domogola, die übrigens inzwischen in einem großen Wohnblock mit 48 Parteien in Ratingen leben, haben gar nicht vor, zu klagen. Weil es ihnen aussichtslos erscheint: „Jeder sagt Ihnen: Wir haben Vertragsfreiheit in Deutschland. Wer so etwas unterschreibt, ist selber schuld.“ Darauf zumindest können sich beide Seiten wohl einigen.
Campingplatz unter neuer Leitung
Das „Freizeitdomizil Entenfangsee“ läuft seit April 2011 unter neuer Geschäftsführung: Dietmar Harsveldt übernahm es von Erhard Fischer, der den grün gelegenen Platz 1970 gegründet hatte. Der neue Eigentümer führt nunmehr sieben Anlagen, u.a. auch in Hattingen und Haltern-Flaesheim. Am Entenfang stehen derzeit nach Aussage von Harsveldt rund 600 vermietete Mobilheime. Nur etwa 20 Parzellen seien frei und würden u.a. von Kurzzeitcampern genutzt.

07:32
Es ist schön wenn jemand die Logik hinter dem Vertrag erkennt: Nur wird einem diese Logik beim Abschluss eines Mietvertrages nicht bekanntgegeben und man läuft ins offene Messer. Es ist richtig, dass auch auf anderen Campingplätzen Provisionen verlangt werden, aber bei weitem nicht in solch astronomischen Höhen! Über diese Abzocke gibt es im Archiv reichlich Kommentare!
Wir werden auf jeden Fall nicht aufhören und jeden davor warnen einen solchen Vertrag zu unterschreiben.
Zu den Äußerungen von H. Hasfeldt:
Es ist richtig, das Prozesse in dieser Sache vor dem Amtsgericht Mülheim verloren wurden. Richtig ist aber auch, dass in der 2. Instanz, Landgericht Duisburg, nahezu jeder Prozess gewonnen wurde. Man muss also nur Zeit und Geduld haben.
Nur 20 freie Parzellen? Lachhaft!
Interessant ist auch der Beitrag im Archiv Ich will noch nicht aufhören aus der Entenfangserie, hier wurden 40 Kommentare abgegeben.
15:21
Ein absolut übliches Verfahren auf Campingplätzen.Weiß jeder und braucht man sich nicht drüber Aufregen. Am Entenfabg wird es schon wesntlich länger als 20 Jahre praktiziert.
13:25
Ich verstehe weder die Aufregung noch die Tatsache, dass über soetwas in der Zeitung berichtet wird. Aber das hats ja schon öfter gegeben hier.
Das ist halt das Problem, wenn man eine (Fast-)Immobilie verkauft, die auf fremdem Grund steht. Die Logik hinter dem Vertrag ist nachvollziehbar. Hätte er das Ding doch ohne den Stellplatz für 25000 verkaufen können.
Und morgen lesen sie in dieser Rubrik: Karl Molski beschwert sich über den schlechten Sommer und fordert Geld für seine Photovoltaik-Anlage zurück.