Hausbesuch-Pilotprojekt "Post Persönlich" mit Problemen

Mit dem Projekt "Post Persönlich" versucht die Post, ein neues Geschäftsfeld zu erschließen. Postzusteller sollen soziale Dienste leisten.
Mit dem Projekt "Post Persönlich" versucht die Post, ein neues Geschäftsfeld zu erschließen. Postzusteller sollen soziale Dienste leisten.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
In Mülheim und Gelsenkirchen sollen Postboten auch soziale Dienste leisten. Doch das Pilotprojekt "Post Persönlich" kommt wohl nur schwer in Gang.

Gelsenkirchen/Mülheim.. Sie sollen bei Kunden klingeln und schlicht und einfach fragen: "Wie geht's?" Unter dem Namen "Post Persönlich" testet die Deutsche Post in Gelsenkirchen und Mülheim ein neues Aufgabenfeld für ihre Postzusteller. Nun wurde das Pilotprojekt bis Ostern diesen Jahres verlängert. Ein Zeichen dafür, dass es schwieriger anläuft, als man es sich bei der Post erhoffte.

Seit August vergangenen Jahres können Postkunden in Bereichen des Postleitzahlenbezirks 45 den "Service für ein Stück mehr Sicherheit zu Hause" buchen. Das Projekt sollte ursprünglich einen Monat eher an den Start. Zielgruppe sind ältere oder behinderte Alleinstehende, die sich zwar noch selbst versorgen, denen es jedoch an sozialen Kontakten mangelt; Reif für einen Pflegedienst sind sie noch nicht, aber Angehörige leben zum Beispiel weit weg. Diesen Kunden will die Post "die beruhigende Gewissheit" geben, "dass täglich eine vertraute Person nach ihnen schaut und fachkundige Hilfe ruft, wenn sie benötigt wird".

Das mögen offenbar bisher nur sehr wenige Kunden nutzen. Laut Kommunikationsgewerkschaft DPV liege die Kundenzahl "im einstelligen Bereich". Die Post selbst will sich zu konkreten Zahlen nicht äußern. "Wir haben Kunden", sagt ein Postsprecher. Das Projekt "ist für uns Neuland", erklärt er. Es müsse sich auch bei den Postkunden erst noch herumsprechen.

1,2 Millionen Senioren in NRW leben alleine im Haushalt

Der Dienst ist in Fachkreisen nicht unumstritten: Bewertungen reichten zum Start des Pilotprojekts von "pfiffige Idee" bis "das ist eine zweifelhafte Dienstleistung". Auch die Gewerkschaft DPVKOM äußerte Bedenken: Für die angebotenen Hausbesuche sollen Postzusteller nur ein Zeitkontingent gutgeschrieben bekommen; ein bis zwei Minuten je Kunde.

Essen/Mülheim. Extra-Geld gebe es nicht. Der Service kann in zwei "Paketen" gebucht werden: Für 37.50 Euro im Monat von Dienstag bis Freitag und für fünf Euro mehr auch am Samstag. Sonntags klingelt kein Postbote, an Montagen auch nicht - "weil dann zu wenig Post anfällt", erklärte ein Postsprecher.

Zu ersten Erfahrungen mag man sich bei der Post nicht äußern. Auch nicht beim Servicepartner Johanniter Unfall-Hilfe, die einer der größten Anbieter beim Hausnotruf-Service bundesweit ist. Dort aber berichtet eine Sprecherin, dass man wie die Deutsche Post "einen Bedarf an solchen niederschwelligen Angeboten" sehe. In NRW werden aktuell etwa 3,3 Millionen Einpersonen-Haushalte gezählt. In 1,2 Millionen Haushalten davon ist der Bewohner über 65 Jahre alt. Bei der Johanniter Unfall-Hilfe heißt es vor dem Hintergrund: "Wir denken darüber nach, neue Angebote zu machen".