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Unfall

Haltestelle verlegt

03.07.2012 | 19:44 Uhr
Foto: Kerstin Bögeholz

Mülheim. Die Bus-Ausstiegshaltestelle Hauptfriedhof, an der ein zehnjähriger Junge am frühen Montagabend auf dem Heimweg schwer verunglückt ist, existiert seit gestern nicht mehr. Der Halt, vor dem die gelben Polizeimarkierungen auf der Zeppelinstraße noch an den Unfall erinnern, wurde Stunden später auf die andere Seite verlagert: Dort, wo am Friedhof die Fahrgäste in den Bus in Richtung Flughafen einsteigen können, steigen sie jetzt auch aus.

Das Kind war am Montagabend gegen 18.45 Uhr mit dem Bus aus der Richtung Flughafen gekommen, ausgestiegen und hinter dem Linienbus über die Zeppelinstraße gelaufen. Dabei wurde der Junge von einem Pkw erfasst. Der Zustand des Kindes war auch am Dienstag noch kritisch, es wird in einer Klinik intensiv behandelt.

Rolf Biermann ist erschüttert

Rolf Biermanns Befürchtungen haben sich mit dem tragischen Unfall auf schreckliche Weise bestätigt. Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Holthausen-Raadt ist erschüttert. Schon zuvor war er öfter Zeuge, wie vor allem jüngere Schüler die stark befahrene Straße überquerten, um ihre Straßenbahn noch zu erwischen. Wie berichtet, wurde der Straßenbahnverkehr zwischen Hauptfriedhof und Flughafen bereits am 2. April eingestellt, weil die Strecke als nicht mehr sicher gilt. Die Linie 104 fährt nur noch bis zum Hauptfriedhof, danach übernimmt, bis zum Flughafen und zurück, ein Bus.

Mülheims gefährlichste Kreuzungen

Schon vor Wochen, betont Biermann, habe er gegenüber der Stadt und der MVG prophezeit, dass irgendwann dort ein Schüler verunglücken würde, der eilig über die Straße läuft und den etwas entfernten Ampel-Überweg nicht nutzt – „das sind doch quirlige Zehn-, Zwölfjährige“. Die SPD-Fraktion hatte daher schon unlängst in der Bezirksvertretung 1 vor der Unfallgefahr für die aussteigenden Fahrgäste gewarnt. Und eine Verlängerung der neu geschaffenen Buslinie mindestens bis zum Oppspring gefordert, damit die Schüler der Luisen - und der Grundschule Hölter-straße dort sicher aussteigen können.

"Nicht nur einmal darauf hingewiesen"

Aber auch, weil es häufiger Konflikte der Aussteigenden mit den Radfahrern gab, die dort den Bürgersteig befahren dürfen, wollte die SPD eine Verlegung haben. „Wir haben“, betont Biermann, „ja nicht nur einmal darauf hingewiesen.“ Er selbst habe es als Fahrgast im Bus erlebt, dass der Fahrer gewarnt habe: „Warten Sie mit dem Ausstieg, da kommen Radfahrer.“

Die Stimmung in Holthausen nach dem Unglück? „Schlimm“, weiß der SDP-Politiker. Die Anwohner, die Eltern seien wütend und besorgt. „Jetzt ist genau das eingetreten, was von Anfang an zu befürchten war“, schreibt etwa Heinz Schroether der WAZ-Redaktion. „Durch diese überflüssige Haltestelle am Hauptfriedhof kommt es zu einem schweren Unfall. Trotz aller Proteste muss erst wieder ein solches Unglück passieren, bevor jetzt hoffentlich umgedacht wird.“ Und Leser Christoph Hütter empört sich: „Dieser schreckliche Unfall geht auf das Konto der Stadtverwaltung. Wenn man schon meint, eine Straßenbahnstrecke stilllegen zu müssen, dann sollte man wenigstens im Vorfeld den Schienenersatzverkehr vernünftig planen.“

Man wollte Fahrgästen zusätzliche Fahrzeit ersparen

Die Entscheidung, die Haltestelle unverzüglich zu verlegen, sei umgehend am Dienstagmorgen gemeinsam mit MVG und Polizei entschieden worden, erklärte Stadtsprecher Volker Wiebels: „Wir haben darauf gedrängt.“ Der Bus fahre jetzt weiter, wende und fahre über die Kreuzung Steinknappen auf der parallel zur Zeppelinstraße verlaufenden Straße zurück. Einstieg und Ausstieg an derselben Stelle. Das soll bis auf weiteres so bleiben.

Warum das nicht von Anfang an so gemacht worden sei, begründet MVG-Sprecher Olaf Frei damit, dass man den Fahrgästen die zusätzliche Fahrzeit ersparen wollte.

Bettina Kutzner

Kommentare
04.07.2012
23:22
Haltestelle verlegt
von seabiscuit | #18

Niemand würde so reden, wenn Sie wie einige andere Menschen und ich dabei gewesen wären. Dort war weder die Rede von Schuld, noch von Verkehrsregeln....
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2 Antworten
Haltestelle verlegt
von denkstewohl | #18-1

Bei jedem Unfall geht es zunächst mal um Menschenrettung.

Nur muss man selbst den Menschen, die nicht vor Ort waren (und daher nicht helfen konnten), auch eine Gelegenheit lassen, ihr Entsetzen zu verarbeiten. Und sei es durch sinnarme Diskussionen, wie man das Unglück hätte vermeiden können.
Unfallursache ist nahezu immer das unabhängige Fehlverhalten mehrerer Beteiligter.
Hier:
- der MVG, die naheliegendes menschliches Fehlverhalten nicht eingeplant hat,
- der Stadt, die genehmigt hat,
- des Busfahrers, der nicht gewarnt hat,
- des Autofahrers, der nicht mit der Dummheit anderer gerechnet hat,
- des Kindes, das blind über die Straße gerannt ist.

Haltestelle verlegt
von niedrigniveauindikator | #18-2

seit wann ist der busfahrer dafür verantwortlich? ob sie denen das sagen oder in china platzt ein sack reis, ich denke das kommt aufs selbe raus...

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Haltestelle verlegt
Haltestelle verlegt
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http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/haltestelle-verlegt-id6840653.html
2012-07-03 19:44
Bushaltestelle Hauptfriedhof verlegt, Linie 104, Mülheim, Unfall, 10-jähriger Junge angefahren, Zeppelinstraße
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