Hallo, Schutzmann

Hallo, Schutzmann - das klingt nach guter alter Zeit. Nach Übersichtlichkeit und Vertrautheit. Es ist natürlich die große Frage, ob es diese gute alte Zeit überhaupt jemals gegeben hat. Unstrittig ist aber jedenfalls, dass für die Menschen diese Vorstellung für ein Sicherheitsgefühl steht. Und so ist es kein Zeichen von Romantik, sondern von Pragmatismus, dass die Polizei ihre Bezirksbeamten genau so nennt: den Schutzmann zum Anfassen.

Vor allem auch zum Ansprechen. Das weiß Joachim Suchomski. Er ist der Bezirksbeamte in der Stadtmitte, die Wache ist direkt neben dem Technischen Rathaus, zwischen den Hochhäusern. „Wenn ich in Uniform unterwegs bin, dann werde ich eigentlich ständig angesprochen. Und das ist gut so.“ Mal will jemand den Weg wissen, manchmal geht es auch um Dinge, die mit der eigentlichen Polizeiarbeit nichts zu tun haben. Da kann eine ältere Dame auch Auskunft darüber haben wollen, wo denn die nächste Altkleider-Sammelstelle ist. Aber das ist gut so, Suchomski will als Schutzmann nicht nur für den Ernstfall da sein. Denn das Vertrauen, dass dann wichtig ist, wird vorher aufgebaut. Eben durch solche Alltagsplaudereien. „Ich mag es deswegen auch nicht, wenn Eltern mit kleinen Kindern an mir vorbeigehen und auf mich zeigen. Die sagen dann, wenn du böse bist, dann kommt der und nimmt dich mit. Dann schreite ich ein und stelle mich vor. Die Kinder sollen ja keine Angst vor mir haben. Ich bin ja kein Knecht Ruprecht mit der Rute.“ Der Kontakt zu Kindern wird gerade durch die Bezirksbeamten gepflegt. Denn sie sind es, die die Verkehrserziehung für die Grundschüler übernehmen. Und da geht es eben nicht nur darum, wie man sich sicher mit dem Fahrrad im Straßenverkehr bewegt. Sondern auch darum, dass die Kinder sehen, das ist nicht nur ein Mann in Uniform, sondern ein ganz normaler Mensch.

Fingerspitzengefühl ist notwendig

Suchomski kann zu der Wirkung dieser vertrauensbildenden Maßnahmen eine Anekdote erzählen: Jugendliche Intensivtäter, so werden im Polizeijargon jene Kriminellen genannt, die schon in jungen Jahren öfter auffällig werden. Neben einem hohen Straftatenkonto steht meistens eine ebenso hohe Gewaltbereitschaft. Einmal ist genau so ein jugendlicher Straftäter in eine Polizeikontrolle geraten, weil er zu schnell gefahren ist. Er hat kein Einsehen, beschimpft die Beamten wüst. Doch da entdeckt er plötzlich unter ihnen seinen alten Bezirksbeamten. Eben den Mann, der ihm einst bei der Fahrradprüfung geholfen hat. „Der ist anders“, ruft der jungen Mann. Und tatsächlich gelingt es nun dem Bezirksbeamten, ihn zu beruhigen.

Joachim Suchomski ist seit zehn Jahren in seinem Bezirk. Seit 37 Jahren ist der gebürtige Holthausener bei der Polizei. Bezirksbeamter, so ist sich der 53-Jährige sicher, ist die Krönung seiner Laufbahn. Das Spannende ist die Vielfalt Er ist kein „Schönwetterpolizist“.

Rund 1200 Mal sind die Bezirksbeamten pro Jahr unterwegs, um Haftbefehle zu vollstrecken. Da ist Fingerspitzengefühl notwendig. „Ich muss klar und verbindlich in meinem Verhalten sei.“ Dass er bei seinen Einsätzen als Einzelkämpfer unterwegs ist, stört ihn nicht. „Ich war vorher auf dem Krad unterwegs - da hatte ich auch keinen Partner. Über den Funk bin ich stets mit der Zentrale verbunden.“

Ein Problem, das vor allem in letzter Zeit immer stärker wird: Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen, wollen am liebsten mit dem Auto bis vor die Tür fahren. Das sorgt an manchen Schulstandorten regelmäßig morgens für ein Verkehrschaos. Hier sind die Bezirksbeamten auch im Einsatz. Und manchmal machen sie auch Vorschläge.

So hat der Bezirksbeamte für Styrum angeregt, am Kindergarten an der Kaiser-Wilhelm-Straße, wo das gleiche Problem besteht, einen zusätzlichen abgesetzten Parkplatz einzurichten, wo die Kinder rausgelassen werden können. „Wir können nur vorschlagen, aber in diesem Fall hat das die Bezirksvertretung auch beschlossen.“

Mit einer Sache hadert Suchomski aber dann doch ein bisschen: die neue blaue Uniform. „Da wird man schon mal mit der Feuerwehr verwechselt. Und Blaumann tragen ja auch andere.“ Der Schutzmann soll schließlich erkannt werden.