Habichte in der Luft sind selten

Der Habicht (Accipiter gentilis) ist der Vogel des Jahres, gekürt vom Naturschutzbund Deutschland e.V. Auffällig ist die orangefarbene Iris.
Der Habicht (Accipiter gentilis) ist der Vogel des Jahres, gekürt vom Naturschutzbund Deutschland e.V. Auffällig ist die orangefarbene Iris.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Der Vogel des Jahres 2015 ist scheu: Ornithologen wissen jedoch um eine Handvoll Habicht-Paare in Mülheim.

Mülheim.. Der zum „Vogel des Jahres 2015“ gekürte Habicht wird wohl selten in Mülheim gesehen, dennoch gibt es ihn auch an der Ruhr: Der Greifvogel wurde von Naturschützern nominiert, weil er „immer noch der illegalen Verfolgung ausgesetzt ist“, wie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) e.V. erklärt.

Die Jagd auf den Habicht ist seit den 1970er Jahren verboten, berichtet Benedikt Wehr vom Nabu Ruhr, zu dem die Städte Mülheim und Essen gehören. Und in Mülheim gab es in den letzten Jahren keine ungeklärten Fälle toter Habichte, weiß der Mülheimer.

Eine Handvoll Paare

Dennoch sitzen Schutzreflexe tief, wollen sich Umweltschützer und Ornithologen nicht auf Zahlen und Standorte festlegen. „Es gibt eine Handvoll Paare im Stadtgebiet“, sagt Wehr, der sich beim Nabu unter anderem in der Arbeitsgemeinschaft Eulen engagiert. Der Mensch, er hat den Vogel, den „Hühnerhabicht“, lange als Konkurrenten angesehen.

Kein Wunder, schätzt der Habicht doch vor allem Tauben als Speise, und er unterscheidet nicht zwischen wilden Tieren und wertvollen Brieftauben. Und das ausgewachsene Habichtweibchen, etwa um ein Drittel schwerer als das Männchen, schreckt auch nicht davor zurück, Hühner, Fasane oder Kaninchen zu jagen. So wurde der elegante Jäger selbst zum Gejagten.

Habicht schätzt lebende Beute

In die auffallenden orangeroten Habichtaugen wird kaum ein Mülheimer von Nahem blicken können: Bei den Greifvögeln, die stoisch auf Zaunpfosten an der Autobahn sitzen, handelt es sich um Mäusebussarde, erläutert Benedikt Wehr. Mögen sich die beiden Vogelarten aus Laiensicht auch ähneln, so verhalten sie sich unterschiedlich: Der Habicht schätzt lebende Beute, erläutert Biologielehrer Wehr.

Der Mäusebussard hingegen ist kein Kostverächter und macht sich auch gern mal über überfahrene Kleintiere her. Selten sind auch Habichte in der Luft zu sehen: „Anders, als der Bussard macht der Habicht keinen Suchflug in der Thermik“, erklärt Benedikt Wehr. Seine Strategie sei die Überraschungsjagd: Aus einem versteckten Ansitz mit größeren Bäumen stürzt er (oder sie) sich auf das Beutetier und kann „die Beute auch im wendigen Flug verfolgen“.

Gern jagt der Habicht Ringeltauben und würde auch Stadttauben nicht verschmähen, doch „die Lebensräume der Vögel überschneiden sich nicht“, erklärt Wehr. Der scheue Habicht jagt nicht in der Innenstadt. Diese Greifvögel schätzen große Altholzbestände, aber inzwischen auch Waldinseln in der Nähe von Bebauungen, etwa in Parks oder auf Friedhöfen. „Das war“, meint Vogelexperte Wehr, „vor Jahren noch undenkbar.“ Aber auch der Habicht passt sich eben an: Eine der höchsten Siedlungsdichten weltweit hat laut Nabu die Stadt Berlin mit etwa 100 Brutpaaren. Nach aktuellen Erfassungen sollen deutschlandweit 11.500 bis 16.500 Brutpaare leben.

Habichtpaare sind reviertreu, das heißt, sie bleiben dort, wo sie ihre Horste haben und ihre Brut aufziehen. Das macht sie angreifbar und ist ein Grund dafür, warum Naturschützer nicht verraten, wo genau in Mülheim Habichte leben.