Guter Geist für die Stadt

Möge das Pfingstfest in diesem Jahr ruhiger verlaufen. Ein Jahr nach dem schrecklichen Sturm, der große Schäden in der Stadt anrichtete, sind die Spuren an vielen Stellen immer noch unübersehbar. Es wird Jahre dauern, bis „Gras“ darüber gewachsen ist. Arme Kommunen wie Mülheim hat das Unwetter doppelt hart getroffen. Die Millionen, die nötig gewesen wären und noch sind, um all die Bäume wieder zu ersetzen, hat die Stadt bei weitem nicht. Wieder einmal war es bürgerschaftliches Engagement, das an vielen Stellen zur ersten Heilung beitrug.

Die Redaktion stellt in diesen Tagen wieder Menschen vor, die sich ehrenamtlich auf verschiedenen Gebieten für Stadt und Mitmenschen einsetzen. Seit zehn Jahren gibt es die Reihe „Menschen machen’s möglich“. Dass dies über so lange Zeit überhaupt möglich war, zeigt auch, welches Potenzial in dieser Stadt steckt. Besonders erfreulich dabei: Immer mehr dieser Projekte sind generationsübergreifend. Es ist ein guter Geist, der dahinter steckt – nicht nur an Pfingsten.


Woanders fehlt ein solcher Geist. So dauert der Streik der Erzieherinnen und Sozialarbeiter an. Man mag ahnen, welche Belastung das für mache Familien mit sich bringt, die auf die Betreuung zwingend angewiesen sind. Notlösungen eignen sich meist nur für kurze Zeit, und die läuft ab. Einen guten Geist werden sie auch bei Siemens brauchen, um durch kreative Lösungen einen verkraft- und vertretbaren Weg zu finden für die vielen hundert Menschen, deren Job in Mülheim abgebaut werden soll. Nicht weniger bedrohlich sieht es bei den Röhrenwerken, bei Europipe, ja auch für viele Beschäftige bei Kaiser’s Tengelmann aus.

Im Rathaus blickt man in diesen Wochen und Monaten auf die 100-jährige Geschichte des Gebäudes. Die Stadt kann froh sein – trotz der Kostensteigerung, dass der Rat sich vor ein paar Jahren durchgerungen hat, dieses Bauwerk zu restaurieren und es nicht dem weiteren Verfall preisgegeben hat. Es ist ein Wahrzeichen und versprüht den Glanz alter Baukunst, von der es nicht gerade viel in der Stadt gibt. Man denke nur an die Troostsche Weberei. Das industrielle Baudenkmal befindet sich im rasanten Verfall. Der mögliche Retter hat Insolvenz angemeldet. Tragisch.