Gute Seele der Alzheimer Gesellschaft ist für Angehörige da

In einer Selbsthilfe-Gruppe
In einer Selbsthilfe-Gruppe
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Gerd Weinfurth, Mitbegründer der Alzheimer Gesellschaft Mülheim, denkt mit fast 90 Jahren nicht ans Aufhören. Er steht mit Rat und Tat zur Seite.

Mülheim.. „Bei uns wird auch viel gelacht“, betont Gerd Weinfurth. Das sei ganz wichtig, denn „viele haben im Alltag nicht so viel zu lachen“. Es geht um Angehörige von Demenzkranken, von denen einige regelmäßig an den monatlichen Treffen der Alzheimer Selbsthilfegruppe teilnehmen, die Weinfurth seit 26 Jahren leitet.

20 bis 30 Angehörige von demenzerkrankten Menschen kommen zu den kostenlosen Treffen, die von Anfang an in der Evangelischen Familienbildungsstätte ihre Heimat haben. „Wir sind wie ein großes Kaffeekränzchen“, sagt Weinfurth schmunzelnd, der bald seinen 90. Geburtstag feiert. Sie bildeten einen Kreis, einige brächten ihre erkrankten Angehörigen mit, und es werde viel geredet, zugehört und eben auch gelacht.

Der Liebe wegen nach Mülheim gezogen

Gerd Weinfurth denkt nicht daran, die Gruppe aufzugeben, und steht Betroffenen bis heute bei vielerlei Problemen unermüdlich zur Seite. „Als meine Frau Mitte der Achtziger Jahre erkrankte, hatte ich über die Krankheit noch kaum etwas gehört“, so Weinfurth, vor allem sei auch in der Öffentlichkeit nicht darüber gesprochen worden.

Nach und nach informierte er sich, lernte dazu, und begriff, was die Krankheit bedeutet. Er habe am Anfang viele Fehler gemacht, gibt er zu, wurde ungeduldig und „unwirsch“, korrigierte seine Frau, wenn sie etwas nicht mehr wusste oder sich nicht erinnerte. „Als ich die Angehörigengruppe gegründet habe, wollte ich etwas dafür tun, dass andere nicht meine gravierenden Fehler wiederholen.“ 15 Jahre hat der gebürtige Essener, der „der Liebe wegen“ nach Mülheim gezogen ist, seine Frau gepflegt, die letzten viereinhalb Jahre im Heim. „Da bin ich morgens um 11 Uhr hingefahren und abends um sieben Uhr wieder nach Hause gegangen“, erinnert sich der Mitbegründer der Alzheimer Gesellschaft Mülheim, dem die Stadt 2010 für sein ehrenamtliches Engagement die Ehrenspange verliehen hat.

Über die Jahre ist Weinfurth, der über sich selber sagt, dass er gut organisieren kann, zu einem Experten für die unheilbare Krankheit geworden, die vielerlei Facetten hat. Mit 70 Jahren habe er sich dann noch mit dem Internet vertraut gemacht, und kenne sich mit dem Handygebrauch aus. „So bin ich für Angehörige rund um die Uhr erreichbar“, sagt er.

Aus der „Selbsthilfe Demenz“ hat sich 2010 die „Alzheimer Gesellschaft Mülheim an der Ruhr e.V. Selbsthilfe Demenz“ gegründet und es ist über die Jahre ein großes und aktives Netzwerk entstanden. Trotzdem, so Weinfurth bedauernd, würde die Krankheit von vielen Menschen immer noch tabuisiert, Angehörige schämten sich, blieben lieber zu Hause und nutzten bestehende Möglichkeiten zum Austausch oder zur Tagesbetreuung nicht. Dass pflegende Menschen selber eine Auszeit dringend nötig hätten, würden sich manche nicht zugestehen. Und auch wenn man seinen Angehörigen in ein Heim geben müsse, bedeute es ja nicht, dass man sich nicht mehr um ihn kümmere, findet Gerd Weinfurth.