„Gute Nachbarschaft ist uns wichtig“

Derzeit leben rund 880 Flüchtlinge in der Stadt. Damit liegt die Zahl noch in dem Bereich des zum Jahresanfang prognostizierten Korridors. Bis Ende des Jahres sollen es 1200 werden, wie Sozialdezernent Ulrich Ernst auf einer Informationsveranstaltung zur Situation der Flüchtlinge im Allgemeinen und der Unterbringung am Frohnhauser Weg im Besonderen erklärte. In der bislang einzigen Sammelunterkunft in der ehemaligen Schule Fünter Weg, wo Platz für 80 Menschen geschaffen wurde, sind bislang 25 Flüchtlinge eingezogen.

Derzeit werden fünf bis sechs Standorte für Container gesucht, in denen weitere Flüchtlinge untergebracht werden sollten. „Die Planungen laufen intensiv“, so Ernst und betonte Zweierlei: Es werden andere Container sein als man sie noch aus den 90er Jahren in unguter Erinnerung hat, so dass eine menschenwürdige Unterbringung sichergestellt werden kann; und die Standorte werden über das Stadtgebiet verstreut und nicht konzentriert. Vor der Sommerpause schaffe man es allerdings nicht mehr, von der Politik die entsprechenden Beschlüsse zu bekommen. Der Rat soll im Herbst dann über die Unterbringung für die Jahre 2016 und 2017 entscheiden.Um die Unterbringung in diesem Jahr sicherzustellen hat SWB weitere 50 Wohnungen zugesagt. Die Wohnungsbaugesellschaft ist schon jetzt das unverzichtbare Rückgrat einer dezentralen Unterbringung und stellt bereits 110 von insgesamt 170 Wohnungen, davon 40 an der Gustavstraße in Styrum, wo noch eine Überbelegung herrscht.

Am Frohnhauser Weg und an der Mellinghofer Straße sollen insgesamt 28 Wohnungen für maximal 130 Menschen in kleineren zusammenhängenden Einheiten untergebracht werden. SWB-Geschäftsführer Ulf Lennermann sprach von einem „ungewöhnlichen Weg“, weil die Wohnungen wie bereits berichtet derzeit belegt seien und die Mieter gebeten werden müssten, umzuziehen. Die Gespräche liefen positiv, so Lennermann, zahlreiche Mietverträge seien bereits perfekt, weitere in Vorbereitung, an beiden Standorten hätten aber auch insgesamt vier Parteien erklärt, dass sie nicht umziehen wollen.

„Gute Nachbarschaft ist uns wichtig“, betonte Lennermann. Einige der rund 100 Interessierten beklagten allerdings, dass SWB die eigenen Mieter, nicht aber die anderen Nachbarn im Quartier informiert hätten. Einige fürchteten auch durch die bis zu 80 Flüchtlinge, die am Frohnhauser Weg einziehen sollen, eine Stigmatisierung des Viertels.

Ernst verwies auf die auch für die Nachbarn positive Entwicklung am Hildegardishaus und an der Gustavstraße. Einziehen würden dort Menschen, die alleine in einer eigenen Wohnung in fremder Umgebung noch überfordert seien. „Wir ziehen Leitplanken ein, damit es für sie ein guter Weg ins neue Leben wird“, so Ernst und wies auf den 24-Stunden-Dienst und die Sozialarbeiter hin.

Klagen aus der Nachbarschaft in Styrum habe er noch keine vernommen.