Gute Luft und Lebertran

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Schlimmes Heimweh. Ich war sieben Jahre alt und sehr oft krank, der Arzt riet, ich solle sechs Wochen im Kinderholungsheim verbringen. Im Januar ging es los. (...) Mama und ich hatten vereinbart, dass ich immer Briefe schreiben oder malen sollte. Bei Heimweh sollte ich eine Ecke des Briefes umknicken, damit ich eventuell abgeholt werden könnte. Das gab mir Sicherheit. Was ich natürlich nicht wusste, dass diese „Briefe“ nie angekommen sind, denn im Heim kannte man die Tricks der Kleinen. Das Heimweh kam schon beim Ankommen, bei mir besonders schlimm. Ich wollte unbedingt wieder nach Hause. Sicher taten die Erzieherinnen ihr Bestes, nur meine nicht. Oft musste ich vor dem Mittagessen erbrechen, ein kleiner Junge namens Kurtchen rannte mit mir zur Toilette und hielt mir die Stirn. Er war mein Retter in der Not. Von der Landschaft, vom Wattenmeer, vom endlosen Himmel, vom Krächzen der Möwen und vom Wind war ich begeistert, das wollte ich meiner Familie auch mal zeigen (...). Letztendlich hat die gute Luft, vielleicht auch der Lebertran, erheblich zur Gesundheit beigetragen.