Gut für Körper und Seele

Nach der Fastnacht kommt die Fastenzeit. Heute beginnt sie. „Jesus fastete 40 Tage in der Wüste, um sich über seinen eigenen Weg klar zu werden, ehe er sein öffentliches Wirken begann“, beschreibt der Pfarrer von St. Barbara, Manfred von Schwartzenberg, die biblische Grundlage der vorösterlichen Fastenzeit. „Es ist auch eine Bußzeit, in der es darum geht, alte Gewohnheiten kritisch zu überprüfen“, betont er. Für ihn selbst heißt das zum Beispiel: In der Fastenzeit will er weniger Wein trinken. „Die Sonntage in der Fastenzeit sind aber vom Fastengebot ausgenommen, weil sie für sich ein kleines Osterfest darstellen“ betont Schwartzenberg. Auch wenn viele Menschen das Fasten heute unter rein gesundheitlichen Aspekten betrachten, stellt er in seiner Gemeinde schon fest, dass Fasten ein Thema ist. „Es geht darum Körper, Geist und Seele zu reinigen und den Kopf freizumachen für Neues und Wesentliches, was Menschen gut tut“, weiß er aus Gesprächen. Dabei kennt er in seiner Pfarrei nicht nur Leute, die auf Alkohol, Fleisch oder Süßigkeiten verzichten, sondern sich auch eine Woche in der Stille gönnen, um im positiven Sinne “leer zu werden.“ Für den Karnevalisten und Kolpingbruder Heino Passmann ist etwa die Teilnahme an einem Bußgang in der Linksruhr-Pfarrei St. Mariä Himmelfahrt, „wie ein Ankerpunkt in der Fastenzeit, an dem man die Natur und sich selbst spürt.“

Auch Pfarrerin Karla Unterhansberg aus der Vereinten Evangelischen Kirchengemeinde stellt fest: „Das Fasten ist wieder ein Thema geworden.“ Seit einigen Jahren bietet sie in der Fastenzeit eine wöchentliche Fastengruppe an, an der immer hin zehn bis 15 Menschen teilnehmen. Auf dem Programm stehen Gespräche, Bibeltexte, Bildbetrachtungen, Lieder und Fantasiereisen. „In dieser Fastenzeit lautet das Motto ‘Du bist schön. Sieben Wochen ohne Runtermachen.’ Dabei soll es um die Frage gehen: Wie gehe ich mit anderen und mit mir selbst um“, erzählt Unterhansberg.

Für den Arzt Uwe Brock ist es keine Frage, dass Fasten medizinisch Sinn macht: „Wir leben in einer Überflussgesellschaft und essen tendenziell zu fett“, beschreibt er das Grundproblem. Er selbst hat sich für die Fastzeit die Faustregel gegeben: Eine volle und zwei reduzierte Mahlzeiten pro Tag, um den Körper zu entschlacken, Gewicht zu reduzieren und den Stoffwechsel wieder besser in Schwung zu bringen. Wer leichter wird, so sein Hinweis, wird sich auch im Frühjahr wieder leichter in der Natur bewegen können. Außerdem, so Brocks Praxiserfahrung, „fördert Übergewicht langfristig das Entstehen von Knochen- und Gelenkerkrankungen.“ Gastronom Thomas Möllecken hat den Eindruck, „dass in der Fastenzeit mehr Fisch als Fleisch gegessen und etwas weniger Alkohol getrunken wird, ohne dass ich dafür mein Einkaufsverhalten ändern müsste.“