Glücksbringerin in einer Männerdomäne

Dümpten..  Sie ist 26 Jahre alt, blond und eine sehr sympathische Frau. Dennoch steigt sie den Menschen in ihrem Stadtteil Dümpten gerne regelmäßig aufs Dach. Dass sie trotzdem immer freundlich begrüßt und empfangen wird, liegt daran, dass das Julia Arlts Beruf ist. Die Dümptenerin ist nämlich Mülheims einzige Schornsteinfegerin. In einem Familienbetrieb in fünfter Generation.

„Ich habe früher in den Ferien schon immer bei meinem Vater mitgearbeitet und es hat mir wahnsinnigen Spaß gemacht“, sagt Julia Arlt. „Mir war schnell klar, dass nach dem Abitur kein normales Studium, sondern auf jeden Fall die Ausbildung zur Schornsteinfegerin folgen würde.“

Allein unter Männern

Die hat die ehrgeizige Meisterschülerin dann sogar noch mit einem dualen Studium in Versorgungstechnik kombiniert. Unwohl fühlt sie sich in der eher von Männern dominierten Berufswelt nicht. Ganz im Gegenteil. „Ich liebe meinen Beruf und mache momentan auch meinen Meister“, so Julia Arlt. „Wir sind zwar nur vier Frauen unter 40 Männern, aber wir werden absolut akzeptiert und integriert.“ Auch ihr Lebensgefährte war anfangs etwas verwundert, welch ungewöhnlichen Beruf Julia für sich ausgesucht hat. Heute findet er das richtig gut.

Das Handwerk des Schornsteinfegers hat bei Familie Arlt eine lange Tradition. Urgroßvater, Opa, Vater und Onkel und auch die Cousins – alle waren und sind als Glücksbringer in ihren Kehrbezirken unterwegs. Berührungsängste, die sind in vielerlei Hinsicht im Beruf des Schornsteinfegers fehl am Platz. „Ich bekomme immer wieder Streicheleinheiten“, lacht die 26-Jährige. Denn der Aberglaube, dass sie Glück bringt, wenn man sie anfasst, ist nach wie vor ungebrochen.

Der Kundenkontakt ist ein wichtiger Bestandteil des Berufes. „Ich muss meinen Kunden ja erklären, was ich an ihrem Kamin oder an der Heizung gemacht habe“, so Vater Peter. „Da darf ich nicht schüchtern sein, meine Azubis müssen neben anderen Voraussetzungen schon eine gewisse soziale Kompetenz mitbringen.“ Er ist froh, dass er ab dem 1. August wieder einen Auszubildenden hat, denn wie in allen anderen Handwerksberufen ist der Nachwuchs bei den Schornsteinfegern rar. Die Familie ist in Dümpten bekannt. Schon seit drei Generationen ist der Stadtteil ihr Kehrbezirk. Peter Arlt ist froh und stolz, dass seine Tochter die Familientradition fortführt. Er ist bereits seit 34 Jahren als Schornsteinfeger unterwegs und liebt seine Arbeit nach wie vor.

Tolle Aus- und Einblicke

Den Kontakt zu den Menschen aber auch den tollen Ausblick, den er auf manchen Dächern an sonnigen Tagen hat, genießt er noch heute. „Außerdem find ich es auch sehr spannend in fremde Häuser und Wohnungen zu kommen“, schmunzelt Peter Arlt. „Ein bisschen Mäuschen spielen, sehen, wie andere Menschen so wohnen und leben.“ Besonders wenn es sich um ausgefallene Wohnstile handle.

Mittlerweile hat Peter Arlt sogar den silbernen Meisterbrief und hat in all den Jahren viele Wandlungen im Beruf miterlebt. Früher gab es noch viele Feuerstätten mit Kohle. Ende der 80er Jahre wechselten dann viele Bürger zu Erdgas oder Heizöl. „Heute geht es aber wieder in Richtung Festbrennstoffe“, so Arlt. „Die Leute sind einfach nicht mehr bereit, die hohen Kosten der Energiekonzerne zu zahlen.“

Daher hätten mittlerweile viele seiner Kunden entweder einen heimeligen Kaminofen im Wohnzimmer stehen oder nutzen eine Pelletheizung. „Da sehe ich nach dem Reinigen auch wirklich aus, wie der Schornsteinfeger aus dem Bilderbuch“, lacht Julia Arlt. „Die Haare sind dann nicht mehr blond und auch die Haut ist überall schwarz vor Ruß.“ Als Schornsteinfegerin darf man bzw. Frau eben genauso wenig zimperlich sein, wie die männlichen Kollegen.