Gleis ins Abenteuer

Irgendwie hat es gefehlt. Schon die letzten Tage habe ich gespürt, mein Leben verläuft in zu langweiligen Bahnen. Doch jetzt sind die Weichen wieder richtig gestellt: Spannung, viel menschliche Größe, aber auch viel menschliche Tragik: Die Lokführer streiken.

Endlich wieder Abenteuer pur. Bisher unbekannte Wege muss ich mir erschließen, nur das eine Ziel vor Augen: Morgens pünktlich am Redaktionsschreibtisch sitzen. Aber neben dem knallharten Kampf Fahrgast gegen Fahrplan, bewegen auch die menschlichen Schicksale. Da ist nicht nur dieser übermächtige Gegner, der den Lockungen des Geldes nicht widerstehen kann und jetzt ordentlich Dampf machen will.

Da sind auch jene vermeintlichen Schicksalsgenossen, die du auf dem Bahnsteig triffst. Du klagst mit ihnen, du springst mit ihnen vor Vorfreude in die Luft, wenn gegen alle Wahrscheinlichkeit doch auf der Anzeigetafel ein Zug ankündigt wird. Und wenn dann nach diesen Minuten des Glücks und der Euphorie, die Durchsage kommt, die Bahn falle doch aus, ja dann liegt man sich weinend in den Armen. Kurz, du würdest dir mit diesen Menschen nachts die DB-mobil-Reisezeitung als Decke teilen. Die Bahn verbindet. Doch dann, wenn Du glaubst, im Mitfahrer den Freund gewonnen zu haben, lässt er dich im Stich und schnappt dir eiskalt das erste freigewordene Taxi vor der Nase weg. Kein netter Zug. Oder doch freie Bahn dem Tüchtigen? Die Antwort kennt nur der große Schaffner.