Geistig fit bleiben ohne Stress

Foto: Funke Foto Services

Eine Alltagssituation: Man läuft ins Nebenzimmer, um etwas zu holen, kommt dort an und hat es vergessen. Jüngere Menschen schreiben solche Aussetzer gerne dem modernen „Multitasking“ zu. Man muss an so vieles denken... Ältere nehmen ihre Vergesslichkeit vielleicht zum Anlass, an ihrer geistigen Fitness gezielt zu arbeiten.

Wie die Teilnehmer des ganzheitlichen Gedächtnistrainings, das Dr. Michaela Waldschütz unter dem Dach des Mülheimer St. Marien-Hospitals anbietet, in den Räumen der „Lindenblüten“. Hier laufen ihre Kurse seit rund fünf Jahren und sind gut gebucht. „Die Nachfrage nimmt zu.“ Übrigens vorwiegend von Frauen, wie die Trainerin beobachtet hat: „Männer orientieren sich generell nicht so nach außen, wenn sie älter sind.“ Ausnahmen gibt es natürlich.

Wie Georg Steinbrecher, der trotz seiner 86 Jahre geistig agil wirkt und das auch bleiben möchte. Auf Demenzkranke dagegen seien ihre Kurse nicht ausgerichtet, betont Michaela Waldschütz (52), ursprünglich promovierte Biologin, seit zwölf Jahren freiberuflich als Gedächtnistrainerin tätig. „Ich stelle keine Diagnosen.“

Sie stellt Aufgaben, regt zu vielfältigen Übungen an, beginnt aber jede Stunde mit einem kleinen Atem- und Aufwärmprogramm. Auch später spielen Körper und Geist sowie beide Gehirnhälften häufig zusammen, etwa beim „Hemisphären-Alphabet“, welches jeden Buchstaben mit einer bestimmten Armbewegung kombiniert. Für eine Merkübung liegen verschiedene Fotografien auf dem Tisch, jeder greift sich ein Motiv, zeigt es der Runde und begründet seine Wahl, dann wird der Stapel weggelegt. Erst eine halbe Stunde später zieht ihn die Kursleiterin wieder hervor und kitzelt die Erinnerung: „Wer hatte welches Bild?“ Die Antworten werden gemeinsam gefunden, wie auch später die Lösung einer Logikaufgabe, über der zunächst jeder allein brütet.

Michaela Waldschütz möchte, dass die Damen und der Herr „ohne Leistungsdruck“ trainieren, „damit nicht Stresshormone das Denken blockieren“. Entspannt geht es also zu, die Stimmung wirkt fröhlich, die Teilnehmer versichern: „Es macht viel Spaß.“ Manche sind schon seit Jahren dabei, die Kurse stehen aber auch neuen Interessenten stets offen.

Mit sechs Stunden Gehirnübungen sei es nicht getan, sagt die Trainerin, die auch schon mit Grundschulkindern gearbeitet hat : „Es ist genau wie beim Sport. Man muss ständig dran bleiben. Das heißt nicht, dass man dauernd Gehirntraining betreiben muss, es kann auch ein Sprachkurs sein. Man braucht neue Aufgaben.“ Geistige Fitness ist eine Lebensaufgabe.