Gegenschub
25.09.2007 | 22:17 Uhr 2007-09-25T22:17:36+0200LUFTVERKEHR. In Sachen Düsenflieger widersprechen sich die Beteiligten.
Die Genehmigung eines Düsenflugzeugs der Firma VHM am Flughafen nimmt groteske Züge an. Wer was wann erlaubt und wer was wann gewusst hat, wird mit jedem Tag unklarer. Das Possen-Protokoll des gestrigen Tages lautet so:
OB Dagmar Mühlenfeld, (SPD) Aufsichtsratsvorsitzende des Flughafens, wird öffentlich mit dem Satz zitiert, dass "der Aufsichtsrat über die jahresbezogene Genehmigung für VHM informiert wurde". Die von der Bezirksregierung Düsseldorf ausgestellte Erklärung billigt VHM maximal vier Flüge pro Tag zu, befristet bis April 2008. Und eine Verlängerung, betont die Bezirksregierung auf Anfrage prompt, "wäre möglich." Damit bekräftigt sie Befürchtungen bei CDU, Grünen, Anwohnern und dem Netzwerk gegen Fluglärm, dass die Dauerausnahme der Einstieg in einen regulären Düsenbetrieb sein könnte.
Die Nachfrage nach der Dienstleistung scheint dabei überschaubar. Für den Monat Juli attestiert die Bezirksregierung sechs Düsenflüge in Mülheim. Eine Nachfrage bei VHM nach der Auftragslage für die nächsten Monate verpufft. Ein Rückruf erfolgt nicht.
Dafür werden andere aktiv. In Essen erinnert sich Rolf-Dieter Liebeskind ganz anders an das Thema VHM als Mühlenfeld. CDU-Mann Liebeskind sitzt für die Stadt Essen im Aufsichtsrat des Flughafens. Er sagt: Die Erlaubnis für VHM war nur im Zusammenhang mit Lärmmessungen Thema. Es sei um eine probeweise Genehmigung gegangen. "Wenn es etwas anders ist, ist es nicht das, was im Aufsichtsrat besprochen wurde."
Lärmmessungen? Wir fragen die Bezirksregierung. Ergebnis: "Das ist Sache des Flughafens." Gut, aber ist denn in der Einverständniserklärung des Flughafens, die Voraussetzung für den behördlichen Segen ist, ein Hinweis auf Lärmmessungen enthalten? Diese Antwort fällt schon weniger klar aus: "Fragen Sie das doch den Flughafen."
Okay. "Nein", sagt Flughafengeschäftsführer Reiner Eismann, eine Einverständniserklärung enthielte keine Begründungen, nur die Entscheidung. Alle Lärmmessungen seien doch auch schon abgeschlossen und überhaupt, sei das - "Sache der Bezirksregierung." Bliebe noch die Frage, wer was wann dem Aufsichtsrat vorgelegt hat. Aufsichtsrat? "Der Aufsichtsrat hat von der Erlaubnis für VHM nichts gewusst", sagt Eismann betont akzentuiert. "Das war ja gerade das Problem."
Das Problem ist jetzt, dass man nur weiß, dass man nichts weiß. Ein Zustand, der die CDU in Mülheim und Essen hochgradig verärgert. Es dränge sich der Eindruck auf, dass etwas durchgepeitscht werden solle. "Wir wollen wissen, was da gespielt wird", sagte ein hochrangiger Funktionär. Die gefragteste Lektüre in den politischen Kreisen Essens und Mülheims sind daher derzeit Aufsichtsratsprotokolle. An der sperrigen Literatur versucht sich auch SPD-Fraktionschef und Aufsichtsrat Dieter Wiechering. Der kann sich nicht daran erinnern, im Aufsichtsrat dezidiert von der Genehmigung gehört zu haben: "Aber ich war bei einer Sitzung nicht dabei." (schö/schy)

0mitdiskutieren