Gegen den alten Zwist
01.03.2009 | 15:04 Uhr 2009-03-01T15:04:00+0100Gemeinsam wollen sie stark sein: Im vergangenen Jahr rückten die Mülheimer Fach- und Hausärzte zusammen und schlossen sich in dem Netzwerk doc-net-mh zusammen. 2009 nimmt ihre Arbeit klar an Fahrt auf.
Der neue Verein hat große Ziele: Trotz aller politisch forcierten Einsparungen eine ambulanten wohnortnahe ärztliche Versorgung zu sichern und zudem vorsorgend tätig zu sein.
Dem Zusammenschluss sind bislang 104 Haus- und Fachärzte beigetreten. Das entspricht der Hälfte aller in Mülheim niedergelassener Ärzte. Nicht immer verlief der Umgang, das Mit- und Nebeneinander von Fach- und Hausärzten konfliktfrei, auch das soll durch das gemeinsame Netzwerk überwunden werden. Augenarzt Dr. Bruno Heger betont: „Das Netz soll alte Zwistigkeiten eliminieren.”
Mit ihrem Netzwerk wollen sich die Ärzte von den Krankenhäusern abgrenzen: „Die ambulanten Medizin hat sich bislang etwas versteckt”, sagt Dr. Peter Ramme, Vorsitzender von doc-net-mh. Und tritt durchaus selbstbewusst auf: „Die Versorgung im ambulanten Bereich ist bei uns einfach besser aufgehoben und sollte auch dort bleiben. Obwohl die meisten Fachdisziplinen innerhalb eines Hauses im Krankenhaus angesiedelt sind, benötigen die Niedergelassenen meist weniger Zeit, um Diagnosen abzusichern. An Beispieldiagnosen ließe sich vieles nennen: Koronare Herzerkrankung, Durchblutungsstörungen und Augenerkrankungen." Ein wichtiger Faktor sei auch die Kostenseite: „Ein Facharzt in der Notfallpraxis wird einen ambulanten Patienten mit weniger Aufwand und apparativer Medizin genau so gut versorgen wie ein Assistenzarzt im Krankenhaus mit allen Möglichkeiten von Blutentnahme bis Röntgen. Die ambulante Medizin ist kosteneffektiver und soll daher ja auch politisch gefördert werden.“
Dass das Netzwerk noch weiter wachsen wird, da sind sie sich sicher: „Manche Ärzte haben im Moment noch nicht den Sinn darin gesehen”, sagt Pressesprecher Dr. Dirk Tittgen.
Der Patient soll von doc-net-mh profitieren, Doppelbehandlungen sollen vermieden werden, Praxen auch in den Vororten vertreten sein: „Wir sind ganz klar gegen die Zentralisierung”, sagt Dr. Bruno Heger. Sie schmieden zahlreiche Pläne, vieles ist aber noch Zukunftsmusik. Sie träumen von einer einheitlichen Computersoftware, um Befunde oder beispielsweise Röntgenbilder schnell untereinander verschicken zu können. Überweisungen sollen einfacher und schneller möglich und eine Frage soll effizienter geklärt werden: Wer muss zum Facharzt überwiesen werden, wer muss tatsächlich ins Krankenhaus? Dann wäre auch eine Medikamenten-Positivliste ihr Ziel, um, wie Dirk Tittgen betont, „nicht in Abhängigkeit von den Rabattverträgen der Krankenkassen zu kommen“.
Einige Veranstaltungen hingegen hat das Netzwerk schon fest geplant. Ein Schwerpunkt dabei sollen Thementreffs in der Evangelischen Familienbildungsstätte sein. Um gemeinsam Flagge zu zeigen und sich den Bürgern als kompetente Ansprechpartner zur Verfügung zu stellen.

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