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Gefiederte Wintergäste zu Besuch in der Stadt

11.01.2016 | 12:00 Uhr
Gefiederte Wintergäste zu Besuch in der Stadt
Bei der bundesweiten Mitmachaktion des Nabu „Stunde der Wintervögel“ machen nicht nur Vogel-Expertinnen wie Elke Brandt aus Mülheim mit.Foto: Christoph Wojtyczka

Mülheim.  Bei der Zählung der Wintervögel macht der Nabu oft erstaunliche Entdeckungen. Einmal im Jahr bittet der Naturschutzbund um die Hilfe von Bürgern bei der Erfassung .

„Tock-tock-tock“, schallt es aus einer nahen Konifere. „Der Warnruf einer Amsel“, hebt Elke Brandt den Finger aufmerksam nach oben. Das mahnende Schnalzen wird schneller, als wir vorbeigehen, schwillt an – meint die etwa uns? Wohl eher andere Vögel oder vielleicht eine Katze. „Aber der Ruf der Amsel wird von vielen Vögel verstanden. Er ist quasi multi-kulti“, weiß die sprachversierte Vogelexpertin vom Mülheimer Nabu-Verband. Elke Brandt ist unterwegs zur Zählung der Wintervögel.

Nestbau schon im Januar

Ein Mal im Jahr bittet der Naturschutzbund deutschlandweit um die Mithilfe auch von Bürgern bei der Erfassung der in unserer Stadt verbliebenen Vögel. Oder der sogar dazu gekommenen, denn etliche Vogelarten etwa aus dem europäischen Norden machen sich gar nicht mehr groß auf bis nach Afrika, sondern sind auch schon mit unserem gemäßigten Winterklima recht zufrieden.

Die Wacholderdrossel ist so ein Wintergast in Mülheim. Und Mittel- oder Langstreckenzieher wie die Mönchsgrasmücke etwa fliegen immer später im Jahr gen Süden, und kommen auch früher zurück. Das sind Folgen des Klimawandels, ist Brandt überzeugt. Elstern hat sie schon beim Moossammeln für den Innenausbau der Nester beobachtet. Das machen die normalerweise erst im Frühjahr. Auch die Fütterung spielt hinein, wenn manche Arten hier überwintern: „Man muss die Futterstelle sicher vor Raubtieren schützen und regelmäßig etwa Kot beseitigen“, gibt die Nabu-Frau als Tipp für das Ansiedeln von Vögeln im eigenen Garten.

Es gibt jedoch auch negative Folgen etwa für Enten, die durch das Füttern an Teichen angesiedelt werden. Wird dieser dann zu klein für die Population, kommt es zu Auseinandersetzungen unter den Tieren, zum Beispiel um die Weibchen, mahnt Vogelexpertin Brandt. Das Zählen der Wintervögel kann theoretisch jeder, ist aber so eine Sache: Elke Brandt macht das quasi so im Vorbeigehen allein anhand der Laute. Irgendwo im Gebüsch „pink-pinkt“ eine Kohlmeise, anderswo studiert eine Amsel leise ihren Gesang ein, und just ist wohl ein Buchfink ungesehen vorbeigebraust – aber eben nicht ungehört: „der Flugruf“ hebt die Nabu-Frau erneut die Hand.

Eine Frage der Erfahrung, und die hat Elke Brandt reichlich gesammelt. Seit ihrer Schulzeit unternimmt sie vogelkundliche Wanderungen und kennt daher die subtilen Unterschiede zwischen Sumpf- und Weidemeise, der hauptsächlich am unterschiedlichen Gesang festzumachen ist – allerdings „nur zu Paarbildung im Frühjahr“, merkt sie an. Dass bei der Zählung im Winter also regelmäßig sowohl Sumpf- als auch Weidenmeisen festgehalten werden, verbucht die Expertin unter der Kategorie „Kurioses“.

Kurios ist ebenso, dass in diesem Jahr etliche Girlitze gemeldet wurden. Ausgeschlossen sei das zwar nicht, glaubt Elke Brandt, wahrscheinlicher sei aber, dass man ihn nicht selten mit dem sehr ähnlichen Erlenzeisig verwechselt hat.

Bewusstsein für die Natur bekommen

Allzu wichtig sind die Verwechslungen der Laien für den Nabu nicht, „vielmehr sollen die Zählungen einfach ein Bewusstsein für unsere Natur und ihre Veränderungen wachrufen“, so Elke Brandt. Gibt es also Kormorane an der Ruhr? Warum findet man am Nachmittag kaum mehr Blaumeisen? An manche Meldung von ungewöhnlichen Sichtungen erinnert sich die Vogelexpertin gern: „Jemand hat uns eine Invasion von Seidenschwänzen gemeldet, die sich in einem Busch niedergelassen haben“, erzählt sie. „Wir sind sofort hin – ein tolles Schauspiel.“

Der Grundgedanke der Bewusstmachung für die Natur scheint aufzugehen, wenn man sieht, dass die Zahl der Teilnehmer seit Beginn der Zählaktion vor sechs Jahren auf 116 gewachsen ist. 1701 Vögel in 77 Grüngebieten haben sie 2015 erfasst. Die Ergebnisse für 2016 lagen bis Redaktionsschluss noch nicht vor. Auf den obersten drei Plätzen liegen aber nach wie vor Kohlmeise (1), Amsel (2), Blaumeise (3).

nfo: www.nabu-im-ruhrgebiet.de

Von Dennis Vollmer

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2016-01-11 12:00
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