Gaudi am Flughafen

Bier, Hendl und die Blasmusik spielt dazu. Demnächst soll es zünftig auf dem Flughafengelände zugehen. Vom 2. bis zum 17. Oktober, jeweils am Wochenende, steht dort ein Festzelt. Es wird Oktoberfest gefeiert. Im letzten Jahr fand die Großveranstaltung noch in Essen-Rüttenscheid statt. Die insgesamt rund 33 000 Besucher in drei Wochen waren dort gern gesehen, sorgten sie doch für ordentlich Umsatz im Essener Kneipen-Viertel. Aber so viele Menschen produzieren auch Lärm und das hat den Anwohnern nicht gepasst. Sie zogen vor Gericht, das Ergebnis: Veranstalter Ted Terdisch musste sich einen neuen Standort suchen und hat ihn hier gefunden.

Terdisch ist schon seit längerer Zeit der Veranstaltungsagentur „Check In Event“ verbunden, die am Flughafen ihren Sitz hat und sich auch um die Vermarktung des Geländes für Veranstaltungen kümmert. „Hier können sich eigentlich nur Pflanzen belästigt fühlen“, meint Günther Hellmich, Geschäftsführer der Flughafengesellschaft. Um Probleme zu vermeiden, ist auch ein Lärmgutachten bei der Dekra in Auftrag gegeben worden. Dies liegt zwar erst in zwei Wochen komplett vor, aber es sei schon abzusehen, dass es keine Belästigung gebe. Das betroffene Areal, an der Lilienthalstraße gegenüber von Blumen Schley gelegen, befindet sich auf Essener Gebiet, so dass auch dort die endgültige Genehmigung erteilt werden muss. Gleichwohl ist diese Entscheidung auch für Mülheim interessant. Schließlich ist der Flughafen ein ständiges Politikum.

„Die Veranstaltung bringt Einnahmen. Und das ist gut“, meint Günther Hellmich. Frank Jacob von „Check in Event“ betont: „Gut 20 000 Quadratmeter der Fläche, die nicht vom Flugbetrieb betroffen sind, werden so zusätzlich genutzt. Die liegen sonst brach. Das dort diese Veranstaltung stattfinden kann , ist für beide Seiten, den Flughafen wie den Veranstalter, eine Win-Win-Situation.“ Darüber wie hoch die Einnahmen aber sind, schweigt sich Jacob im Moment noch aus. Er betont aber, dass auch einige Maßnahmen hätten getroffen werden müssen, damit das Gelände für so eine Veranstaltung hergerichtet ist. Für ihn ist das eine Investition in die Zukunft. Denn nicht nur das Oktoberfest solle Jahr um Jahr dort stattfinden. Auch andere Großveranstaltungen würde man grundsätzlich gerne an diesem Standort durchführen.

Kritische Töne sind von Waldemar Nowak zu hören. Dem Sprecher des Netzwerkes gegen Fluglärm geht es wieder mal um Ruhestörung, auch wenn diese nun nicht von Flugzeugen ausgehen würde. „Ich bin kein Spaßverderber. Aber ich befürchte, dass eine erhebliche Lärmbelastung für die Anwohner von dem Fest ausgeht.“ Schließlich soll bis 1 Uhr gefeiert werden. Die Gäste würden mit Shuttle-Bussen in Richtung Essen und in Richtung Mülheim befördert. Doch Nowak befürchtet, dass einige Schlachtenbummler zurückbleiben und weiter Radau machen könnten. Zudem ist er misstrauisch: Im Aufsichtsrat, dem er angehört, sei über die Sache noch nicht gesprochen worden. Auch hatten die Veranstalter angekündigt, die Anwohner im Umkreis von zwei Kilometern schriftlich über ihre Pläner zu informieren.

Nowak ist unter den Anwohnern gut vernetzt. Sowohl auf der Essener wie auf der Mülheimer Seite habe er bisher noch keinen gesprochen, der eine entsprechende Information erhalten habe. Nowak ist überzeugt, dass es noch Protest geben werde.