Für Klimaschutz sollten sich alle anstrengen

Heißen..  Seit November sind sie in Teilen Heißens unterwegs gewesen, haben zahlreiche Gespräche geführt mit den Bewohnern des Ortsteils und sind der Frage auf den Grund gegangen, wie das Viertel zwischen Bahnlinie, A40, der Hingbergstraße und der Brückstraße energetisch aufgestellt ist. In drei Wochen soll das Pilotprojekt der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr, für das das Viertel in Heißen aus 2000 Quartieren ruhrgebietsweit als Modell ausgewählt wurde, abgeschlossen sein. Dann wollen die Initiatoren Erkenntnisse liefern darüber, wie Wohnbezirke mit älterem Gebäudebestand energieeffizient modernisiert werden können. Über allem steht die Maßgabe, CO2-Emissionen deutlich zu reduzieren.

Als Ziel nennt Jens Kohnen von NRW Urban einen Richtwert von 40 Prozent weniger an CO2-Emissionen in den Jahren 1990 bis 2020. Das Ruhrgebiet als Ballungsraum mit größtenteils unmoderner Bausubstanz müsse dazu schnellstmöglich auf einen klimafreundlichen Stand kommen, hieß es.

Das Projekt im Modellquartier Heißen, das über einen großen Baubestand aus den 60er- und 70er- Jahren verfügt, solle dafür der Türöffner sein. „Hier finden wir einen Gebäudebestand, der erneuert werden kann und muss“, verdeutlichte Rasmus Beck, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr. Nach der Bewerbung um den Titel „Innovation City“ und den Bestrebungen zur Klimazone Mülheim sei es folgerichtig, dass die Stadt mit dem Projekt in Heißen eine Vorreiterrolle einnähme, sagte Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld und betonte: „Energetische Stadtentwicklung kann nur funktionieren, wenn wir die Menschen dazu bewegen können, mitzuziehen – das kann die öffentliche Hand alleine nicht stemmen.“ Gesprächsthema sei das Projekt in Heißen bereits jetzt, hat die OB erfahren, die selbst in dem Stadtteil zuhause ist: „Ich bin bereits auf verschiedenen Veranstaltungen darauf angesprochen worden.“ So waren im Pilotquartier, das über rund 1000 Wohngebäude verfügt, zu 80 Prozent Eigentümer und zu 20 Prozent die Wohnungsbaugesellschaften Ansprechpartner der Projekt-Initiatoren. Das Aktivieren der Hausbesitzer dahin gehend, über die energetische Sanierung ihrer Gebäude nachzudenken, sei der erste Schritt des Projektteams gewesen, erklärt Jens Kohnen. Bei Infoabenden im Gemeindehaus der Kreuzkirche und durch Interviews auf der Straße kamen Heißener Interessenten und die Experten von NRW Urban und Öko-Zentrum NRW miteinander ins Gespräch.

Eine Erkenntnis daraus: „Viele haben sich bereits mit dem Thema energetisch Sanieren auseinander gesetzt“, so Kohnen. Die Fachleute berieten die Immobilienbesitzer dann darüber, welche Sanierungsmaßnahmen für sie sinnvoll sind. Manfred Rauschen vom Öko-Zentrum NRW erklärte dazu: „Bei historisch bedeutsamen Fassaden oder anspruchsvoller Architektur wie beim Gemeindehaus der Kreuzkirche würde man immer von innen dämmen, um den optischen Charakter eines Gebäudes zu erhalten.“

Bis zu 80 Prozent Energieeinsparung könne die richtige Dämmung von Dach und Fassade bringen. Pro Wohneinheit müssten dafür rund 70 000 Euro aufgebracht werden, sofern die Heizung nicht auch noch ersetzt werden müsse, rechnete Rauschen vor. Die ersten Pflöcke seien damit in Heißen eingeschlagen, sind die Ideengeber überzeugt. Jetzt soll das Projekt seine Strahlkraft für eine klimafreundliche Region über Heißens Grenzen hinaus werfen.