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Dumpinglöhne

Für fünf Euro in der Stunde arbeiten

20.08.2009 | 06:00 Uhr

Gewerkschaften machen sich auf die Spur von Dumpinglohn-Sündern. Im Einzelhandel, in Callcentern oder im Frsörhandwerk wird oft schlecht gezahlt. Betroffene können sich melden.

Verdi demonstierte gegen Dumpinglöhne. Foto: Oliver Müller

Zwei Mülheimer Gewerkschaften wollen Arbeitgebern an den Kragen, die ihre Mitarbeiter zu Dumping- oder gar sittenwidrigen Löhnen knechten lassen. Sowohl Verdi als auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) rufen deshalb Arbeitnehmer aus Mülheim auf, ihre prekären Arbeitsbedingungen zu melden.

Fünf Wochen vor der Bundestagswahl wollen die zwei Gewerkschaften das Thema Mindestlohn noch einmal in die politische Diskussion bringen. Die bundesweite Aktion soll auch auf lokaler Ebene die Einkommenssituation beleuchten; im Fokus dabei: die Niedriglöhne. Laut Verdi und NGG gibt es in Mülheim mehr als 3000 Erwerbstätige, die trotz ihres Jobs auf staatliche Zuschüsse der Existenzsicherung (Aufstocker nach Hartz IV) angewiesen sind.

Bestimmte Bereiche

„Schuld daran sind häufig Niedriglöhne von 5,50 Euro oder weniger”, so Henrike Greven, Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Mülheim-Oberhausen. Verdi-Sekretär Günter Wolf nennt „die klassischen Bereiche”, wo seine Gewerkschaft immer wieder Dumping- oder gar sittenwidrige Löhne fernab von Tarifbestimmungen feststelle: im Einzelhandel, in Callcentern, im Bewachungsgewerbe und im Frisörhandwerk.

Weiterhin sei die Textilkette KiK, eine Tengelmann-Tochter, dabei im Visier der Gewerkschaft. Zwar habe man nach einem entsprechenden Urteil des Landesarbeitsgerichtes für vier Beschäftigte vor rund zwei Monaten eine Nachzahlung zwischen 8000 und 10 000 Euro gerichtlich erstreiten können. Doch, so Wolf, liege die Vermutung nah, dass dort weiter unter der Grenze zur Sittenwidrigkeit entlohnt werde. Problem sei, dass Ansprüche von Arbeitnehmern nicht als Verbandsklage geltend gemacht werden können, dieses Recht habe eine Gewerkschaft leider nicht. Es bedürfe vieler Einzelklagen und Mut der Betroffenen, um gegen einen sittenwidrigen Stundenlohn von damals 5,20 Euro vorzugehen (tariflicher Ecklohn im sechsten Berufsjahr sei 12,67 Euro).

Frisörin mit 5 Euro Stundenlohn

Bei Verdi, so Wolf, sei jetzt eine Frisörin vorstellig geworden mit 5 Euro Stundenlohn. Die örtliche NGG-Geschäftsführerin Yvonne Sachtje beackert derzeit den Fall einer Bäckereifachverkäuferin mit drei Kindern, die auf 400-Euro-Basis für 5,53 Euro die Stunde arbeitet und vom Arbeitgeber nicht einmal die ihr zustehende Lohnfortzahlung im Krankheitsfall erhält. Ähnliches kennt sie aus der Gastronomie. Dort werde der im Früjahr vereinbarte Mindestlohn von 7,63 Euro oft nicht gewährt. Rund 200 Klagen zur Unterschreitung des Tariflohnes in Mülheimer, Essener und Bochumer Betrieben habe die NGG im letzten Jahr an die Arbeitsgerichte getragen.

„Es kann nicht sein, dass Menschen trotz Vollzeit-Arbeit auf staatliche Unterstützung angewiesen sind”, fordert Verdi-Sekretär Wolf – wie auch Sachtje – einen gesetzlichen Mindestlohn von 7,50 Euro. Der Verdi-Funktionär kündigte an, Mitte September „schwarze Schafe” unter den Mülheimer Arbeitgebern vielleicht öffentlich an den Pranger zu stellen, um der Debatte Druck zu verleihen. Dumpinglöhne seien schließlich vom Steuerzahler subventioniert, denn niemand anderes müsse aufkommen für das aufstockende Arbeitslosengeld II.

Betroffene können sich melden

Die Gewerkschaften Verdi und NGG appellieren an Mülheimer Beschäftigte, Dumpinglöhne zu melden. Dies sei seit dieser Woche im Internet auf der Seite http://www.dumpinglohn.de/ möglich. Betroffene könnten sich auch direkt an Verdi Mülheim-Oberhausen ( 456 71-0) oder NGG-Region Ruhr ( 305 82-30) wenden.

Mirco Stodollick

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Kommentare
21.08.2009
13:15
Für fünf Euro in der Stunde arbeiten
von zweizueins | #10

@ 10 schranzbaum
ich möchte nicht wissen was spielhallen aufsichten so verdienen :)

20.08.2009
15:26
Für fünf Euro in der Stunde arbeiten
von schranzbaum | #9

4: sehen sie, so wird das gemacht. anprangern und (für meinen teil) boykottieren. mehr davon.

20.08.2009
12:07
Für fünf Euro in der Stunde arbeiten
von von Butten | #8

Anders lässt sich Vollbeschäftigung von Frank-Walter (SPD) nicht bewerkstelligen. Noch besser wenn die Grünen dran kommen. Dann gibts als Entlohnung Frischluft. Und Herr Trittin bedarf seiner Sonderabgabe für seinen fetten Porsche.

20.08.2009
11:18
Für fünf Euro in der Stunde arbeiten
von Tomas Vieth | #7

Heute halten bei einem Werktätigen, sieben andere die Hand auf und leben von Ihm mit.
In den siebziger waren es drei, und der schlimmste , die Lohnnebenkosten. Es findet sich in dieser Klapse immer einer der dich bescheist.
Und der hat bei Aufdeckung seinen Segen vom Fiskus.Die Leute fandgen an Dinge in die Luft zu sprengen. Dabei ist die Lösung friedlicher: FreieUnion.de

20.08.2009
10:10
Für fünf Euro in der Stunde arbeiten
von Noosha | #6

@Peter1208
... und einen der größten Eurojob-Knechter (mehrere hundert) finden Sie einige Artikel unter diesem als Wohltäter für Simbabwe!

20.08.2009
09:47
Für fünf Euro in der Stunde arbeiten
von Peter1208 | #5

der Staat macht es doch vor,. Hartz 4 in Verbindung mit einem 1 € Job ist auch Lohndumping.
ein alleinstehender Hartz 4 Empfänger bekommt 359,00 € plus Warm-Miete (z. B. 350 €) plus ca. 150 € aus einem 1 € Job ( bei Wohlfahrtsverbänden etc) das sind 859 €. bei einer 38,5 Std Woche macht das auf den Monat hochgerechnet einen Std.-Lohn von 5,58 €.. Das Beste daran ist das diese Verbände auch noch ca. 500 € und mehr Kopfprämie pro Monat vom Staat kassieren. Dann ist es doch kein Wunder wenn private Unternehmer das auch versuchen.
Diesen Zusatnd haben wir schon ein paar Jahre und jetzt kurz vor der Wahl kommen die Gewerkschaften aus ihren Löchern, ich glaube das ist ein paar Jahre zu spät.
Einzelhandel, Callcenter, Bewachungsgewerbe und das Frisörhandwerk versuchen eben auch durch Ausbeutung sich eine goldene Nase zu verdienen und die bekommen noch nicht einmal. eine Kopfprämie. Das ganze Systhem ist krank.

20.08.2009
09:33
Für fünf Euro in der Stunde arbeiten
von natja93 | #4

Bei der Suche nach einem Nebenjob, gelangte meine Tochter an den Inhaber der Creperie im Forum. Nach einem Probearbeiten ging es dann u.a. um den Stundenlohn. Ohne mit der Wimper zu zucken bot er ihr 3 EURO/Stunde. Nach unserem elterlichen Einwand entgegnete er, daß wäre völlig normal und er würde niemandem mehr bezahlen. Im Übrigen war er bekennender CDU-Wähler.

Selbstverständlich trat meine Tochter diesen Job bei diesem Ausbeuter nicht an.

Wir werden dort sicher kein Crepe mehr kaufen.

20.08.2009
09:12
Für fünf Euro in der Stunde arbeiten
von baumjohann | #3

liebe presse, wenn ihr kik nennt, so müsst ihr auch alle anderen namentlich erwähnen, auch wenn es stadtbekannte mittelständler mit parteibuch sind. interessant wären auch die wohlfahrtsverbände, sofern sie nicht tariflich gebunden sind. also bitte, nicht einen rauspicken und die anderen verschweigen. guter journalismus sieht anders aus!

20.08.2009
08:51
Für fünf Euro in der Stunde arbeiten
von AdalbertHummel | #2

Man kann sich wirklich nur solidarisch erklären mit den so geknechteten Arbeitnehmerinnen und Arbeitern. Es ist schon ein Skandal, dass sie trotz 40 Stunden Woche noch Hartz-4 zum Aufstocken beantragen müssen. Schuld an diesem unmenschlichen System ist auch, dass Arbeitslose jede Arbeit zu jedem Lohn annehmen müssen.

Ein weiteres Thema sind die 1-Euro-Jobs. Die vernichten dazu noch Arbeitsplätze, von denen man mal leben konnte und sogar eine Familie ernähren konnte.

Selbst der von den Linken geforderte Mindestlohn von 10 Euro hätte immer noch zur Folge, dass man nach 45 Jahren Arbeit eine Rente bekommt, die auch unter dem Sozialhilfe-Niveau liegt. Es wäre aber schon mal ein Anfang.

20.08.2009
08:35
Für fünf Euro in der Stunde arbeiten
von schranzbaum | #1

ich freu mich schon auf die (schon längst fällige) veröffentlichung dieser betriebe, gaststätten, läden etc. denn eins ist mal sicher: mein gled kriegen diese verbrecher nicht. geiz ist nicht immer geil, und das müssen diese menschen lernen, um bei solchen geht dies nun mal nur mit der entziehung von geld und gewinn.

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