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Mülheimer Dramatikerpreis...

Für das letzte Feuer entfacht

25.05.2008 | 16:36 Uhr

An diesem sommerlichen Abend sah es bunt aus vor der Stadthalle.

Als wollten sie auf Abenteuer-Tour gehen, hockten junge Leute am Samstag, 24. Mai, in Cargo-Hosen und Tank-Tops auf dem Boden. Andere schlenderten im saloppen Leinen-Anzug oder feinen Kleidern heran.

Gut fünf Stunden später sollte es einem Menschen, der in der Welt der Wörter Zuhause ist, die Sprache verschlagen. Überwältigt war Dea Loher davon, dass sie den mit 15 000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis für ihr Stück „Das letzte Feuer” gewonnen hatte.

Eine halbe Stunde nach Mitternacht stand die Berliner Autorin plötzlich in einem Pulk von Gratulanten. Festivalleiter Udo Balzer-Reher hob die zierliche Person in die Höhe. Die Entscheidung trafen die fünf Juroren diesmal in einer fast schon gespenstischen Einmütigkeit – ohne große verbale Gefechte, ohne den Drang, einen anderen Autor durchzudrücken. Schon oft hat sich das Blatt bei den Jury-Debatten in der Vergangenheit in letzter Sekunde gewendet. Und als heiße Anwärterin heimste die junge Autorin Felicia Zeller mit „Kaspar Häuser Meer” den Publikumspreis ein. Statt auf Innovation setzte die Jury auf Tradition und gab einer gestandenen Autorin den Preis. In ihren flammenden Plädoyers für „Das letzte Feuer” überschlugen sich die Juroren förmlich bis zum „Totentanz, ja wunder-traurig”, so Marion Hirte, Chefdramaturgin am Schauspielhaus Graz.

So wichtig und richtig wie die Diskussionen im Anschluss an die Aufführungen und die öffentliche Debatte um die Preisvergabe auch sein mögen – diesmal hätte man sich die ganze Prozedur eigentlich schenken können. Lohers Stück, inszeniert von ihrem „Hausregisseur” Andreas Kriegenburg und gezeigt vom Ensemble des Hamburger Thalia Theater, war Samstag der letzte Beitrag im Wettbewerb. Zum x-ten Male hatte sich die hoch motivierten Schauspieler am Ende verneigt, da applaudierte das Publikum noch immer tosend. Da war eigentlich schon klar, wohin die Reise oder der Preis geht. Kritik an der Auswahl des Jahrgangs 08 wurde laut.

„Wie in vielen Bereichen nähern wir uns auch im Theater dem Mittelmaß”, meinte ein Zuschauer. „Von den acht Stücken sind nur zwei wettbewerbstauglich.” Man habe sich zwar mehr Autoren gewünscht, beispielsweise einen Martin Heckmanns oder eine Elfriede Jelinek, „aber alle ausgewählten Stücke haben deutliche Qualität”, so Peter Michalzik. Was will der Sprecher des Auswahlgremiums auch anderes sagen? Da sorgte Oliver Bukowski, selbst Autor, für Lacher und frischen Wind im schwülwarmen und proppenvollen Saal. In der Endrunde gab er seine Stimme zuerst „für Heckmanns”, der natürlich nicht dabei war, und schob dann „klar für Dea Loher” nach. Die Übertragung der Jury-Debatte im Internet verfolgten 6300 Kulturfreunde.

Anfangs machte sich Moderator Gerhard Jörder für die Stücke stark: „Die Mülheimer Theatertage sind das bedeutendste und traditionsreichste Festival der Gegenwartsdramatik.”

Margitta Ulbricht

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