Führungen zu Industrie und Handwerk
18.02.2010 | 07:00 Uhr 2010-02-18T07:00:00+0100
Mülheim.Wenn am Sonntag der internationale „Weltgästeführertag“ zum 20. Mal begangen wird, ist auch Helga Becker wieder im Einsatz. Sie wird eine von drei Führungen durch Mülheim leiten, mit denen der „Bundesverband der Gästeführer in Deutschland“ (BVGD) für seine Arbeit wirbt.
Aber auch dazu einlädt, Deutschland kostenlos kennen zu lernen, so das Motto. In diesem Jahr geht es von Kiel bis München um das Thema „Es riecht nach Arbeit“ und so ist es nur konsequent, wenn Helga Becker am Samstag um 14 Uhr am Parkplatz hinter dem Ledermuseum (Düsseldorfer Straße 269) einlädt, die Geschichte des Handwerks in Mülheim zu erleben: „Leder – Gerber – Wasser – Mühlen“ werden die Stationen sein, die die Fremdenführerin kostenlos und ohne Anmeldung anbietet. „Ich weiß ja nicht, ob nun zwei oder 40 Interessierte kommen“, lacht sie. Aber eine größere Gruppe wäre kein Problem, denn Helga Becker ist eine erfahrene Führerin, seit zehn Jahren in Diensten der Stadt und der MST unterwegs.
Dabei stand ihre Wiege nicht einmal an der Ruhr: Helga Becker stammt aus Hannover und zog vor 40 Jahren mit ihrem Mann nach Mülheim. Die Stadt gefiel ihr gleich, obwohl sie ahnte, künftig mit manchem Vorurteil kämpfen zu müssen: „Vor 40 Jahren wollte doch keiner ins Ruhrgebiet,“ erinnert sie sich. „Alle dachten: Hier fliegen die Briketts tief. Dabei gab es schon vor 40 Jahren keine Zeche mehr in Mülheim.“
„Inzwischen“, untertreibt sie charmant, „kenne ich mich hier ganz gut aus.“ Denn bevor sie sich vor zehn Jahren zur Fremdenverkehrsführerin ausbilden ließ, hatte sie schon Freude daran gefunden, Verwandte und auswärtige Freunde durch die Stadt zu führen, die schönen Ecken der neuen Heimat vorzustellen. Wer mit Vorurteilen kam, wurde ins Auto gepackt und durch die Stadt kutschiert – und ging zumeist mit einem neuen Bild im Kopf nach Hause. Bis heute freut sie sich über erstaunte Reaktionen ihrer Gäste: „Ja. Es ist hier wirklich so schön.“ Denn die überzeugte Wahl-Mülheimerin, die in Broich lebt, erfährt regelmäßig: „Vorurteile über das Ruhrgebiet gibt es immer noch.“
Helga Becker, die am Samstag ehrenamtlich als BVGD-Mitglied bei der Führung im Einsatz ist, begleitet sonst als freie Mitarbeiterin die Stadtrundfahrten der MST. Durch regelmäßige Zeitungslektüre hält sie ihre Vorträge aktuell, schlägt immer mal wieder Jahreszahlen nach, merkt sich Neuigkeiten der Mülheimer Prominenten. Für einheimische Gäste geht sie oft ins Detail, wie etwa beim Solbad Raffelberg, für Auswärtige hat sie manches Schmankerl in petto: Dass Albert Schweitzer, der mit Hugo Stinnes befreundet war, in den Fünfzigerjahren in der Petrikirche Orgel spielte und Spenden für sein Krankenhaus einwarb, dürfte allerdings nicht nur den auswärtigen Gästen neu sein.

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