Frosch im Konzert

Wir wollen diesen Platz ja nicht dauerhaft als Werbeecke missbrauchen, auch wenn wir schon aus Prinzip keine Namen nennen. Aber nach diesem atemberaubenden Konzert des kanadischen Tastenvirtuosen Marc-André Hamelin muss das einfach gesagt werden. Ich meine jetzt nicht den Sponsor, der überhaupt ermöglicht hat, dass das Konzert des Klavierfestival Ruhr in der Stadthalle und nicht in Düsseldorf, Köln oder Hamburg gegeben wurde. Ich meine den Schweizer Hersteller der wohltuenden Kräuterbonbons, die dafür sorgen, dass erst gar kein Jucken, kein Kribbeln und erst Recht keine Blockade im Hals entsteht. Aus Erfahrung, wenn mich turnusmäßig meine Erkältung ereilt, weiß ich, dass sie wirken - selbstverständlich können sie keine Wunder bewirken.

Und doch schienen sie gestern machtlos. Vor allem bei Debussy, mit den zarten und flirrenden Klängen, die so hingehaucht werden und daher die volle Konzentration erfordern. Hüsteln wirkt da besonders störend. „Früher ging man zum Arzt, heute ins Konzert“, tönte in der Pause in Erinnerung an Arthur Rubinstein ein Gast. Aber vielleicht ist es gerade die Stille, die das Hüsteln provoziert. Wer hat schon mal bei einem Rockkonzert seinen Nachbarn husten sehen? Aber da würde es ja auch nicht auffallen. Und wenn einer beginnt, kann sich der Nachbar auch nicht mehr zurückhalten. Also, andere Pianisten hätten längst Türe knallend das Podium verlassen.

Und das führt zu einer weiteren um sich greifenden Untugend. Dem Zuspätkommen. Alle sind gehetzt - aber man kann seinen Tag doch strukturieren. Die Trödler werden ohne Sorgen auch noch reingelassen und stolpern polternd an ihren Platz. Mehrere beschwerten sich in der Pause. „Den Schubert schenke ich mir“, schimpfte ein Gast und ging empört. Als ob er mit seinem Fortgang das Festival treffen könnte. Der arme Tor trifft nur ihn selbst, denn er hat echt etwas verpasst.