Fritz Kocks kellnerte in den 60ern vier Sommer in Mintard

Vor Dienstbeginn sitzt Fritz Kocks (M.) im Juni 1961 auf der Terrasse im Mintarder Ruhrtal ohne Brücke.
Vor Dienstbeginn sitzt Fritz Kocks (M.) im Juni 1961 auf der Terrasse im Mintarder Ruhrtal ohne Brücke.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Fritz Kocks erinnert sich gerne an seine Zeit im Wasserbahnhof. Er hatte sieben Monate durchgehend Zwölf-Stunden-Tage – Urlaub machten die anderen.

Mülheim-Mintard.. „Wilhelm Schmitz senior war der humanste Arbeitgeber, den ich während meines ganzen Berufslebens hatte. Der hat Verträge mit Handschlag besiegelt, die auch in der nächsten Saison galten.“ Fritz Kocks erinnert sich an seine Kellner-Sommer im Mintarder Wasserbahnhof. „Das waren harte Zwölf-Stunden-Tage, durchgehend sieben Monate – aber wir haben gutes Geld verdient. Brachten ein oder zwei Ausflugsschife mal eben rund 300 Leute auf die Terrasse, musste man rennen und zusehen, dass man rechtzeitig alle abkassierte, bevor die Leute weiterfuhren.“

Vier Sommer lang – von 1961 bis 64 – hat der heute 73-Jährige tausende Tassen Kaffee und Kännchen auf großen Tabletts nach draußen geschleppt. „Davon habe ich heute eine krumme linke Schulter. Aber das war der Beruf“, blickt Fritz Kocks zurück. „Meine Schicht dauerte beinahe von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang – 9 bis 21 Uhr.

In guten Monaten 5000 Mark verdient

Kaum hatte ich mit den ersten Vorbereitungen begonnen, saßen die ersten schon an den Tischen und wollten frühstücken.“ Der Übergang zum Mittagstisch sei fließend gewesen. Danach Kaffee und Kuchen. „Ab 17.30 Uhr fragten die ersten schon nach Abendessen, obwohl die Küche erst ab 18 Uhr wieder lieferte. Aber das haben wir charmant überbrückt“, beschreibt der Ruheständler.

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Gelernt hatte er das Kellnerhandwerk bei Müller-Menden auf der anderen Ruhrseite. „Als man jung war, konnte man oft die Lokale wechseln, um neues Publikum in einer neuen Umgebung kennenzulernen.“ In den heißen Mintarder Sommern habe er im Monat gute 5000 Mark verdient. „Aber auf ein ganzes Jahr gerechnet war das nicht so viel. Geklebt (in die Rentenkasse gezahlt) haben damals die wenigsten Kollegen.“ Dazu seien die Gäste damals spendabel gewesen. „Ich erinnere mich an gute Tage, an denen hatte ich 100 Markt Trinkgeld.“ Ein Arbeiter verdiente damals im Durchschnitt 260 Mark im Monat.

"Immer ein großes Herz gehabt"

„Manchmal kamen auch Familien zu uns, die bestellten nur Kaffee, für das Kind eine Cola. Ich wusste sofort, die hatten nicht so viel. Dann habe ich dem Kind einen Eisbecher spendiert“, sagt Kocks. „Ich habe immer ein großes Herz gehabt, auch wenn der Chef das nicht so gerne sah.“

Erreichten die fleißeigen Ober gegen 22 Uhr nicht den letzten Bus oder Zug in Mintard, fuhr Wilhelm Schmitz sen. sie persönlich in seinem Wagen zum Bahnhof. „Dort sind wir dann noch neben dem WAZ-Haus in der Bogenschänke zum Absacker gelandet und haben uns mit anderen Kollegen aus Mülheimer Lokalen getroffen. So waren damals die Zeiten.“