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Frischer Wind in Selbeck

05.02.2010 | 12:00 Uhr
Frischer Wind in Selbeck

Das Neubauviertel an der Kölner Straße zog junge Familien an. In sechs Jahren hat Selbeck in der Einwohnerstatistik kräftig zugelegt: Von 1439 auf jetzt 1711 Bürger. Ein großer Gewinn für die Gemeinde, für die Vereine und seine Menschen. Aber auch die Infrastruktur vor Ort hat sich entwickelt.

Seit 2003 kann man feststellen, dass Mülheims Ortsteil Selbeck ziemlich Zuwachs bekommen hat. Rechts der Kölner Straße ist ein Neubaugebiet gewachsen. 64 Ein- und Zweifamilienhäuser stehen dort auf 46 000 Quadratmetern ehemaliger Grünflächen. Vor allem junge Familien mit Kindern sind hierher gezogen. Die Selbecker sehen das als große Bereicherung an – trotz des Rufs ein „eigenes, eingeschworenes Völkchen” zu sein, wie sie mit einem Schmunzeln selbst von sich sagen.

Im 19. Jahrhundert siedelten Menschen in Selbeck vorzugsweise wegen der Landwirtschaft und des Bergwerks „Zeche Diepenbrock”. Eine Gemeinde von 1100 Bewohnern entstand, vor allem aufgrund der vielen angebotenen Arbeitsplätze. Nachdem die Grube wenige Jahre später geschlossen und das Dorf 1929 in die Stadt Mülheim eingemeindet wurde, wuchs Selbeck aber kaum noch.

Viele „Ureinwohner” leben schon seit Kindesalter, seit Jahrzehnten in ihrem „Dorf”. Nicht nur aus diesem Grund sagt Schlossermeister Helmut Plönes, der seit über 70 Jahren in Selbeck wohnt: „Selbeck ist eine Schlafstadt.” Erst, nachdem das Neubauviertel entstand, kam wieder „frischer Wind rein”. Als „Rettung in letzter Sekunde” beschreibt auch Karl-Gerd Luitmann, Gemeindeausschussmitglied der Kirche St. Theresia von Avila, die Neuzugänge. In der dazugehörigen katholischen Kindertageseinrichtung und in der Grundschule am Oemberg, beide an der Kastanienallee, sehen es die Leitungen ähnlich.

Denn: In den letzten Jahren hatten alle drei so ihre Schwierigkeiten mit dem Mangel an Nachwuchs. Kita, Schule, Kirche sind schließlich mit Leben zu füllen, und ohne Nachwuchs könnte die Schließung drohen. „Vor fünf bis sechs Jahren hatten wir weniger als 15 Schüler pro Jahrgang, so dass wir extra ein jahrgangsübergreifendes Modell entwickeln mussten”, erklärt die Schulleiterin Gabriele Romagno. Eine Zitterpartie für Eltern, ob eine Klasse zustande kommt. „Zwar haben wir noch immer nur eine Klasse pro Jahrgang, doch dank der vielen hinzugezogenen Grundschulkinder machen wir uns keine Sorgen um die Zukunft.”

Kölner Straße Foto: Ingo Otto

64 neue Häuser: Neues Leben für Selbeck. In sechs Jahren hat Selbeck in der Einwohnerstatistik kräftig zugelegt: Von 1439 auf jetzt 1711 Bürger. Ein großer Gewinn für die Gemeinde, für die Vereine und seine Menschen. Aber auch die Infrastruktur vor Ort hat sich dadurch entwickelt. Neben dem großen Real-Markt haben sich in den letzten zwei Jahren unter anderem eine Filiale einer Großbäckerei, ein Bekleidungsgeschäft sowie ein weiteres Lebensmittelgeschäft niedergelassen. Im Ortskern direkt konnte der alte Spielplatz endlich besser ausgestattet werden. „Es hat uns sehr geholfen, dass viele junge Familien hinzugezogen sind”, erklärt Selbecks Bürgervereinsvorsitzender Rolf Gentges. „Aber dadurch werden jetzt auch immer mehr Stimmen laut, die unsere schlechte Verkehrsanbindung bemängeln.”

Wenig Busse fahren: Der Ortsteil ist schlecht mit dem Stadtzentrum verbunden. „Für junge Leute ist es schwierig, am Abend noch in Richtung Stadt zu kommen”, so Gentges. „Auch Schüler, die eine weiterführende Schule besuchen, haben täglich einen langen Weg vor sich.”

Dennoch weiß auch Gentges, dass eine ausufernde Infrastruktur überflüssig wäre. „Wir wollen hier nicht exzessiv wachsen. Wir stecken mitten in einem Generationswechsel und sollten warten, wohin uns das führt.”

Dass Selbeck nicht „exzessiv” wachsen wird, versichert auch Bernd Geisel; er ist Leiter der Abteilung „Generelle Planung” im Stadtplanungsamt. „Ein Gebiet darf nur so weit bebaut werden, wie es eine natürliche Ortsteilentwicklung zulässt.” In Selbeck sei mit dem Viertel um den Markscheiderhof somit fast alles erschlossen. Nur auf der anderen Seite der Kölner Straße plane man noch eine größere Fläche am Hantenweg freizugeben. „Es entsteht gerade ein Plan, der noch maximal zehn Einfamilienhäuser für diesen Bereich vorsieht.”

Dafür suche man gerade noch einen geeigneten Investor, bis dann der Bebauungsplan für den „neuen” Ortsteil Selbeck weitestgehend abgeschlossen sei.

Sarah Buse

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