Freundschaften bauen

Arbeiten zusammen (v. l.): Yakov Novik (Weißrussland), Stavimir Stamatov (Bulgarien), Elena Nikolova (Bulgarien), Diego Lostao (Spanien), Albina Agadullina (Russland), Mike Heyse (Maurermeister), Annabelle Eicker (Berlin), Zemfira Irnazarova (Russland), Martin Menke (Trägerverein Alte Dreherei), Ali Arslan (Türkei).
Arbeiten zusammen (v. l.): Yakov Novik (Weißrussland), Stavimir Stamatov (Bulgarien), Elena Nikolova (Bulgarien), Diego Lostao (Spanien), Albina Agadullina (Russland), Mike Heyse (Maurermeister), Annabelle Eicker (Berlin), Zemfira Irnazarova (Russland), Martin Menke (Trägerverein Alte Dreherei), Ali Arslan (Türkei).
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Acht junge Männer und Frauen aus sechs Ländern leben und arbeiten derzeit in der Alten Dreherei in Mülheim Broich.

Mülheim.. Bei jungen Leuten, die richtig mit anfassen wollen, ist die Alte Dreherei beliebt. Schon im fünften Jahr arbeitet der Trägerverein mit dem Bauorden zusammen, aktuell arbeiten und leben acht Männer und Frauen in Broich. Der Internationale Bauorden sorgt für Jugendbegegnungen, indem er gemeinnützige Einrichtungen bei Bau- und Renovierungsarbeiten unterstützt.

Aus Russland, Weißrussland, Bulgarien, Spanien, Türkei, Deutschland stammen die Teilnehmer, die meisten sind Studenten, die unter fachlicher Anleitung zwei Wochen bei der Restauration der denkmalgeschützten Halle helfen. Sie schneiden Glas und setzen es mit Fensterkitt ein, bauen eine Steinmauer auf, die unter Wurzelbefall gelitten hat, und streichen die Balken des Holztragwerks in der Decke. Immer unter fachlicher Anleitung wie der von Maurermeister Mike Heyse, der spontan dazu stieß, weil er gerade zwei Wochen Urlaub hat, und der den jungen Leuten zeigt, wie man es richtig macht. „Die stellen sich alle sehr gut an, sind interessiert und wissbegierig“, lobt der Handwerker.

Kost und Logis sind frei

„Der Bauorden schätzt Projekte wie die Alte Dreherei“, weiß Martin Menke vom Vorstand des Trägervereins, „denn hier kann man eine ganze Gruppe beschäftigen.“ Die jungen Leute arbeiten von 9 bis 17 Uhr, dafür bekommen sie Kost und Logis. Geschlafen wird ganz rustikal in Campingwagen (Frauen) oder auf Feldbetten (Männer). „Es war sehr ruhig hier, meine Ohrstöpsel habe ich in der Nacht nicht gebraucht“, lacht Annabelle Eicker aus Berlin, die einzige Deutsche der Gruppe. Ihr Schwerpunkt im Architekturstudium war Projektentwicklung. Sie schätzt, dass sie einiges an Erfahrungen mitnimmt aus Mülheim. Es geht ja nicht nur um die gemeinsame Arbeit am Projekt, sondern auch um Begegnung, Austausch, um das Kennenlernen des Gastlandes.

Die jungen Leute verbringen viel Zeit miteinander, abends und an den Wochenenden ist Gelegenheit für Unternehmungen. Sprachlich wechselt man: Russisch versteht die eine Hälfte der Gruppe, die meisten sprechen und verstehen Englisch, viele auch Deutsch, so wie Ali Arslan aus der Türkei und Elena Nikolova, die eine deutsche Schule in Burgas/Bulgarien besucht. So gibt es genug Schnittmengen, man hilft sich gegenseitig beim Übersetzen.

Sie studieren Architektur, wie der Spanier Diego Lostao, Wirtschaft oder Ingenieurwesen in ihren Heimatländern, die beiden Russinnen sind Sprachstudentinnen. „Wir machen gerade Pläne für das Wochenende“, erklärt Albina Agadullina aus Ufa (Russland). „Wir wollen mit ein paar Leuten nach Düsseldorf, Dortmund oder Köln fahren.“ Freundin Zemfira Irnazarova nickt, auch sie kommt aus Ufa.

Unterstützung durch die Bürger

Der Trägerverein der Alten Dreherei hat vorher die Werbetrommel gerührt und freut sich über die Unterstützung der Mülheimer, die Geld- oder Sachspenden vorbeigebracht haben. „Die Mittagessen sind alle durch Spenden gesichert“ erzählt Kurt Leyk vom Vorstand. Mal darf die Gruppe in einem Firmenbistro essen, mal bezahlt ein privater Spender den Besuch eines Restaurants. Es haben sich auch Bürger angeboten, die selbst für die Gruppe kochen wollen. Am Dienstag haben sie zusammen gegrillt, die deutschen Bratwürstchen haben wohl nicht nur Albina geschmeckt, wie sie augenzwinkernd erzählt.

„Wir könnten noch etwas gebrauchen fürs Frühstück und Abendessen“, sagt Leyk. Am einfachsten seien natürlich Geldspenden. Es gibt noch eine Einladung zur Camera Obscura; eine Stadtrundfahrt bietet der Förderverein standesgemäß mit einer historischen Straßenbahn an.