Folie als Sichtschutz am Schwimmbad - Eltern beschweren sich

Eltern haben Löcher in die Folie geknibbelt, um wenigstens einen kleinen Blick zu erhaschen.
Eltern haben Löcher in die Folie geknibbelt, um wenigstens einen kleinen Blick zu erhaschen.
Foto: Oliver Müller / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Im Südbad ist das Panoramafenster zum Nichtschwimmerbecken mit einer blickdichten Folie überzogen - zum Schutz der Kinder, zum Unmut mancher Eltern.

Mülheim.. Die Handykamera ist zum Alltagsbegleiter geworden. Jeder knipst unbekümmert drauf los. Doch auch die Ängste vor unkontrollierten Veröffentlichung heimlich aufgenommener Bilder steigen - vor allem wenn es um leicht bekleidete Kinder geht. Darauf hat das Südbad reagiert. Wo früher die Eltern ihren Schützlingen noch durch eine große Panoramascheibe beim Schwimmen zuschauen konnten, klebt nun eine blickdichte Folie.

Bei vielen Eltern trifft das auf Unverständnis. Dabei sei diese Maßnahme zum Schutz der Kinder getroffen worden, erklärt Andreas Wildoer von der Swimh GmbH, die das Südbad betreibt. „Die Folie ist zum Schutz gegen Fotografien von halbnackten Kindern“, sagt Andreas Wildoer. „Ich als Familienvater möchte auch nicht, dass mein Kind eventuell von einem pädophilen Schmierfinken abgelichtet wird.“

Kinder werden durch Eltern abgelenkt

Dass Fotografieren im Schwimmbad verboten ist, steht schon lange in der Haus- und Badeordnung. Nur durch die neuen Techniken wie Smartphones oder Tablet-PCs sei es einfach nicht mehr zu kontrollieren. Offizielle Beschwerden sind bei Andreas Wildoer noch nicht eingegangen. Dass die Maßnahme vielen Eltern nicht passt, sei aber nicht zu übersehen. „Die Folie wurde schon mutwillig zerstört“, sagt Wildoer. „Auch auf Tische und Bänke steigen manche Eltern, um wenigstens durch die Oberlichter, die nicht abgeklebt sind, einen Blick auf ihren Sprössling zu erhaschen.“

Verständnis hat der Familienvater dafür nicht. Denn schließlich sei die Folie zum Schutz eines jeden einzelnen Kindes. Das kann auch Frank Röpke vom TSV Viktoria bestätigen. Er ist beim Verein für die Schwimmkurse und somit auch für den Schutz der Kinder verantwortlich. „Mit den Handy-Schnappschüssen, das ist schon massiv geworden“, sagt Frank Röpke. „Da gab es auch Beschwerden von Eltern, die ihre Kinder eben nicht ein paar Tage später halbnackt bei Facebook entdecken möchten.“

In anderen Bädern nicht angedacht

Anders als im Südbad sei solch eine Folie in anderen Bädern nicht angedacht. Im Friedrich-Wennmann-Bad zu Beispiel ist das Nichtschwimmerbecken nicht so separiert, die Schwimmkurse der Kinder finden neben dem laufenden Badebetrieb statt. Dort achten die Schwimmmeister dann verstärkt darauf, dass das Fotoverbot eingehalten wird. Neben dem Schutz der Kinder, kann das unbeobachtete Schwimmen auch noch einen anderen Vorteil haben. „Viele Übungsleiter von uns haben sich beschwert, dass die Kinder durch ihre Eltern massiv abgelenkt werden“, sagt Martina Ellerwald, Leiterin des Mülheimer Sport Service (MMS). „Kinder sollen in aller Ruhe schwimmen lernen.“