Fliegende Teppiche unter der Eisenbahn-Brücke

So könnte nach den Vorstellungen des Planungsbüros die Durchfahrt am Hauptbahnhof mit Licht inszeniert werden.
So könnte nach den Vorstellungen des Planungsbüros die Durchfahrt am Hauptbahnhof mit Licht inszeniert werden.
Foto: Büro Hildebrand
Was wir bereits wissen
32 Büros machten Vorschläge für eine Verschönerung der Stadteingänge. Jetzt muss die technische Realisierung des Siegerentwurfs geprüft werden.

Mülheim.. So richtig begeistert ist von den Wettbewerbsergebnissen zur Aufwertung der Stadteingänge eigentlich niemand. „Aber es ist zumindest ein Anfang“, sagt Dieter Wiechering (SPD), der Vorsitzende des Planungsausschusses, wo die Beiträge kürzlich präsentiert wurden. Handlungsdruck besteht schon seit Jahren.

Gerade die Bahnunterführungen sind finstere Schmuddelecken, durch die man nachts nur ungern geht – und bei Tageslicht betrachtet sind sie alles andere als attraktiv. Vor ein paar Jahren hat man sich bei den beiden Brücken am Hauptbahnhof zumindest um ein paar kosmetische Korrekturen gekümmert. Bei der Charrette, dem offenen Innenstadt-Workshop, war dann die Inszenierung der Stadteingänge ein wichtiger Punkt, der die Kreativität einiger Teilnehmer beflügelte.

270.000 Euro für die Realisierung

Im Rahmen des integrierten Innenstadtkonzeptes konnten dann aber für einen Wettbewerb 30.000 Euro und für die Realisierung 270.000 Euro (das ist eine 70-prozentige Förderung) bereitgestellt werden.

32 Büros aus der gesamten Republik hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt, dessen Beiträge anonymisiert von der Jury unter dem Vorsitz der Architektin Ursula Ringleben, die auch dem Gestaltungsbeirat vorsitzt, bewertet wurde. Vier Preise und eine Summe von 15 000 Euro wurden vergeben.

Die Jury empfiehlt die Umsetzung eines Lichtkonzeptes des Essener Büros von Christoph Hildebrand. Er möchte den Besuchern den Teppich auslegen und unter den Brücken bietet sich ein fliegender an. „Carpets“ nennt er die Lichtinstallation, dessen Formen aus markanten Ornamenten von Mülheimer Gebäuden stammen. Nicht immer ist die Herkunft so ersichtlich wie an der Fußgängerunterführung an der Kohlenstraße, wo das Stadtlogo als Ausgangspunkt dient.

Hohe künstlerische Qualität und praktischer Anspruch

Für andere Stellen sind es Muster aus der Fassade des Aquarius, der Camera Obscura oder der Stadthalle. „Der Entwurf verbindet eine hohe künstlerische Qualität mit dem praktischen Anspruch, die Räume heller zu gestalten. Dies erhöht das subjektive Sicherheitsempfinden und schafft Orientierung“, heißt es in der Beurteilung der Jury. Jetzt muss allerdings die technische Umsetzung geprüft werden, erklärt Jürgen Liebich, Leiter des Stadtplanungsamtes. „Kritischer Punkt ist die Deckenhöhe. Die Durchfahrtshöhe der Eppinghofer Straße muss erhalten bleiben.“

Dieter Wiechering fordert zudem, dass an den Seitenwänden etwas passieren muss. Dem stimmt auch Liebich zu. „Wir müssen uns mit der Deutschen Bahn absprechen.“

Für den Herbst wird die Verwaltung der Politik einen Beschlussvorschlag vorlegen, der nicht unbedingt dem Votum der Jury folgen muss. „Wichtig ist uns eine dauerhafte Lösung, die Vandalismus standhält“, sagt Brigitte Erd von den Grünen.