Fit auf der Matte und in Mathe
26.03.2009 | 19:24 Uhr 2009-03-26T19:24:00+0100
An der Grundschule an der Hölterstraße absolvierten alle Erst- bis Drittklässler den sportmotorischen Test
Sie spielen zu viel Computer und bewegen sich zu wenig. Der Vorwurf, dass Kinder tendenziell immer unsportlicher werden, ist nicht neu. An der Grundschule an der Hölterstraße wurde die Beweglichkeit der Kinder jetzt getestet – mit dem sportmotorischen Test, den das Innenministerium zusammen mit dem Forschungszentrum für den Schulsport und den Sport von Kindern und Jugendlichen (FoSS)entwickelt hat.
„Wir haben uns dazu entschlossen, alle Klassen 1–3 zu testen, damit wir ein Gesamtbild unserer Schule bekommen”, sagt Sportlehrerin Ursula Faderl-Tielmann. „Sollten wir bei der Auswertung beispielsweise feststellen, dass unsere Kinder insgesamt Defizite in der Ausdauer haben, müssen wir an unserem Unterricht etwas ändern.” Der Test bewertet also nicht nur die Leistung der Kinder, sondern gibt Schulen ein Instrument an die Hand, eigene Stärken und Schwächen zu erkennen.
Bisher haben sich in Mülheim die Grundschulen Heinrichstraße und Hölterstraße mit dem Test beschäftigt. Geht es nach Schulamtsleiterin Christa Stocks, wird er bald an allen Grundschulen durchgeführt: „Ideal wäre es, wenn jedes Kind den Test im Laufe seiner Grundschulzeit mindestens zweimal macht, damit man eine Entwicklung feststellen kann.” Die FDP Fraktion hat im Schulausschuss am vergangenen Montag sogar den Antrag gestellt, dass der Test verpflichtend wird. Abgelehnt wurde der Antrag nicht wegen fehlender Zustimmung, sondern weil, so Stocks, die Stadt den Schulen den Test nicht aufdiktieren kann.
20 Meter sprinten
Doch welche Fähigkeiten werden eigentlich getestet? Insgesamt müssen die Kinder acht Aufgaben bewältigen. Beim 20 Meter Sprint stehen Schnelligkeit und Ausdauer auf dem Prüfstand. Sit-ups und Liegestütze zeigen, wieviel Kraft und Kraftausdauer im Kind steckt, während beim seitlichen Hin- und Herspringen sowie beim rückwärts Balancieren vor allem Koordination gezeigt werden soll. Die Rumpfbeuge zielt darauf ab, die Beweglichkeit eines Kindes zu erfassen. Beim Standweitsprung geht es besonders um die Schnellkraft. Zum Schluss muss im sechs Minuten Lauf Ausdauer bewiesen werden.
Die Ergebnisse des Tests werden mit Hilfe einer Alters- und Leistungstabelle entweder von den Sportlehrern selbst oder vom FoSS ausgewertet. Weicht ein Kind nach oben oder unten von der „Norm” ab, soll in Elterngesprächen geklärt werden, wie man den Nachwuchs am besten fördern kann. Dabei geht es nicht nur darum, die Sportlichkeit, sondern auch die allgemeine Leistungsfähigkeit zu verbessern. „Wer nicht rückwärts balancieren kann, wird unter Umständen auch Schwierigkeiten haben, in Mathe quer zu denken”, sagt Faderl-Tielmann.
Wer ständig sitzt, fängt an zu zappeln. Gerade bei sehr kleinen Kindern gebe es einen direkten Zusammenhang zwischen regelmäßiger Bewegung und der Konzentration. „Wir legen deshalb ganz besonderen Wert auf den Sportunterricht”, sagt Maria Jacobs, Direktorin der Grundschule an der Hölterstraße. Dreimal pro Woche stehe der Sport trotz wachsender Anforderungen an den Grundschulen mittlerweile auf dem Stundenplan. Langfristig soll dieses sportliche Engagement die Auszeichnung „bewegungsfreundliche Schule” einbringen.

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