Firmen klagen über langsames Netz

Welche Mengen an digitalen Daten können innerhalb welcher Zeit übertragen werden? Für Unternehmen ist das eine immer wichtigere Frage im Geschäftsalltag. Die Wirtschaftsförderung ist daher alarmiert, da die Klagen aus Betrieben über eine zu langsame und schwache Netzversorgung in Mülheim zunehmen.

Dabei sieht es auf dem Papier zunächst gut aus: Laut Breitbandatlas NRW gilt Mülheim mit einer Ausbauquote von 88,9 Prozent bei einer Anschlussqualität von mehr als 50 Megabits pro Sekunde (MBit/s) – Datengeschwindigkeit – als eine der am besten versorgten Städte in NRW. Die Erfahrungen im Alltag, so Wirtschaftsförderer Jürgen Schnitzmeier, spiegelten jedoch etwas anderes wider. Längst nicht jeder, der eine bestimmte Datenübertragungsrate bestelle und bezahle, erhalte auch diese Qualität, so ein Betroffener.

Ein Gespräch der Mülheimer Wirtschaftsförderung mit Vertretern des Marktführers Telekom zu dem Problem ergab, dass die Internet-Grundversorgung mit drei Mbit/s schon als gut bewertet wird. Für einen zeitgemäßen Internetkonsum werden aus Sicht von Fachleuten heutzutage aber 25 MBit/s oder mehr benötigt. Die Telekom, so die Wirtschaftsförderung, habe eingeräumt, dass in Mülheim nur 39 Prozent der Hausanschlüsse mit 25 MBit/s und nur 28,8 Prozent mit 50 MBit/s versorgt sind. „Für einen zeitgemäßen Internetkonsum wird deutlich mehr Bandbreite benötigt.“

Hinzu kommen deutliche Unterschiede in der Anschlussqualität zwischen den städtisch geprägten nördlichen und den eher ländlich geprägten südlichen Stadtteilen. Derartige Unterschiede wiesen auch Gewerbegebiete auf. „Wir haben festgestellt, dass es selbst auf begrenztem Raum sehr unterschiedliche Bewertungen der Breitbandversorgung gibt“, sagt Schnitzmeier. Beispiel Gewerbegebiet Solinger Straße: Während der eine Unternehmer jammert, lobt sein Nachbar die Internetversorgung. Gut möglich, so die Wirtschaftsförderung, dass beide unterschiedliche Technologien nutzen, um ins Netz zu kommen.

Für die Wirtschaftsförderung besteht „akuter Handlungsbedarf“. Sie hat jetzt über ihre Homepage eine Umfrage zur Breitbandversorgung gestartet. Unternehmen sollen darin ihre Netzversorgung und deren Bedeutung für ihren Betrieb bewerten. Zudem wird danach gefragt: Welche Bandbreite voraussichtlich in fünf Jahren benötigt werde, und ob das Unternehmen bereit wäre, sich finanziell am Ausbau der eigenen Breitbandversorgung zu beteiligen.