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Firma lässt Karl den Großen mit dem 3D-Drucker entstehen

09.02.2016 | 09:00 Uhr
Firma lässt Karl den Großen mit dem 3D-Drucker entstehen
Die Firma Ego3D stellt mit 3D-Druckern Büsten und Modelle aus speziellem Kunststoff her.Foto: Michael Dahlke

Mülheim.   Die Saarner Firma Ego3D fertigt Figuren mit Hilfe hochmoderner Technik. Auch die Modelle für historische Fassadenfiguren am Weseler Rathaus stammen aus Saarn. Mit Büsten fing 2009 alles an.

Goethe, Schiller, Richard Wagner, Albrecht Dürer – auf illustre Persönlichkeiten trifft man, wenn man die Räume der Firma Ego3D an der Solinger Straße besucht. Büste an Büste reiht sich dort in den Regalen. Im Empfangsbereich stehen Bischof Willibrord, Karl der Große, Sigismund und Herzog Adolf I. – als lebensgroße Statuen aus speziellem Kunststoff. „Diese vier Figuren haben wir kürzlich für das Weseler Rathaus gemacht, drei weitere sollen noch folgen“, berichtet Firmenchef Robert Fischer über einen großen Auftrag für seinen kleinen Betrieb, gegründet 2009.

Hinter der ungewöhnlichen Bestellung steckt eine Geschichte: „Die Weseler Innenstadt war nach dem Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Eine Bürgerinitiative hat über viele Jahre lang Geld gesammelt, um die gotische Rathausfassade wieder im alten Stil herzustellen zu lassen. Man fragte uns, ob wir anhand alter Fotos Modelle für die Fassadenfiguren anfertigen könnten“, so Fischer.

Auf Büsten, Figuren, Reliefs spezialisiert

Das Ego3D-Team konnte, hat es sich doch auf die Produktion von Büsten, Figuren, Objekten, Skulpturen und Reliefs mit Hilfe von 3 D-Duckern spezialisiert. Im Dezember wurden die vier Statuen aus Kunstsandstein an der Weseler Rathausfassade angebracht und feierlich enthüllt.

„Das Fertigen der 3D-Objekte ist ein manueller Vorgang, der viel künstlerisches Gespür erfordert“, sagt Robert Fischer. Unter den fünf Mitarbeitern sind zwei studierte Künstler und ein Landschaftsmaler. Als Vorlage dienen ihnen in der Regel Fotografien. Karl Samus modelliert gerade eine dreidimensionale Büste am Rechner. Während er auf den Bildschirm schaut, zeichnet er (quasi blind) auf dem Grafik-Tablet. Haarsträhne für Haarsträhne wird eingefügt. „Die Haare sind sehr schwierig, sie machen 50 Prozent der Arbeit aus“, erklärt er. Generell gelte: Junge Menschen sind schwieriger zu modellieren als ältere, denn ihren Gesichtern fehlen die charakteristischen Falten. Und: Besser keine lächelnden Gesichter mit offenem Mund kreieren, denn die wirken immer künstlich.

Digitales Modellieren

Auf das digitale Modellieren folgt der Druckvorgang. Sieben 3D-Drucker, die mit verschiedenen Techniken und Materialien arbeiten, hat Robert Fischer inzwischen angeschafft. Heraus kommt beim Drucken immer ein Kunststoffobjekt, das „Schicht für Schicht aufgebaut wurde“. Bei richtig großen Figuren oder Skulpturen (für eine holländische Künstlerin vergrößerte man eine 10 Zenitmeter große Skulptur auf sechs Meter) müssen Einzelteile erstellt und später zusammengesetzt werden. Michael Lenz’ Aufgabe ist es danach, die gedruckten Produkte zu glätten, zu lackieren, zu beschichten oder zu bronzieren. „Es sei denn, das Modell geht an eine Gießerei und wird dort etwa mit Bronze ausgegossen“, sagt Robert Fischer.

Im Moment basteln die 3D-Experten an einer Buddha-Figur, die ein Kloster in Bayern geordert hat. Außerdem produzieren sie das Modell für eine Figur, die zur Premiere des Fantasy-Films „Ironman“ in allen deutschen Kinos aufgestellt werden soll.

Kaum vergleichbare Firmen in Deutschland

Vergleichbare Firmen wie Ego3D gibt es nach eigener Aussage in Deutschland kaum. Über 2000 Büsten (meist 15 bis 40 Zentimeter groß) hat man in Saarn schon angefertigt, von berühmten Persönlichkeiten, aber auch von vielen Privatpersonen – eine 15 Zentimeter große Büste kostet rund 100 Euro.

Thomas Gottschalk druckte man in Kunststoff – als Gag für eine Fernsehsendung), zudem Käpt’n Ehlers aus der Vorabendserie „Küstenwache“ oder den chinesischen Künstler Ai Weiwei (für einen deutschen Fan). „Vor einiger Zeit kam auch der Enkel von August Macke zu uns, mit einem Foto von der Büste seines Großvaters, die verloren gegangen war. Die haben wir dann rekonstruiert“, erzählt Robert Fischer.

Auch Figuren made in Mülheim kann man an vielen Orten besichtigen: zum Beispiel eine Statue des Komponisten Mendelssohn-Bartholdy vor der Düsseldorfer Oper oder ein Abbild des Fußballers Helmut Rahn im RWE-Fanshop. Nachdem Diebe an einem Ehrenmahl in Wuppertal 15 Bronzetafeln geklaut hatten, sorgte das Ego3D-Team ebenfalls für Ersatz aus Kunststoff. Für eine Berliner U-Bahn-Station fertigte man ein Relief in Form eines Dinosauriers an.

Nur einmal lehnte Firmenchef Robert Fischer eine Anfrage ab. Ein Schweizer Museum wollte eine Büste von Osama bin Laden.

Andrea Müller

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2016-02-09 09:00
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