Festival mit intensiver Publikumsbeteiligung

Foto: Theater Göttingen

Mit „Homo Empathicus“ (heute und morgen, 19.30 Uhr, Stadthalle) ist die junge Autorin Rebekka Kricheldorf zum dritten Mal für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert.

Was macht aus Ihrer Sicht den Charakter der „Stücke“ aus?

In Mülheim spielen zwar auch die Inszenierungen eine Rolle, aber im Vordergrund stehen, wie es sich für das wichtigste Festival der Gegenwartsdramatik gehört, die Texte. Und es ist kein Festival, bei dem sich, wie bei anderen häufig der Fall, hauptsächlich Theatermacher Theater anschauen und anschließend über Theater diskutieren, sondern es lebt von einer intensiven Publikumsbeteiligung. Das kann, wie bei einem der Publikumsgespräche zu meinem Stück „Alltag & Ekstase“ letztes Jahr, auch mal in einen völlig absurden Eklat münden. Das ist in Ordnung, dann passiert immerhin was.

Worum geht es in Ihrem Stück „Homo Empathicus“?

Ihnen ist klar, dass das die schlimmste Frage ist, die man einem Autor stellen kann? Weil es in einem Stück ja selten nur um ein einziges, klar definierbares Thema geht. Aber dann versuche ich es mal: „Homo Empathicus“ versteht sich u.a. als theatrales Experiment zur Erforschung der Möglichkeiten, Grenzen und Folgen einer konfliktbefreiten Gesellschaft mit besonderem Augenmerk auf den Umgang mit Sprache.

Das Stück ist ein Auftragswerk. Wie war Ihre Zusammenarbeit mit dem Regisseur und dem Ensemble?

Da ich Erich Sidler durch mehrere gemeinsame Arbeiten inzwischen sehr gut kenne, konnten wir uns im Vorfeld intensiv über Thema und Struktur des Stücks austauschen. Das Göttinger Ensemble existierte während des Schreibprozesses ja noch gar nicht, sondern war gerade im Entstehen begriffen. Bei den Proben habe ich mich dann nicht mehr groß eingemischt, denn es ist nicht die Aufgabe des Autors, ständig auf der Probe rumzuhängen und den Fantasie-Flow der Schauspieler und des Regieteams mit Autorenschlaumeiereien zu stören.

Ihre Lieblingsstelle im Stück?

Mir fällt es schwer, den Gesamtabend in einzelne Stellen zu zerlegen. Aber vielleicht kann ich exemplarisch einen Aspekt der Inszenierung hervorheben, den ich beim Schreiben so gar nicht voraussehen konnte, nämlich die Choreographie, die physischen, gruppendynamischen Bewegungsabläufe, die die Grenzen zwischen Sprech- und Tanztheater verwischen. Das ist eine neue, für mich sehr bereichernde Erfahrung mit meinen meistens doch recht textlastigen Stücken.

Wie viel Homo Empathicus steckt in Ihnen?

Es gibt Momente, in denen es mir so vorkommt, als bestünde ich ausschließlich aus Spiegelneuronen.