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Bollywood-Moden

Farben wie im Film

29.08.2009 | 06:00 Uhr

„P.S. Import Export” steht auf einem Firmenschild an der Eppinghofer Straße 142, das den Weg in den Hof weist. Import, Export, das kann alles bedeuten. Doch kaum ist man durch die Einfahrt und sieht die zweistöckig sich hinziehende Fensterfront des Ladens, wird es unfassbar farbig.

Erst recht, wenn man das Geschäft betritt. Denn die Firma, hinter der zwei Brüder aus Sri Lanka stehen, ist spezialisiert auf indische Textilien und typischen Schmuck. „Bollywood-Moden” heißt das werbewirksame Wort – genau wie es auf dem Schaufenster der Konkurrenz steht, nur wenige Häuser weiter. Kleidung, wie sie die Darsteller der Hindi-Unterhaltungsfilme tragen, die auch hierzulande immer mehr Fans finden.

Den Laden von Siva Packi-yanathan gibt es allerdings schon seit 20 Jahren, gewechselt hat nur die Adresse: Im Neuhof 7 steht noch auf den Plastiktüten, die neben der Kasse liegen, doch vor vier Monaten seien sie umgezogen, erklärt Yogabavan Packiyanathan. Der 33-Jährige ist derzeit Ansprechpartner in geschäftlichen Fragen, da sein älterer Bruder Siva, wie häufig, in Indien zu tun hat.

Er sagt, die bisherigen Räume von etwa 60 qm seien zu klein geworden. Nun umfasst das Geschäft auf zwei Etagen die dreifache Fläche, vielleicht auch mehr, mit Parkplätzen direkt vor der Tür. Die Lage in Eppinghofen findet Packiyanathan auch wegen der Bahnhofsnähe gut. Sie hätten nicht nur Kunden, die aus Mülheim kommen.

Im Laden führt Kamala Shanmuganathan, eine modisch versierte Mitarbeiterin, durch das Sortiment. Jede Farbe der Welt scheint es hier auf dicht behängten Ständern zu geben: tiefes Türkis, glühendes Rot, sonniges Gelb. Saris liegen hier zu flachen Päckchen gefaltet: in sechs Meter langer Einheitsgröße, die man sich elegant um den Körper legt. Für zwölf Euro bekommt man ein einfachstes Modell, 600 kann der Sari für eine Hochzeit kosten, dann sind die Pailletten und Steinchen aber auch per Hand aufgestickt.

Viele, viele Kleider und Tuniken gibt es hier, schon in Kindergrößen, die man üblicherweise mit passenden Hosen kombiniert, aber auch zur Jeans tragen kann. Für kleine Mädchen hängen hier pinkfarbene Kreationen mit üppigen Tüll-Tutus, für Herren kragenlose, knielange Kurtas, von eher einfach bis edel.

Im hinteren Ladenbereich liegt fisselig geformter Schmuck in Vitrinen: Colliers, Ohrringe, Armbänder, Nasenstecker. Durchweg in Gold, gerne mit Brillanten und Rubinen, da die Farbkombination Rot und Weiß Glück verspricht. Darauf will man sich aber wohl nicht hundertprozentig verlassen, denn die Verkaufsräume werden von Kameras überwacht. Doch immer noch ist der Bollywood-Auftritt nicht komplett: Eine Etage höher gibt es Glitzersteinchen und -spangen für die Frisur, dekorative Aufkleber für Handrücken, Finger und Füße.

Yogabavan Packiyanathan trägt nach eigener Aussage meist Anzug, wie andere Geschäftsleute auch, hat aber für besondere Anlässe auch traditionelle Kleidung samt Turban zu Hause. Die Kundschaft, meist aus Indien, Sri Lanka, Thailand oder Singapur stammend, kleide sich meist für festliche Gelegenheiten ein. Für das alltägliche Stadtleben seien Saris auch nur bedingt geeignet: „Im Winter ist es hier zu kalt.”

Annette Lehmann

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