Farben in der Praxis
20.08.2011 | 09:00 Uhr 2011-08-20T09:00:00+0200
Mülheim. Farbe, Licht und Bilder der Natur vereint Heike Ulrich zum Gestaltungskonzept. So müssen Wartezimmer nicht Weiß sein. Im Gegenteil, so die Existenzgründerin, die mit dem Unternehmerinnenbrief NRW ausgezeichnet wurde: „Weiße Wände erhöhen den Stress.“
Farben tragen Bedeutung, das gehört zum unbewussten Allgemeinwissen. Man denke nur an Schwarz als Zeichen der Trauer, an das Weiß zur Hochzeit, das Rot der Liebe und die „fröhliche Farbe“ Gelb. Das Wissen, dass Farben auch Stimmungen beeinflussen, gar zur Genesung beitragen können, scheint jedoch noch nicht weit verbreitet zu sein.
Heike Ulrich spürt das immer wieder. Die Existenzgründerin entwickelt für Arztpraxen, Krankenhäuser , Seniorenheime und andere medizinische Einrichtungen Gestaltungskonzepte, die Farbe, Licht und Bilder der Natur einbeziehen.
Von der Architektin zur "Farbgestalterin"
Am Anfang stand für Heike Ulrich allerdings die Architektur. Auch in ihrem ersten Beruf agierte sie zuletzt besonders im medizinisch-pflegerischen Sektor, entwarf als Architektin Senioreneinrichtungen sowie Hospize und übernahm die planerische Leitung in der Bauphase. Bereits dabei reifte in ihr die Erkenntnis, „dass etwas fehlt“. Also ließ sie sich zur „Farbgestalterin“ ausbilden. Sie beschäftigte sich intensiv mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, die in den USA bereits vor 20 Jahren gewonnen wurden und die, wie sie erklärt, „fünf Raumschlüsselelemente herausarbeiteten, die in der Hauptsache durch die positive Wirkung von Licht und Farbe gestaltet werden“. Licht und Farbe begleiteten sie fortan, bildeten auch im „Produktdesign“-Studium, das sie anschloss, den Schwerpunkt.
Alle drei Bereiche vereint Heike Ulrich in ihrer Selbstständigkeit. Dabei ist ihr besonders wichtig, dass ihre Arbeit wissenschaftlich begründet ist. „Im Alter nimmt die Sehleistung ab“, nennt sie ein Beispiel. „Die Linse trübt sich. Dadurch wird das blaue Licht reflektiert und die Menschen sehen gelblicher.“ Dies könne man durch entsprechende Gestaltung ausgleichen. „Farbkontraste gezielt einzusetzen“ sei eine weitere Möglichkeit, um älteren Menschen die Orientierung zu erleichtern: „Man kann auch mit Licht jemanden durch ein Haus leiten oder Menschen helfen, durch den gezielten Einsatz von Tageslicht ihren natürlichen Schlafrhythmus zu erhalten.“
Vorliebe für Details
Dieses ergänzt die Mülheimerin in ihrer Arbeit durch selbst fotografierte „Bilder der Natur“. Eine Vorliebe für Details hat sie dabei, geht etwa ganz nah an Blüten ran. „Im Detail ist mehr zu entdecken“, sagt sie. „Dadurch sind die Menschen abgelenkt.“ Das sei in Wartezimmern ein wichtiger Aspekt. Zudem zitiert sie Untersuchungen, nach denen „das Betrachten von Bildern der Natur den Stresspegel senkt“. Weiße Räume hingegen erhöhten den Stress.
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Lange weiße Krankenhausflure sucht man bei Heike Ulrich dann auch vergeblich. Dabei hat sie nicht nur die Optik, sondern auch die Praxis im Blick – und das für jede Abteilung: Die Bedürfnisse einer Gynäkologie seien andere als die einer Orthopädie.
Ein paar Monaten ist Heike Ulrich selbstständig, mit dem Start bisher aber zufrieden. Sie blickt positiv in die Zukunft. Denn sie ist sicher, dass der Wettbewerb im medizinischen Bereich größer werden wird. „Und je mehr Wettbewerb, desto wichtiger werden solche Faktoren sein, um Patienten zu gewinnen.“

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