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Pfarrersleute ziehen um

Familie auf dem Sprung nach Edinburgh

03.08.2015 | 09:00 Uhr
Familie auf dem Sprung nach Edinburgh
Pfarrer Thomas Jantzen ( Ev. Kirchengemeinde Broich-Saarn) wandert mit seiner Familie nach Schottland aus.Foto: Heinrich Jung

Mülheim.   Verena und Thomas Jantzen, das Pfarrerehepaar aus Saarn/Broich zieht es nach Schottland. Abenteuerlust paart sich mit Abschiedsschmerz. „Wir hatten hier eine tolle lebendige Gemeinde.“

Sie sitzen vielleicht zum letzten Mal auf der Terrasse, blicken in den sonnigen Garten und wirken so ruhig, als ginge es um eine Urlaubsreise. Und nicht um einen neuen Lebensabschnitt, der schon am heutigen Montag beginnt, wenn sie die Fähre von Rotterdam nach Hull besteigen. Verena und Thomas Jantzen, das Pfarrerehepaar der evangelischen Gemeinde von Broich-Saarn , sagt nach neun Jahren „Goodbye Mülheim“ und beginnt in Edinburgh, Schottland, zu arbeiten.

Was fällt Tochter Clara (8) ein, wenn sie an Schottland denkt? „Die Schuluniform!“ Wenn es losgeht, wird sie auch eine tragen. „Clara ist doch sehr traurig darüber, dass wir wegziehen“, sagt ihre Mutter. Aber per Skype könne sie ihre Freundinnen ja jederzeit sehen und sprechen. „Anna kommt vom Kindergarten direkt in die zweite Klasse der Grundschule, weil man dort mit fünf Jahren eingeschult wird.“ Fremde Sprache, erstmals zur Schule – das ist nicht leicht. Eine deutsche Schule gibt es in Edinburgh nicht. Nur der Jüngste, Felix (3), wird wohl einfach hinübergleiten ins neue Leben..

Vorfreude auf Edinburgh

Wie man Edinburgh ausspricht, wird am Tisch schon mal geübt, denn wer „Edinbörg“ sagt, ist bei den Schotten gleich unten durch. Clara: „Es heißt Edinbörrra“. Dann wird gerätselt, wie die Schotten Mülheim aussprechen, wo sie doch kein ,ü’ kennen. Die Kinder giggeln: „We come from Muuulheim…“

Das Ehepaar Jantzens freut sich sehr auf die neue Aufgabe. Die Stelle in der deutschen Auslandsgemeinde in Großbritannien war zwar ein Herzenswunsch, seit Verena Jantzen einmal ein Jahr dort gearbeitet hat, aber natürlich fällt ihnen der Abschied schwer. Die Zeit in Mülheim war „bereichernd“. Thomas Jantzen (49): „Es war hier eine sehr lebendige Gemeinde, mit 500 Ehrenamtlichen. Viele Menschen werden wir vermissen.

Wir lassen Mülheim mit großer Dankbarkeit zurück. Es gab auch viele emotionale Tage. Die Christuskirche hat ja am 31. Mai schließen müssen.“ Beide betonen, dass ihr Weggang nichts mit der Schließung zu tun habe. Mit Schottland bot sich eine Chance, die haben sie genutzt. Der letzte Gottesdienst mit anschließendem Fest habe allen Beteiligten gut getan, es sei ein liebevoller Abschied gewesen. Für sechs Jahre haben sie nun die Pfarrstelle in Edinburgh, drei Jahre können sie dranhängen. Das neue Pfarrhaus kennen sie schon, es liegt in einer ruhigen Wohngegend und nahe an ihrer neue Wirkungsstätte.

Kirche in England

Auf die Unterschiede angesprochen, nennt Thomas Jantzen das Stichwort „Freiwilligkeitskirche“: „Kirchensteuer gibt es nur in Deutschland. Hier zählt jeder getaufte evangelische Mensch als Kirchenmitglied. In Großbritannien trägt man sich aktiv in eine Mitgliederliste ein und macht dann auch richtig in der Gemeinde mit.“

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Schottenrock, Dudelsack und deutsches Brot

Die unvermeidliche Frage nach dem Schottenrock muss auch einem ev. Pfarrer mal gestellt werden. „Ich will einen“, ruft Clara. So einfach sei das nicht, den darf nicht jeder tragen, meint Thomas Jantzen. Aber er will vielleicht bei Gelegenheit versuchen, aus einem Dudelsack eine Art Ton rauszukriegen. Und bei schottischen Tänzen und beim Baumstammwerfen mal mitmachen.

Bliebe noch die Frage nach dem deutschen Brot, wo doch in GB angeblich jedes Brot wie Pappe schmeckt. „Da haben wir unheimliches Glück“, sagt Verena Jantzen. Sie haben schon einen deutschen Bäcker gesehen, nur 800 Meter vom Pfarrhaus entfernt. „Ob der aber einen so tollen Streuselkuchen macht wie die Mülheimer Bäcker, das muss sich erst zeigen“, so Thomas Jantzen.

Außer in Edinburgh predigen sie sonntags noch in Glasgow und, weiter weg, in Newcastle. „Das fahrende Pfarramt“, witzeln beide. Am 16. August, da kann, wer will, an sie denken, dann ist schon der erste Gottesdienst in der neuen Heimat.

Inge Merz

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2015-08-03 09:00
Mülheim