Fachleute kontrollieren Mülheimer Deiche

Keine Wandergruppe, sondern die offizielle Deichschau der Stadt Mülheim mit der Bezirksregierung Düsseldorf. Nur intakte Deiche können die Stadt vor möglichem Ruhr-Hochwasser schützen.
Keine Wandergruppe, sondern die offizielle Deichschau der Stadt Mülheim mit der Bezirksregierung Düsseldorf. Nur intakte Deiche können die Stadt vor möglichem Ruhr-Hochwasser schützen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Einmal im Jahr werden die zehn Kilometer Ruhrdeich auf Mülheimer Gebiet zu Fuß auf Schäden kontrolliert.

Mülheim/Styrum.. Gelegentlich müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde im Umweltamt und anderer Abteilungen der Verwaltung die Wanderschuhe schnüren: Nämlich dann, wenn die Deichschau angesagt ist. Das geschieht einmal im Jahr in Styrum und in Saarn, wenn Vertreter der Bezirksregierung prüfen, ob die Deiche in der Kommune auch gut in Schuss gehalten werden. Denn das wird ja immer gern vergessen, wenn sommers die Ruhr brav in ihrem Bett bleibt: Die rund 7,2 Kilometer Ruhrdeich allein in Styrum dienen dem Schutz vor Überschwemmung. Zuletzt gab es in der Styrumer Ruhr­aue 2007 eine Seenlandschaft, und das untere Drittel des Styrum-Alstadener Ruhrdeichs war schon nicht mehr zu sehen, wie sich städtische Mitarbeiter erinnern.

Springkraut muss gemäht werden

Doch jetzt schauen alle vom Spazierweg auf dem Deich von oben herab auf trockene Wiesen an der Stadtgrenze zu Oberhausen. An der Eisenbahnbrücke vor dem Naturbad Styrum herrscht an diesem Vormittag eine sommerliche Idylle. Sachbearbeiterin Martina Daube und Dezernent Artur Bowkun von der Oberen Wasserbehörde in Düsseldorf verabschieden sich von der Oberhausener Stadtvertretung, die Mülheimer übernehmen ab hier 7,2 km Deich als unterhaltspflichtige Behörde. Martina Daube erklärt noch, dass die von der Ruhr abgewandte Seite auf ein paar Metern vom Springkraut befreit werden müsse: Damit man im Hochwasserfall auch sehen könne, ob auf der anderen Seite schon Wasser austritt.

Oberhausen oder Mülheim in der Pflicht? Das werde man auf dem kleinen Dienstweg klären, schmunzelt Ulrike Bresa, Abteilungsleiterin der Unteren Wasserbehörde. Eine geschlossene Grasnarbe ist für einen Deich auch auf der Landseite sehr wichtig. „Wurzeln und Grasnarbe sorgen für die Verfestigung des Deichs“, erklärt Martina Daube. „Wo Springkraut wächst, hat Gras keine Chance.“ Schwachstellen des Deichs, die die Fachfrau bemängelt, müssen behoben werden, was manchmal nicht so einfach ist, wie eine kahle Stelle zeigt, wo das Gras nicht wachsen will. „Dort liegen die Kühe gern“, weiß man bei der Stadt.

Und in den letzten Wochen war es auch sehr trocken. Wühlmäuse und Kaninchen graben gern mal hie und da den Deich an, und das muss dann von Menschenhänden wieder repariert werden. Trampelpfade von Menschenfüßen sind auch nicht hilfreich, erklärt Ulrike Bresa: „Starkregen wäscht die Pfade aus, auch das schwächt den Deich.“

Trampelpfade schaden dem Deich

Doch Mängel auf Mülheimer Gebiet sind unspektakulär. Das stellte sich im Laufe des Tages noch heraus, als die Deich-Begehung über das Wasserwerksgelände, die Trinkwassergewinnung und das Kraftwerk Raffelberg zurück am Ruhrschifffahrtskanal bis zum Gelände an der Bodendeponie auf der anderen Ruhrseite zu Ende gegangen ist. Der Deich war an einigen Stellen nicht gemäht, was nachgeholt werden müsse, erklärte Ulrike Bresa. Zum Teil sind da andere Deich-Anrainer in der Pflicht, etwa der Ruhrverband, Wasser- und Schifffahrtsamt oder auch die Deutsche Bahn.

Am Donnerstag müssen die Städtischen Mitarbeiter wieder die Wanderschuhe schnüren: dann wird der Deich in Saarn links der Ruhr begangen. Aber das sind nur 3,7 km.