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Fachkräftemangel als Chance für Alleinerziehende bei Jobsuche

29.07.2011 | 17:34 Uhr
Fachkräftemangel als Chance für Alleinerziehende bei Jobsuche
Im Juni waren 742 alleinerziehende Mütter in Mülheim arbeitslos. Foto: Günter Blaszczyk

Mülheim.   Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist gerade für Menschen ein Drahtseilakt, die im Alltag auf sich alleine gestellt sind. Auch deshalb sind viele Alleinerziehende arbeitslos. Doch der Fachkräftemangel könnte dieser Gruppe neue Chancen eröffnen.

Im Juni waren in Mülheim 742 Alleinerziehende arbeitslos gemeldet. Nichts Neues: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist gerade für jene Menschen ein Drahtseilakt, die bei der Bewältigung des Alltags auf sich alleine gestellt sind. Das weiß auch die Agentur für Arbeit. Doch sie sieht Hoffnung, begründet durch einen wachsenden Mangel an Fachkräften.

Ein Fakt: Der große Teil der arbeitslosen Alleinerziehenden (zu 93,7 % Frauen) wird nicht von der Agentur für Arbeit betreut, sondern von der Sozialagentur. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass es sich um ein verfestigtes Problem handelt. Die Sozialagentur betreut nur Menschen, die entweder noch nie Fuß gefasst haben am Arbeitsmarkt oder schon länger als ein Jahr lang ohne Job dastehen.

742 Betroffene in Mülheim . Bei aktuell 6850 offiziell genannten Arbeitslosen macht das einen Anteil von mehr als zehn Prozent – eine Angelegenheit, um die sich die Gesellschaft dringend kümmern muss, lange nicht entschieden gekümmert hat. Es gab ja genug andere Arbeitskräfte am Markt  . . .

Chancengleichheit am Arbeitsmarkt

Marion Steinhoff, Beauftragte der örtlichen Arbeitsagentur für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, sieht nun den Wendepunkt gekommen. Mache sich der Fachkräftemangel heute schon im produzierenden Gewerbe breit, sagt sie, werde er bald den Büro- und Dienstleistungsbereich, der klassischerweise mehr Berufe für Frauen biete, erreichen. Arbeitgeber könnten sich in zunehmendem Maße nicht mehr erlauben, das große Potenzial jobsuchender, meist gut ausgebildeter Alleinerziehender links liegen zu lassen. Das Stigma, es sei ein Risiko, eine alleinerziehende Person zu beschäftigen, sei ohnehin nicht stichhaltig. Wer zu Hause allein verantwortlich sei, bringe Organisationskraft und andere Fähigkeiten mit.

Hoffnung gibt also die viel beschworene Umkehr am Arbeitsmarkt: Nicht länger sollen Arbeitgeber sich die Rosinen herauspicken können, die demografische Entwicklung soll vielmehr die Arbeitnehmer in die angenehme Situation versetzen, den Arbeitgeber zu wählen, der die besten Bedingungen bietet. So die Theorie, die freilich noch von vielen, die im Berufsleben stehen oder auf Jobsuche sind, angezweifelt wird.

Für Steinhoff jedenfalls steht fest: Arbeitgeber, die künftig in noch ausreichender Zahl qualifizierte Mitarbeiter rekrutieren wollen, werden nicht umhin können, auch Alleinerziehenden ein attraktives Arbeitsumfeld zu bieten.

55 Prozent der Frauen arbeiten in Teilzeit

„Die Betriebe müssen flexiblere Arbeitszeitmodelle anbieten.“ Telearbeit zu Hause sei eine Möglichkeit, das Einrichten von Mutter-Kind-Büros oder die Beteiligung an Betreuungskosten. Und Betriebskindergärten seien im Kommen. In Oberhausen gebe es schon welche beim Energieversorger EVO, bei einem Bildungsträger und beim Fraunhofer Institut, in Kürze auch in Mülheim bei Siemens. Vielleicht könnten kleine Firmen künftig gar Betreuung bei größeren Unternehmen buchen.

„Das Merkmal Familienfreundlichkeit“, so Steinhoff, „spielt mittlerweile, sowohl für Frauen als auch für Männer, eine wichtige Rolle bei der Auswahl des Arbeitgebers.“ Da täten Firmen gut daran, „sich rechtzeitig aufzustellen“.

Natürlich müssen auch fernab der Betriebe ausreichend Betreuungsangebote vorhanden sein, um Alleinerziehenden eine Hürde zum (Wieder-)Einstieg ins Berufsleben zu nehmen.

Steinhoff sieht Mülheim da mit dem Ausbau der U3-Plätze und der Ganztagsschule „auf einem guten Weg“, obwohl noch einiges zu tun sei: Betreuungszeiten müssten flexibler zu buchen sein. Schließlich arbeiteten in Deutschland 55 % der Frauen in Teilzeit. In jedem Fall mangele es an Angeboten in Randzeiten. Beispiel Einzelhandel: Die Öffnungszeiten werden immer länger, wo aber soll eine Alleinerziehende nach 16 Uhr ihr Kind unterbringen? „Da gibt es nicht viel mehr als Tagesmütter“, so Marion Steinhoff, die sich ergänzend institutionelle, für Geringverdienende finanzierbare Angebote wünscht.

Auch Alleinerziehende, sagt die Beauftragte für Chancengleichheit, müssten ein Stück weit umdenken. Viele Bewerber suchten eine Beschäftigung täglich von 8 bis 12 Uhr. Dabei seien zwei volle Tage und ein halber leichter zu organisieren – und für Arbeitgeber attraktiver, weil so eine Vollzeitstelle mit zwei Personen besetzt werden könne.

Mirco Stodollick

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Kommentare
01.08.2011
09:17
Fachkräftemangel als Chance für Alleinerziehende bei Jobsuche
von hans-thorsten | #9

Wie heisst es doch so schön im Ruhrgebiet: Sch... schön reden!

Hier wird ein bekannter Dauerbrenner altbacken aufgebraten. Die Betroffenen müssen umdenken, die Arbeitgeber müssen umdisponieren. Ja, gar um der Kritik vorzugreifen, werden die bösen Burschen erwähnt, die solcherlei Weisheit als der Realität ferne erachten; pfui, wie frech! Buh!!!

Mit moralinsaurem Fingerzeig repetiert man die staatlich per Agitprop vorgegebenen Phrasen im Brustton der Überzeugung, um gezielt den Blick von dem Elend der aus HartzIV den Weg heraus Suchenden abzulenken: Niedriglöhne in Deutschland als führendem Zeitarbeits- und Teilzeitland Europas; Altersarmut für die geburtenstarken Jahrgänge, die die Zahlmeister der frühverrenteten Jahrgänge sind, die man so aus der Arbeitslosenstatistik stahl; ab 45 bist du auf dem Arbeitsmarkt Abfall; Riester und private Renenversorgung als staatlich vorgeplanter Anrechnungsposten für die Sozialhilfe für die breite Masse der Aufstocker im Alter.

Wir brauchen Einwanderung, weil die (billigen) Fachkräfte fehlen. Ach, nicht zu vergessen, die deutschen Jugendlichen taugen ja nichts als Lehrlinge, - der Mist musste ja auch noch als Stützargument kommen (wie neu!!!). Demnächst verkauft man uns zum Frühstück noch die Verkündung der Vollbeschäftigung.

Wir haben die große Koalition im Wirtschaftsponsoring und Plündern der öffentlichen Kassen. Erst ebenen Schöder und Fischer den Versicherungen profitable Bahn mit Riesterkonstrukt und nich nachvollziehbaren Rechtsprivilegien (Maschm....), den Zeitarbeitern mit Sonderregeln und natürlich den allseits geliebten Banken. Dann toppt die nachfolgende Regierung Merkel das ganze mit Extrawürsten für die Energiewirtschaft en masse (bei Steuer und Finanzen rauchen Sie in der ersten Reihe; mit dem Zweiten zieht man besser). Da es keinen Mittelstand von erwähnenwerten Gehalt mehr gibt, definiert man diesen neu in immer wieder gern zitierten Statitisken auf einen Bereich um 1.000 € (netto) herum. Orwell´s Neusprech lässt grüßen. Ach ja, die Sozialhilfe liegt so etwa bei 780 € für Einzelpersonen als grobem Messwert. Statistik, als Helfer bei jeder gewünschten Realitätsverzerrung!

Die ehedem massiv getürkte Arbeitslosenstatistik wird sogar noch im Juli selbst zusätzlich entschuldigt: der Anstieg käme durch Schulabgängen und -wen wundert, klar- die Saison, das Sommerloch. Sicherlich ein Teil der Wahrheit, aber eben nur ein Teil, vorgeschoben zum Verdecken des großen Ganzen.

Und die demographische Schieflage kannte schon die Regierung Kohl, deren praktischerweise vorgegebene Omerta hierzu allzu eilfertig und gerne von der Regierung Schröder/Fischer fortgeführt wurde.


Freunde, oder solche, die sich als solche anheimeln wollen: der Bürger, auch und gerade der einfache, hat längst erfasst, was da abgeht. Die Zeiten, da man Slogans von sicheren Renten und anderweitige Blasen vorblubbern konnte, sind vorbei.

Und dies ist wohl der wahre Grund für freudestrahlende Schönfärberei am Himmel der geänderten Verhältnisse.

01.08.2011
09:03
Fachkräftemangel als Chance für Alleinerziehende bei Jobsuche
von hans-thorsten | #8

Wie heisst es doch so schön im Ruhrgebiet: Sch... schön reden!

Hier wird ein bekannter Dauerbrenner altbacken aufgebraten. Die Betroffenen müssen umdenken, die Arbeitgeber müssen umdisponieren. Ja, gar um der Kritik vorzugreifen, werden die bösen Burschen erwähnt, die solcherlei Weisheit als der Realität ferne erachten; pfui, wie frech!

Mit moralinsaurem Fingerzeig weis man die staatlich per Agitprop vorgegebenen Phrasen auf, um gezielt den Blick von dem Elend der Suchenenden abzuweisen: Niedriglöhne in Deutschland als führendem Zeitarbeits- und Teilzeitland Europas; Altersarmut für die geburtenstarken Jahrgänge, die die Zahlmeister der frühverrenteten Jahrgänge sind, die man so aus der Arbeitslosenstatistik stahl; Riester und private Renenversorgung als staatlich vorgeplanter Anrechnungsposten für die Sozialhilfe für die breite Masse der Aufstocker im Alter. Wir brauchen Einwanderung, weil die (billigen) Fachkräfte Mangeln.

Wir haben die große Koalition im Wirtschaftsponsoring. Erst ebenen Schöder und Fischer den Versicherungen profitable Bahn mit Riesterkonstrukt und Rechtsprivilegien, den Zeitarbeitern mit Sonderregeln und natürlich den allseits geliebten Banken. Dann toppt Merkel das ganze mit Extrawürsten für die Energiewirtschaft (bei Steuer und Finanzen rauchen Sie in der ersten Reihe; mit dem Zweiten zieht man besser). Da es keinen Mittelstand von erwähnenwerten gehalt mehr gibt, definiert man diesen in immer wieder gern zitierten Statitisken auf einen Bereich um 1.000 € (netto) herum. Ach ja, die Sozialhilfe liegt so etwa bei 800 € für Einzelpersonen als grobem Messwert. Statistik, Dein Helfer bei jeder gewünschten Realitätsverzerrung! Die ehedem massiv getürkte Arbeitslosenstatistik wird sogar noch im Juli selbst entschuldigt: der Anstieg käme durch Schulabgängen und -wen wundert, klar- die Saison.

Freunde, oder solche, die sich als solche anheimeln wollen: der Bürger, auch und gerade der einfache, hat längst erfasst, was da abgeht. Die Zeiten, da man Slogans von sicheren Renten und anderweitige Lügen vorblasen konnte, sind vorbei.

29.07.2011
18:04
Fachkräftemangel als Chance für Alleinerziehende bei Jobsuche
von nachdenken | #7

Da die Deutschen nach wie vor so schlau sind, die geringste Geburtenrate in der EU zu haben, gibt es ja Hoffnung, dass die Erpressbarkeit der Arbeitnehmer abnimmt (die restlichen EU-Ländern sind auch nicht viel besser beim Nachwuchs...).
Und da wir dann auch nicht als Volk ständig wachsen, kann ja auch das von Politikern so oft beschworene Wachstum der Wirtschaft auf reine Nachhaltigkeit (was wir halt brauchen) reduziert werden.
Dann brauchen wir auch nicht so viel Strom, müssen weniger Auto fahren, Straßen bauen, etc. was alles so Geld kostet.
Himmlische Zeiten! Statt Burnout wegen ununterbrochenem Arbeiten, endlich das bedingungslose Grundeinkommen - arbeiten wer, wann und was man/frau will....Geld ist ja durch die vielen geburtenstarken Jahrgänge genügend zum Vererben vorhanden - Danke an Euch!
Klassenzimmer mit 10-15 Schülern, Unis mit persönlicher Betreuung, Haute Cousine in der Kantine, Roboter für menschenunwürdige Arbeitsplätze....
Jipie! Utopia - wir kommen!

29.07.2011
14:34
Fachkräftemangel als Chance für Alleinerziehende bei Jobsuche
von gukop | #6

In meinem Arbeitsfeld kenne ich genügend alleinerziehende und teils gut qualifizierte Mütter, die gerne in arbeiten gehen würden. Einige werden nicht eingestellt, weil sie eben alleinerziehend sind. Andere wissen ihre Kinder in dieser Zeit nicht gut versorgt, da Ü3 und OGS nicht die Leistung erbringen, die versprochen wird. Wenn die Kinder durch dieses System am Ende statt integriert gar exkludiert werden, bedeutet es für die arbeitenden Eltern keinerlei Entlastung.

29.07.2011
14:13
Fachkräftemangel als Chance für Alleinerziehende bei Jobsuche
von cannae216 | #5

Die Verknappung von Arbeitskräften wäre auch durch die demografische Entwicklung schon früher zu Stande gekommen. Leider haben insbesondere SPD, Grüne und Gewerkschaften mit ihrer politischen Einstellung und Politik dafür gesorgt, dass das Potential an Arbeitskräften sich in Deutschland nicht verringern konnte. U.a. bedingt durch Zuwanderung gab es immer einen großen Überschuss an Arbeitskräften. Den Unternehmern hat diese gegen den Arbeitnehmer gerichtete Politik bestimmt gefreut.

29.07.2011
13:45
Fachkräftemangel als Chance für Alleinerziehende bei Jobsuche
von harrass | #4

Wer unter 3 millionen Arbeitslosen keinen Kandidaten findet, macht etwas falsch.

29.07.2011
13:44
Fachkräftemangel als Chance für Alleinerziehende bei Jobsuche
von wohlzufrieden | #3

Werner von Braun konnte nach eignen Angaben noch nicht einmal eine Steckdose reparieren. In unserer völlig bekloppten Welt würde man den Mann heute als schwer vermittelbar einstufen...

29.07.2011
13:20
Fachkräftemangel als Chance für Alleinerziehende bei Jobsuche
von hossabossa | #2

fachkräftemangel gibts nicht.
es gibt genug qualifizierte...nur die arbeiten halt nicht für hilfsarbeiterlöhne, die die arbeitgeber bzw zeitarbeitsfirmen zahlen wollen.

29.07.2011
12:38
Fachkräftemangel als Chance für Alleinerziehende bei Jobsuche
von feierabend | #1

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts waren etliche Berufe noch angelernt, nichts mit Ausbildung und Studium. Selbst Chemiker, Tätigkeiten, die heute ein abgeschlossenes Studium voraussetzen, waren damals einfache Angestellte. Im Laufe ihres Berufslebens leiteten sie ein ganzes Chemielabor. Der ganze Hype der Neuzeit über immer neuere Berufsbezeichnungen ist zum Teil unverständich und irreführend. Demnächst benötigen wir für einen einfachen Toilettengang Gebrauchsanweisungen und eine abgeschlossene Fortbildung, wie gestalte ich mein Alltagsleben zu Hause.

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