Experten überprüfen 215 Bäche in Mülheim

Auch über den Rumbach lässt sich im Gewässerzustandsbericht der Stadt so manches nachlesen.
Auch über den Rumbach lässt sich im Gewässerzustandsbericht der Stadt so manches nachlesen.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Stadt legt mit dem Gewässerzustandsbericht eine ökologische Bestandsaufnahme vor. Biologische, chemische und andere Aspekte wurden untersucht.

Mülheim.. Ach, wären doch all unsere Bäche bevölkert von Steinfliegen-Larven! Dann nämlich wüssten wir: Die Mülheimer Wasserläufe sind noch herrlich ursprünglich. Schön natürlich und supersauber. Dort, wo das empfindliche Insekt auftaucht, ist die Öko-Welt laut Ulrike Bresa, Leiterin der Unteren Wasserbehörde, noch in Ordnung. In der Karte des Gewässerzustandsberichtes, den sie am Montag vorstellte, werden diese Bäche in blau dargestellt. Leider überwiegen andere Töne.

Rot wird das Gewässer, wenn es in einem bedenklichen Zustand ist, wenn also eine Menge getan werden muss, um der Natur wieder halbwegs gerecht zu werden. Das kann der Fall sein, wenn ein Bach so verbaut ist, dass sich die Fauna nicht entwickeln kann. Wenn also etwa eines der stadtweit 500 Querhindernisse besteht, ein Bauwerk, das es den eigentlich im Wasser lebenden Tieren unmöglich macht, sich bachauf- und bachabwärts zu bewegen. Viele der hinderlichen Bauwerke – wie Verrohrungen, Rampen oder Abstürze – bestehen seit Jahrzehnten. Dass es rote Zonen geben würde, war für Ulrike Bresa also keine Überraschung.

„So etwas Genaues hatten wir hier in Mülheim noch nicht“

Und doch: Auch sie hat viele Erkenntnisse gewonnen in den vergangenen Monaten, „denn so etwas Genaues hatten wir hier noch nicht“. Nie zuvor gab es eine derart dezidierte Darstellung der Ist-Situation von Mülheims 215 Bächen. Der einzige Fluss übrigens, die Ruhr, war nicht Teil der Untersuchung, es ging einzig um die Zuflüsse zu Emscher, Ruhr und Rhein. „Nur dafür sind wir zuständig.“

Nie wurden so viele Informationen zusammengetragen. Über zwei Jahre lang arbeiteten Experten am Gewässerzustandsbericht. Liefen Bachläufe ab, kontrollierten, wie natürlich diese sind. Nahmen Proben, ließen im Labor die chemische Zusammensetzung analysieren. Legten sich auf die Lauer, um Tierchen im Nass zu entdecken.

Üppige Bestandsaufnahme von 350 Seiten

Herausgekommen ist letztlich eine üppige Bestandsaufnahme von 350 Seiten. Von dieser, so ist Ulrike Bresa sicher, werden nicht nur ihre Kollegen im Umweltamt profitieren. Sie werde auch etlichen anderen Stellen nützlich sein.

Und was nun wurde festgestellt? Zum Beispiel, dass der Schmitterbach unterhalb der A 52 in Mintard ein intaktes Gewässer ist. Aber auch, dass der Staaderbach gegenüber in Ickten in schlechtem Zustand ist. Dort lebt fast nur noch der Schlammröhrenwurm, und der schafft es fast überall.

Im Wasser wurde ungewöhnlich viel Salz gefunden. Vereinzelt wurden Schwermetalle nachgewiesen, Phosphat, Nitrat und Herbizide. Manches davon stamme wohl aus der Landwirtschaft. Noch aber sei unklar, ob der Befund nur eine Momentaufnahme war – oder mehr. Man werde das genau beobachten.