Experten für das perfekte Grün starten in die neue Saison

Greenkeeper und Golfer müssen aufeinander Rücksicht nehmen. Das gelinge problemlos, sagt Böllert.
Greenkeeper und Golfer müssen aufeinander Rücksicht nehmen. Das gelinge problemlos, sagt Böllert.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Greenkeeper Manfred Böllert und sein Team machen beim Golfclub in Selbeck den Platz für die neue Saison fit. Dazu gehört weit mehr als nur Rasenmähen.

Mülheim.. Derzeit erwacht an den ersten warmen Tagen des Jahres die Natur. Die Vegetation erblüht und das Grün sprießt – so auch auf dem Gelände des Golfclubs Mülheim an der Ruhr in Selbeck. Für Head-Greenkeeper Manfred Böllert und seine Kollegen ist der Frühlingsbeginn der Startschuss für die neue Saison. „In den kommenden Monaten ist die Pflege des Platzes ein Vollzeit-Job“, berichtet Böllert. Denn der Experte weiß: Damit die Golfer optimale Bedingungen vorfinden, ist mehr als nur bloßes Rasenmähen nötig – die Fortbildung für den komplexen Beruf des Greenkeepers dauert drei Jahre.

Das Grün zu stutzen ist jedoch die Hauptaufgabe, die Böllert und sein siebenköpfiges Team während der Saison täglich erledigen. „Der Arbeitstag beginnt um 6.30 Uhr mit dem Abbürsten des Taus, damit sich durch Feuchtigkeit kein Schneeschimmel bildet.“ Anschließend machen sich die Grünpfleger, die in der Regel eine Ausbildung in einem „grünen Beruf“ (bspw. Landschaftsgärtner) haben, an das Mähen der beiden Plätze – ein 18-Loch Meisterschaftsplatz und ein Kurzplatz mit neun Löchern. Rund zwei Drittel der 100 Hektar großen Anlage in Selbeck werden bespielt – und gepflegt. Die Greenkeeper nutzen Spezialmaschinen für die verschiedenen Spielbereiche.

Die Grüns, der Bereich um das Loch, in das die Golfer spielen, wird täglich gemäht und gewalzt, um jeden Halm zu erwischen. Das Gras wird mit einer Schnitthöhe von 3,5 Millimeter sehr niedrig gehalten. „Ein gutes Turniergrün muss hart sein, damit der Ball hier schnell und gerade läuft. Das ist schwierig und ich freue mich über positives Feedback nach Wettbewerben“, beschreibt Böllert eine der größten Herausforderungen in seinem Beruf. Zusätzlich werden mit einer Spezialmaschine Löcher aus dem Boden gestanzt und mit einer Sandmischung verfüllt, um den Effekt zu verstärken. „Sand macht das Grün treu“, zitiert Böllert eine Greenkeeper-Weisheit.

Regelmäßige Umgestaltung hält den Platz interessant

Nicht ganz so viel Pflege benötigt das Fairway – die Bahn, die zum Grün hinführt. Sie wird zwei Mal pro Woche gemäht und wächst circa 15 Millimeter hoch. Das Semi-Rough (3-5 Zentimeter) und Rough (10 Zentimeter) dürfen höher wachsen. „Es soll für den Spieler ja schwieriger werden, wenn sein Ball die Hauptspielbahn verlässt“, sagt Böllert.

Neben dem Mähen und Aerifizieren gehört auch das Vertikutieren zu den Aufgaben der Grünpfleger. Wöchentlich werden dabei Pflanzenreste entfernt und der Boden aufgelockert. Für all diese Aufgaben stehen Manfred Böllert und seinem Team rund 40 Spezialmaschinen zur Verfügung.

Neben der reinen Pflege können die Greenkeeper den Platz aber auch aktiv umgestalten. Ein neuer Teich oder Sandbunker erhöhe beispielsweise die Schwierigkeit für die Spieler. Dabei müsse man aber immer Rücksicht auf die Natur nehmen. „Die Golfer beobachten den Platz ganz genau. Die besten Grüns nutzen nichts, wenn die Anlage kein Flair hat.“

Dass das Flair erhalten bleibt, darum bemüht sich Manfred Böllert bereits seit der Gründung des Clubs in Selbeck im Jahr 1992. Eine Aufgabe, der sich der 59-Jährige auch bis zur Rente mit vollem Einsatz widmen will. „Wir haben ja das ganze Jahr immer reichlich zu tun“, sagt er. In der kalten Jahreszeit werden beispielsweise Bäume geschnitten und Wege gepflegt. Lieber ist Böllert aber die Hauptsaison: „Ich arbeite den ganzen Sommer in der Natur – was kann es Schöneres geben?“

Tipps: So wächst und gedeiht der Rasen zuhause

Damit auch der heimische Rasen im Garten in diesen Tagen wächst und gedeiht, gibt Greenkeeper Manfred Böllert einige nützliche Tipps für Hobbygärtner. „Man muss dafür sorgen, dass der Rasen ausreichend Licht und Luft bekommt. Oftmals liegt die Rasenfläche im Schatten hoher Bäume, was natürlich hinderlich für das „Wachstum ist.“ Große Bäume würden zudem mit ihren Wurzeln viele Nährstoffe aus dem Boden ziehen, die dem Rasen dann fehlen sagt Böllert.

Generell empfiehlt er Hobbygärtnern, von Experten eine Nährstoffanalyse des Bodens durchzuführen zu lassen. „Oftmals wird der Rasen intensiv und zu häufig gedüngt. Hier ist weniger meist mehr.“ Zudem sollte darauf Acht gegeben werden, den Rasen nicht zu kurz zu mähen. Regelmäßiges Vertikutieren zur Auflockerung des Bodens sei ebenfalls Pflicht.

Auch beim Wässern würden viele Hobbygärtner zu kleinteilig vorgehen. „Besser dem Grün einmal die Woche richtig Wasser geben, statt jeden Tag ein bisschen.“