Es kommt auf den Standort an

Neu ist die Nachricht wahrlich nicht: Alle Schulformen haben mit Unterrichtsausfall zu kämpfen. Oft eine Folge der Personalausstattung der Kollegien. Schon 2013 hat der Landesrechnungshof angemahnt, dass die tatsächlich ausgefallenen Unterrichtsstunden konkret erhoben und diese Zahlen für Eltern und Schüler transparent gemacht werden sollen.

Nach Auffassung der FDP kommt dieser Aufgabe das Schulministerium nur unzureichend nach. So stellt Ralf Witzel, Essener FDP-Landtagsabgeordneter, Jahr um Jahr für alle Städte in der Region eine kleine Anfrage an das Ministerium, um eine Übersicht über die Stellenbedarf und die Personalausstattung an allen Schulen zu bekommen. Das Ergebnis ist eine lange Tabelle. Die größte Abweichung zwischen dem Soll- und dem tatsächlich Ist-Zustand weist die Luisenschule auf, wo rechnerisch über vier Stellen fehlen. Bei den anderen weiterführenden Schulen liegt die Differenz in der Regel bei etwa zwei Stellen.

Das Ministerium betont jedoch, dass es sich bei den Daten lediglich um eine Momentaufnahme handele, die an einem speziellen Stichtag erhoben worden seien Kurz: Mittlerweile könnte sich die Lage vor Ort schon wieder ganz anders darstellen. Das bestätigt auch eine Nachfrage bei den Schulen direkt: „Wir hatten gerade in dieser Woche Vorstellungsgespräche für drei neue Stellen“, berichtet Ralf Metzing, Schulleiter am Gymnasium Broich. „Und wenn der Nachtragshaushalt des Landes genehmigt wird, kommt vielleicht sogar noch eine dazu. Ich bin zufrieden.“ In der Tabelle wird noch eine Differenz rund zwei Stellen angezeigt.

Sorgt die FDP mit ihrer Anfragen also bloß für viel Lärm um nichts? Das unterstellt zumindest das Schulministerium in seiner Antwort. Aber selbst wenn, so eine Strategie wäre für die Opposition auch durchaus legitim.

Interessant ist auch die Situation an den Förderschulen... Die Herausforderung, die es hier zu meistern gilt: die Inklusion. Von der Landesregierung als Leitbild ausgegeben, ist die praktische Umsetzung Aufgabe vor Ort.

Herausforderung Inklusion

Das Problem: Für die Pädagogen, die in den Regelschulen die Inklusion vorbereiten sollen, gibt es im Moment nämlich noch kein eigenes Stellenkontingent.

Diese Lehrer werden aus den Kollegien der Förderschulen abgeordnet. „Ich will mich eigentlich nicht beklagen. Denn ich weiß, dass alle Schulformen Probleme haben“, sagt Peter Kalde, Schulleiter der Rembergschule. „Aber für die betroffenen Kollegen ist das schon unangenehm. Und für die Schüler natürlich. Denn personelle Kontinuität ist gerade bei uns sehr wichtig.“ Seine Hoffnung ist, dass bald ein separates Stellenkontingent geschaffen wird. An seiner Schule beträgt das Defizit rund drei Stellen.

Noch eine interessante Information liefert die Anfrage: Die Klassen sind in der Regel an fast allen Schulformen mindestens mit 30 Schülern besetzt. An Gesamtschulen sind es 50 Prozent, an Gymnasien rund 35 Prozent, an Realschulen gut 38 Prozent. Kleinere Klassen gibt es lediglich in der Grundschule (0,4 Prozent haben größere), am Berufskolleg (3,9 Prozent) und an den Förderschulen, wo keine Klasse so groß ist.