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Es gibt kein Patentrezept

27.07.2010 | 15:37 Uhr
Es gibt kein Patentrezept
Bettina Jansen Psychoonkologin am St. Marien Hospital. Foto: Roy Glisson Waz FotoPool

Wer an einer Krebserkrankung leidet, leidet nicht nur körperlich. Bettina Jansen sorgt dafür, dass die seelischen Belastungen der Patienten im St. Marien Hospital gelindert werden.

Die Psychoonkologin arbeitet seit 15 Jahren mit Krebspatienten, und sie weiß, dass jeder Fall anders ist, dass jeder Kranke in jeder Phase andere Bedürfnisse hat.

Es komme vor, dass ein Patient besser mit seiner Erkrankung umgehen könne als seine Familie. Da ist die Psychologin nicht selten als Moderatorin gefragt. „Es gibt kein Patentrezept. Man muss gemeinsam mit den Betroffenen und den Angehörigen sehen, dass für jeden eine Lösung gefunden wird, von der alle Beteiligte etwas haben.“

Unwissenheit oft schlimmer als Diagnose

Die Diagnose Krebs sei beileibe nicht für jeden ein großer Schock, weiß Jansen aus langjähriger Erfahrung. „Viele empfinden die Ungewissheit vor der Diagnose als viel belastender“, sagt die Diplompsychologin, die sich zur Psychoonkologin weiter hat ausbilden lassen. Sie steht den Patienten, wenn diese das wollen, bei der Diagnosestellung zur Seite, bei der Behandlung und auch bei den Kontrolluntersuchungen. Sie besucht die Menschen am Tag vor der OP und auf der Intensivstation; wenn es denn gewünscht wird, bleibt sie bei den Arztgesprächen dabei. „Der Patient allein bestimmt das.“

Die Psychoonkologin sieht sich als Teil eines Teams, zu dem Ärzte, Schwestern, Pfleger, Physiotherapeuten, Seelsorger, Hospizmitarbeiter gehören, die eines eint: Dem Erkrankten soll so umfassend wie möglich geholfen werden.

Lebensfreude wieder herstellen

Bettina Jansen sieht ihre Aufgabe darin, den Patienten da abzuholen, wo er gerade steht, seine Lebensqualität zu verbessern, seine Genussfähigkeit und Lebensfreude so weit es möglich ist wieder herzustellen. Natürlich muss sie sich den Gefühlen der Betroffenen und ihrer Familien stellen: Ärger, Trauer, Hilflosigkeit lähmten viele. Wichtig sei, dass die Menschen das Gefühl bekämen, dass sie selbst aktiv etwas für sich tun könnten.

Oft müsse ein Patient Entscheidungen treffen, abwägen: Soll die OP durchgeführt werden? Soll man sich überhaupt einer Chemotherapie unterziehen? Wenn das Gedankenkarussell im Kopf schwindelig macht, hilft Bettina Jansen beim Aussteigen, trägt dazu bei, wieder Ruhe zu finden.

Angst vor Schmerzen und Hilflosigkeit

Die Angst vor dem Sterben ist für viele nicht das Schlimmste, hat Bettina Jansen in ihrer langen Praxis erfahren: „Oft ist die Angst vor Schmerzen oder dem Ausgeliefertsein und nicht mehr mitbestimmen können größer,“ weiß sie. Manchmal müsse auch noch ein Problem vom Tisch, gerade wenn die schlechte Prognose akzeptiert wurde. Mancher möchte doch noch etwas umsetzten von seiner Lebensplanung. „So individuell, wie ein Mensch lebt, so erkrankt und stirbt er auch“, sagt Jansen. Es gebe kein Patentrezept für die Hilfe: „Es ist eine Herausforderung, aber auch eine unglaublich vielfältige Aufgabe.“ Die ja auch viel Freude bringe. „Es ist nicht alles Trauer, Schmerz und Tod, es gibt auch vieles, worüber man sich freuen kann.“ Nicht zuletzt gibt es auch immer wieder gute Nachrichten im Genesungsprozess.

Bettina Kutzner

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