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70 Jahre Fotokopie

Es geht nicht ohne

22.10.2008 | 19:19 Uhr

Im Büromuseum wurde das Entstehen der ersten Fotokopie am 22. Oktober 1938 nachgestellt. 70 Jahre später kommt immer noch kaum ein Büro-Bereich ohne die Fotokopie aus

„Es wird noch viel kopiert in der Verwaltung. Kopieren ist preiswerter als drucken. Früher wurden etwa die Ratsvorlagen gedruckt, heute werden sie kopiert. Es geht auch schneller. Die Massendrucksachen sind eigentlich Massenkopien. Wir haben in der Städtischen Hausdruckerei eine Kopierstraße mit Hochleistungsgeräten. Kopieren heißt heute nicht, dass man nur auf einen Knopf drücken muss. Man muss fundierte PC-Kenntnisse dafür haben.” Volker Wiebels,  Pressesprecher der Stadt

„Besser wäre Katzenfell, aber damit geht es auch” – einen Putzlappen zieht Klaus Urbons hervor. Dann löscht er im Büromuseum im Rathausturm das Licht und beginnt über eine Zinkplatte und den darauf liegenden Schwefel zu reiben. Die Voraussetzung für Elektrofotografie: Nach 45 Sekunden ist die Platte aufgeladen. Urbons legt ein Glas mit der Aufschrift „22.10.2008 Glocal” aufs Metall. Dann beides unter eine starke Lampe: Licht aus! Überall dort, wo das Licht hinstrahlte, ist die Platte entladen. Mit Sporen des Bärlapps, unter Feuerspuckern als Lycopodium bekannt, kann Urbons die in den Schwefel „eingebrannte” Schrift sichtbar machen. Besser sieht man es, als er eine Wachstafel über die Platte presst. Wie ein Negativ liest man: „22.10.08 Glocal.”

Info
Ausstellung im Büromuseum

Der Künstler und Kopie-Experte Klaus Urbons stellt für das Büromuseum im Rathausturm nun eine Geschichte der Kopie zusammen. Und vor allem ihrer Geräte: von der handlichen Schreibtisch-Lösung bis zum raumfüllenden „Monstrum”. Die Ausstellung „Copy-Copy” (Di & Do, 14-16 Uhr) soll noch um einen Monat verlängert werden. Dann wird sie ins neue Medienmuseum wandern – sobald es fertig ist.

Etwa so muss es dem US-Erfinder Chester Floyd Carlson und seinem österreichischen Kollegen Otto Kornei ergangen sein. In Astoria/New York gelang ihnen am 22. Oktober 1938 der Durchbruch in der Electrofotografie. Und damit der Xeroxgrafie, selbst wenn das Kopierverfahren erst seit 1947 nach „Xerox” benannt wurde. Die Firma erwarb schon 1938 das Patent. Drei Jahre später brachte sie das Model A raus. Die 39 Bedienschritte pro Kopie dauerten selbst bei versierten „Usern” noch zwei bis drei Minuten.

Jede Abteilung hat eigene Kopierer. Ohne Kopien geht es nicht. Wir arbeiten abteilungsübergreifend, da schickt man Kopien weiter, nicht das Original.”  Kerstin ReulandPressesprecherin Siemens

Die elegante Brünette lehnt anmutig am Pult. Der Xerox 914 spuckt „Holzmedien” aus. Sechs Stück pro Minute. Es ist Freitag, Fünf vor Fünf – und der Chef, am Telefon im Hintergrund, benötigt noch ein paar Unterlagen „in Kopie”. „Ein großartiges Werbebild", schmunzelt Klaus Urbons. Der Durchbruch für Xerox. 1960 war das vollautomatische Ungetüm der „Stachel im Fleisch der Mitbewerber”, erklärt er. Das Gerät wurde damals für 95 Dollar pro Monat mit 2000 Freikopien vermietet. Das rechnete sich für Xerox, denn man machte mehr als geplant.

Unsere vier Kopierer sind geleast, das hält die Kosten pro Kopie niedriger. Die Schulverwaltung könnte gar nicht arbeiten ohne Kopien, die Lehrer erst recht nicht. Wir ziehen hier etwa 400 000 Kopien im Jahr, davon 300 000 für den Unterricht unserer 1600 Schüler. Die meisten Kopien benötigen die fremdsprachlichen Fächer und Deutsch. Die Schüler zahlen Kopiergeld – 10 € in der Oberstufe, die anderen 7 Euro.”   Elmar Schröer , stellv. Leiter der Gustav-Heinemann-Schule

 „Was man früher Xeroxgrafie nannte, gibt es im professionellen Druck nicht mehr”, erläutert Patrick Heimbuch. Auch Heimbuch Kopier- und Medientechnik – seit 1913 ist der Familienbetrieb in der Althofstraße – hat längst digital umgestellt. Inzwischen wird das „Original”  vom Abtasterlicht abgescannt und landet sofort als digitales True Image (TIF) oder Portable Dokument File (PDF) auf der Festplatte. Der große Schwarz-Weiß-Kopierer hat bereits 20 Millionen Din A4 Seiten hinter sich – in nur zwei Jahren.

Dennis Vollmer/Bettina Kutzner

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