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Erstes Lokal am Platz

27.03.2009 | 19:46 Uhr

In der „Camping-Tränke” gibt es Bier, Bingo und samstags Bundesliga. Hans-Günter und Christian Mocek betreiben die Kneipe nebenberuflich. Tagsüber arbeiten sie im Knast.

Ein frisch gelb gestrichener Flachbau, draußen warten Biergartengarnituren auf wärmeres Klima, drinnen nimmt der ausladende Billardtisch einen Gutteil der 112 Quadratmeter in Anspruch – das ist die „Camping-Tränke”, erste und einzige Kneipe am Platz. Auf den Fensterbänken kuscheln sich plüschige Küken in grüne Gardinen, über der Theke spannen sich fünf Fan-Schals von Fußballclubs – RWO bis Bayern München. Die Samstagsspiele der Bundesliga laufen hier live, und viele Camper kommen gucken.

Vor etwa zwei Jahren haben Hans-Günter und Christian Mocek das Traditionslokal am Entenfang mit wechselvoller Geschichte übernommen: Vater und Sohn, 60 bzw. 38 Jahre alt, der Senior wohnhaft in Speldorf, der Junior im Mobilheim vor Ort, beide hauptberuflich als Strafvollzugsbeamte an der JVA Düsseldorf im Einsatz. Unter Mitwirkung der zugehörigen Frauen und zweier Teilzeitkräfte läuft die Kneipe nebenbei. „Sie läuft gut”, sagt Hans-Günter Mocek, „weil die älteren Leute hier auch keine andere Anlaufstelle haben.” Die Betonung liegt auf „laufen”. Denn zur nächsten Pinte außerhalb des Platzes sind es einige Kilometer.

Werktags um 17 Uhr öffnet das Lokal seine Tür – bis 23 Uhr trifft sich der offiziell eingetragene „Raucherclub Campingtränke” (ohne Lizenz zum Qualmen, meint Mocek, ginge es nicht). Für Geselligkeit sorgen feste Termine: Immer am ersten Samstag wird Bingo gespielt (sehr beliebt), ebenfalls einmal monatlich füllt der Frauenstammtisch das Lokal mit Leben. Oldie-Abende, Tanz in den Mai, Oktoberfest – Schauplatz all dessen ist die „Camping-Tränke”.

Ansonsten trinkt man hier schlicht sein Bier, das kleine Pils für 1,20 €. „Immer mehr Gäste kommen auch zum Essen”, bemerkt Christian Mocek, der häufig selber am Herd steht. Die Speisekarte streckt sich vom Strammen Max bis zum Straußenfilet. Schnitzel gehen am besten.

Der Frühling eröffnet den Moceks einen weiteren Aufgabenbereich, denn zur Kneipe gehört ein Kiosk, an dem sich die Kinder Eis oder Pommes holen. Noch ist das Verkaufsfenster geschlossen, aber: „Spätestens Ostern fahren wir die Markise aus.” Ein Signal: Dann ist der Winter vorbei.

Annette Lehmann

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